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„Tatort“-Dreh in Gravenbruch : Und täglich grüßt der Geiselnehmer

Vor den Kameras: Schauspieler Christian Ehrich, Regisseur Dietrich Brüggemann und Schauspieler Ulrich Tukur (von Links) am Drehort. Bild: Hedwig, Victor

Im nächsten „Tatort“ des Hessischen Rundfunks gerät Felix Murot alias Ulrich Tukur in eine Zeitschleife. Bis Freitag wird dafür im Neu- Isenburger Stadtteil Gravenbruch gedreht.

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          In den Räumen der Taunusbank nimmt ein dramatisches Geschehen seinen Lauf: In einer Ecke kauern fünf verschreckte Geiseln am Boden. Felix Murot, Ermittler des Landeskriminalamts, versucht, Informationen vom Geiselnehmer zu erhalten: „Wie ist dein Name?“ Doch der zeigt sich wenig kooperativ: „Denk dir einen aus.“ Murot packt den Mann am Hals, wirft ihn zu Boden. Da gelingt es dem Bösewicht, Murots Waffe zu ergreifen; es knallt. Murot sackt leblos über dem Geiselnehmer zusammen. Auch Murots Assistentin Magda Wächter kann das tragische Ende nicht verhindern. Ortskundige aus dem Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch kennen das Bankgebäude am Dreiherrnsteinplatz als frühere Filiale der Drogeriekette Schlecker. Trotz auffälliger Werbung im Schaufenster („Endlich ein eigenes Sparkonto mit 1% Zinsen“) und rotweißen Logos, trotz Geldautomaten und Selbstbedienungsterminals im Vorraum kann man dort weder Geld einzahlen noch abheben.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          „Filmset, keine Bank, keine Euro“ hat jemand handschriftlich auf einem kleinen Pappschild an der Tür vermerkt. Die Automaten sind ebenso wenig echt wie Murot, Gieseking, Wächter und die Geiseln. Zum siebten Mal steht Ulrich Tukur in der Rolle des Ermittlers für einen „Tatort“ des Hessischen Rundfunks vor der Kamera. Für die Szene hat er sich noch schnell eine Waffe und eine schusssichere Schutzweste reichen lassen. Barbara Philipp geht ihm als Magda Wächter zur Hand. Christian Ehrich spielt den Geiselnehmer, den eine Komplizin, dargestellt von Nadine Dubois, unterstützt. Regie führt Dietrich Brüggemann, von dem auch das Drehbuch stammt. In der „Wiesbadener Feinbäckerei“ direkt neben der Bank kann man auch keine Brötchen kaufen: Sie dient als komparsenbevölkertes Dekor für Außenaufnahmen. Am 3. Mai haben die Dreharbeiten in Frankfurt und Umgebung begonnen. Drei Wochen ist das Team in Gravenbruch zugange.

          „Eine phantastische Reise in den Irsinn“

          Dort wird noch bis morgen gedreht. Zehn bis elf Stunden könne ein einzelner Drehtag schon dauern, verrät der zuständige Redakteur des Hessischen Rundfunks, Jörg Himstedt. Tukur alias Murot muss diesmal besondere Herausforderungen bestehen: Wächter ruft ihn wegen eines Banküberfalls frühmorgens an und reißt ihn aus dem Schlaf. Kaum hat Murot den Geiselnehmer überredet, sich zu stellen, geht etwas schief. Murot wird erschossen – und wacht schweißgebadet auf: Das Telefon klingelt. Wächter ruft ihn am frühen Morgen wegen eines Banküberfalls an. Murot begibt sich zum Ort des Geschehens... In elf Variationen durchlebt der zunehmend nervlich strapazierte Ermittler den gleichen Tag. „Murot und das Murmeltier“ lautet denn auch der Arbeitstitel dieser „Tatort“-Folge: Der Hessische Rundfunk nimmt eine Anleihe bei der amerikanischen Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in der für Hauptdarsteller Bill Murray immer wieder der gleiche Tag beginnt. Für Murot entwickelt sich das Geschehen zum Albtraum.

          Wer wissen will, ob und wie er aus der Zeitschleife herauskommt, muss sich bis zum nächsten Jahr gedulden; der genaue Sendetermin steht noch nicht fest. Es gibt aber schon Pläne für den nächsten Murot-„Tatort“, der im Sommer oder Herbst 2018 gedreht werden soll. Die aktuelle Folge dürfte für den Ermittler, der angesichts der ständigen Wiederholungen um seinen Verstand fürchtet, also doch noch ein gutes Ende nehmen. Er habe noch nie ein so makelloses, witziges und bösartiges Drehbuch gelesen, hob Tukur beim Ortstermin am Dienstagabend hervor. Für ihn sei dies der anstrengendste Tatort, den er bisher gedreht habe. Die Handlung beschrieb er als eine „phantastische Reise in den völligen Irrsinn“. In das, was Murot durchlebt, kann Tukur sich gut einfühlen: Er selbst habe früher einen „Theater-Albtraum“ gehabt.

          Auch mal wieder ein klassischer Kriminalfilm

          Darin stehe er allein auf der Bühne; der Vorhang gehe auf. Tausende Augen schauten ihn an, und er habe seinen Text vergessen. Die Angst des Schauspielers, zu versagen, „kommt ab und zu noch mal zurück“. Philipp sagte, sie habe ihre Rolle als „passive aggressive“ definiert. Die Polizeitruppe erlebe den Tag des Banküberfalls nur einmal, habe das aber schon elfmal gedreht: „Man könnte sich in den Kopf schießen.“ Ehrich ließ erkennen, ihm machten die Dreharbeiten sehr viel Spaß. Die Zusammenarbeit mit Tukur sei „ganz toll“. Man könne darüber streiten, „welche Rolle verrückter ist“. Die Reihe der Wiesbadener „Tatorte“ sei eine besondere und gehe an die Grenzen des Genres, machte die Fernsehdirektorin des Hessischen Rundfunks, Gabriele Holzner, deutlich.

          Für einen Sender sei „immer wichtig“, dass über einen Film, den man gemacht habe, gesprochen werde. In der Vergangenheit sorgte schon mancher Murot-„Tatort“ für Gesprächsstoff – etwa die 2014 ausgestrahlte Folge „Im Schmerz geboren“, die nicht weniger als 52 Leichen zu bieten hatte. Tukur ließ erkennen, er hielte es für „Quatsch“, wenn die „Tatort“-Filme mit Murot „immer verrückter“ würden. Dazwischen müsse es auch einen klassischen Kriminalfilm geben. Auf die Frage, ob er selbst einen Lieblings-„Tatort“ habe, erwiderte Tukur, er lebe schon lange in Italien und sehe wenig fern. Schön habe er die Krimis mit Klaus Schwarzkopf gefunden. Auch die in Frankfurt spielenden Folgen mit Margarita Broich und Wolfram Koch gefielen ihm. Seine eigenen „Tatorte“ sehe er sich hingegen überhaupt nicht an.

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