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Tag gegen Gewalt an Frauen : Menschenkette auf Abstand

Macht am Main: Teilnehmerinnen der Menschenkette zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke Bild: Lucas Bäuml

Am südlichen Mainufer haben sich am Mittwoch Frankfurterinnen versammelt, um auf Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen. Eine Farbe spielt dabei eine besondere Rolle.

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          Als der orangefarbene Sonnenball am Main in die Wolken sinkt, gibt es nur noch wenige Lücken in der Menschenkette zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke. Dafür noch viel mehr Orange: Entlang des Tiefkais stehen Frauen mit Stoffmasken in der Farbe der Gewaltfreiheit. Auch die zwei Meter langen Abstandsbänder, die sie in den Händen halten, sind orangefarben. Noch sind ein paar Jogger, Radfahrer und Nilgänse unterwegs.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwei- bis dreihundert Frauen haben sich nach Schätzung der Organisatorinnen zum Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen entlang des Uferwegs aufgereiht, als Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) um halb fünf die Teilnehmerinnen begrüßt. In der Menschenkette stehen auch ein paar Männer. Viele Teilnehmerinnen halten Plakate ihrer Vereine oder Parteien hoch. Manche haben ein kleines elektrisches Licht vor sich auf den Boden gestellt. Heilig sagt, es dürfe keine Toleranz geben bei körperlichen Übergriffen und Sexismus. „Wir fordern auf, hinzuschauen.“ Und immer müsse die Regel gelten: „Wer schlägt, der geht.“

          Ursula auf der Heide vom Organisations-Bündnis trägt einen Pussy Hat, eine rosafarbene Wollmütze. Als sie im August zu planen begonnen habe, habe es wenig Resonanz gegeben. Jetzt ist sie begeistert, wie viele trotz der Pandemie gekommen sind. Auch Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) hat sich eingereiht. Er sagt, er sei gekommen, weil er früher als Polizeibeamter erlebt habe, „was das heißt, wenn geschlagene Frauen auf dem Revier ankommen“.

          Eine hohe Dunkelziffer

          Die Farbe Orange steht symbolisch für Gewaltfreiheit – so sehen es auch die Vereinten Nationen, deren Vollversammlung vor mehr als 20 Jahren beschlossen hat, dass der 25. November der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen werden soll. Organisiert hat die Menschenkette das „Bündnis Frankfurt für Frauenrechte“, mitgemacht haben mehr als 30 Vereine und Institutionen, darunter auch die Frankfurter Verbände von SPD, Grünen und Linkspartei.

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          Das Bündnis verweist auf die Frankfurter Kriminalstatistik: 2019 habe es in der Stadt mehr als 1200 Fälle häuslicher Gewalt gegeben – „bei einer hohen Dunkelziffer“. Die Initiatorinnen der Menschenkette sind überzeugt, dass die Pandemie die „Gewaltbedrohung für viele Frauen und Mädchen“ noch erhöht. Deshalb „wollen wir nicht still und untätig bleiben“. Denn nach den Worten von Stadträtin Heilig ist Gewalt gegen Mädchen und Frauen „eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen der Welt“, die jede Frau treffen könne. Ein Drittel aller Mädchen und Frauen in Deutschland habe mindestens einmal im Leben körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren.

          Die Menschenkette war nicht die einzige Veranstaltung gegen Gewalt an Frauen in der Stadt. Mit Beginn der Dämmerung erstrahlten außerdem viele Gebäude in Orange, darunter die Alte Oper, die Katharinenkirche, die Paulskirche, die Europäische Zentralbank, das Polizeipräsidium und mehrere Museen. Das war Teil der internationalen Aktion „Orange the World“ der Frauenorganisation der Vereinten Nationen. Frankfurt machte dabei zum dritten Mal mit. Organisiert haben die Illumination in Orange zusammen mit dem städtischen Frauenreferat die zwei Frankfurter „Zonta-Clubs“ und die ebenfalls zwei Frankfurter „Soroptimist International Clubs“, beides internationale Organisationen berufstätiger Frauen. Noch bis zum 10. Dezember sollen die Gebäude abends angestrahlt werden, darunter auch Hotels und Geschäfte, das „My Zeil“, die Frankfurt School of Finance and Management und Gebäude der Goethe-Universität.

          An der Alten Oper schließlich wollten sich am späten Nachmittag Demonstranten versammeln, um gegen „Gewalt an Frauen und Queers“ zu protestieren. Dazu aufgerufen hatte ein „Bündnis zum Tag gegen patriarchale Gewalt“. Die beginne nicht erst bei Femiziden, also wenn Frauen wegen ihres Geschlechts getötet würden. Sie zeige sich auch „verbal, ökonomisch, digital, politisch“ – und richte sich außer gegen Frauen auch „gegen alle, die in der Frage der Identität und des Begehrens von der zweigeschlechtlichen Norm abweichen“.

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