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Mehrere Verletzte in Südhessen : Tornado? Eher eine Superzelle!

  • Aktualisiert am

Bild: Wolfgang Eilmes

Augenzeugen meinen, ein Tornado sei Teil des Unwetters über Südhessen am Sonntag gewesen. Der Wetterdienst geht aber von etwas anderem aus, das zu 1000 Einsätzen der Feuerwehr führte. Das Verkehrschaos dürfte noch anhalten.

          Bei den starken Unwettern in Südhessen sind am Sonntag mehrere Menschen verletzt worden. Allein im Kreis Offenbach gab es 21 Verletzte, vier Personen davon wurden schwerer verletzt, darunter ein Kind, wie das Polizeipräsidium Südosthessen bestätigt. Einen Überblick über die Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen hat die Polizei noch nicht angesichts der Fülle der Einsätze. „Wir hatten mehr als 300 Alarmierungen binnen zwei Stunden nur für den Landkreis Offenbach“, erläuterte ein Sprecher. Die Offenbacher Feuerwehr meldet mehr als 1000 Einsätze und spricht von einer „Schneise der Verwüstung“.

          Infolge des Unwetters sind Augenzeugenberichte über einen angeblichen Tornado aufgekommen. Ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach mag aber nicht an einen Tornado glauben. Aus seiner Sicht war eine sogenannte Superzelle mit einem „Downburst“ am Werk, einer extremen Gewitterfallböe.

          Eine solche Superzelle drehe sehr schnell und bringe sehr viel Regen und Hagel mit sich. Die Folge sei eine Art Regenwalze, die durch Straßenzüge noch kanalisiert werden könne. Während eines solchen Wetterphänomens fliege alles in eine Richtung, auch Regen und Hagel. Dagegen gehe es in einem Tornado buchstäblich rund. „Alle Videos, die ich gesehen habe, sprechen für eine Superzelle“, sagte der Sprecher zur F.A.Z.

          Von einem umgefallenen Baum getroffen

          Ein 34 Jahre alter Mann sei bei Ginsheim-Gustavsburg im Kreis Groß-Gerau in seinem Zelt von einem umgefallenen Baum getroffen worden, teilte die Polizei in Darmstadt mit. Lebensgefahr bestehe nicht. Im Kreis Offenbach seien mehrere Menschen verletzt worden, genaue Angaben konnte die Polizei am Montagmorgen zunächst nicht machen. Der Schaden des Unwetters mit Starkregen und Sturm sei immens.

          Aufgetürmt: Trümmer eines vom Sturm schwer beschädigten Daches in Mörfelden Bilderstrecke

          Straßen und Unterführungen wurden geflutet, Bäume knickten um und stürzten auf Autos, Dächer wurden abgedeckt und Straßen gesperrt. Im Fernverkehr mussten sich Bahnreisende auf Verspätungen und Ausfälle einstellen. Autobahnauffahrten und Fahrstreifen der A5 und A45 sowie Bundesstraßen sind für die Aufräumarbeiten teils gesperrt.

          Zeugen berichten von „Tornado“

          Zwischen Langen und Seligenstadt berichteten laut Polizei Zeugen von einem Tornado. Der Deutsche Wetterdienst konnte dies am Montag zunächst noch nicht bestätigten. Auch der Wetterseite „tornadoliste.de“ lagen zunächst keinerlei Erkenntnisse über einen Tornado in der Region vor.

          Nach einem Unwetter müssen Bahnpendler in der Mitte und im Süden Deutschlands am Montag weiterhin mit Problemen rechnen. Wegen eines Blitzeinschlags in ein Stellwerk in Walldorf im Kreis Groß-Gerau werde der Fernverkehr zwischen Frankfurt/Main und Mannheim in beiden Richtungen voraussichtlich bis zum Nachmittag umgeleitet, sagte eine Bahnsprecherin am Morgen.

          Nachdem Züge zunächst eine Ausweichstrecke über Mainz-Bischofsheim und Worms fahren mussten, sei mittlerweile die Strecke der Main-Neckar-Bahn wieder befahrbar. Dadurch kommt es zu Verspätungen von rund 30 Minuten.

          Zugverkehr gestört

          Auch die Strecke zwischen Aschaffenburg und Hanau ist nach Bahnangaben wegen Oberleitungsstörungen gesperrt. Der Fernverkehr zwischen Frankfurt/Main und Würzburg werde deshalb in beiden Richtungen über Fulda umgeleitet. Es komme zu Verspätungen von 60 bis 100 Minuten, sagte die Sprecherin. Die Sperrung werde voraussichtlich noch bis Dienstagabend dauern.

          Im Regionalverkehr der betroffenen Strecken sei ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden, es komme dennoch zu Verspätungen und Ausfällen. Pendler sollten sich vor der Fahrt gezielt über ihre Verbindung informieren.

          Wer gewöhnlich die Anschlussstelle Langen/Mörfelden nutzt, um auf die A5 zu gelangen, muss ausweichen. Beide Auffahrten sind nach dem Unwetter für Stunden gesperrt. Die Aufräumarbeiten machen das nötig. Die Polizei empfiehlt die Anschlussstelle Zeppelinheim als Ausweichmöglichkeit. Auch die B486 zwischen Mörfelden und Langen ist gesperrt worden. Gleiches gilt für den rechten Fahrsteifen auf der A45 zwischen Alzenau-Nord und -Mitte in südlicher Richtung.

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