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Ein ICE als Bummelzug : Drei Stunden Frust im Waggon

Überlänge: Wegen eines Unwetters brauchen viele Züge im Rhein-Main-Gebiet am Sonntag und Montag lange, um an ihr Ziel zu gelangen. Viele Fahrgäste fühlen sich aber nur unzureichend informiert. Bild: dpa

Immer wieder bleibt der ICE stehen. Mitten auf der Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt. Aber warum? Wegen des Wetters? Wann geht es weiter? Antworten gibt es nicht, die Fahrgäste kommen sich vor wie Schafe.

          Sonntagnacht, 23.29 Uhr, im ICE kurz vor dem Frankfurter Hauptbahnhof. Vor zweieinhalb Stunden hätte der Zug dort ankommen sollen. Der aktuelle Stimmungsstatus der Fahrgäste in Wagen sechs: Leise Hoffnung regt sich. „Jetzt haben wir‘s ja bald geschafft, schau mal, wir sind schon fast am Stadion.“ Man traut sich kaum zu glauben, dass man hier gleich draußen sein soll, nachdem der Zug für die 80 Kilometer zwischen Mannheim und Frankfurt schon fast drei Stunden gebraucht hat. Drei Stunden, in denen die Emotionen der Passagiere nacheinander die Phasen Frust, Genervtheit, Verständnis, Ungeduld, Wut, Resignation und besagte Hoffnung durchlaufen hat. Mehrmals, wohlgemerkt.

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn das Problem ist: Wann es wieder von vorne losgeht, hat man nicht selbst in der Hand. Das liegt in der Macht, tja, von wem? Des Wetters? Der Deutschen Bahn? Ihres Personals? Wer in diesem Zug steckt, hat das Gefühl, dass es, gelinde gesagt, zu einem nicht unerheblichen Letzteres ist. Man braucht schon ein besonderes Talent, um sich bei so vielen Störungen auf einer Bahnfahrt so rar zu machen. Durchsagen? Informationen? Service? Fehlanzeige.

          Kein Wasser, kein Formular, keine Durchsage

          Dabei erwartet ja sowieso kaum einer irgendetwas. Dass nach zwei Stunden eine Runde Wasser verteilt würde oder Fahrgastrechte-Formulare, wie es zum guten Ton gehören würde – geschenkt. Schon eine nette „Wir tun, was wir können“-Durchsage ab und zu würde helfen. Dann hätten die Fahrgäste zumindest nicht das Gefühl, wie Schafe herum gekarrt zu werden.

          Immer wieder bleibt der Zug stehen. Mitten in der Provinz. In Worms. Dann zehn Kilometer weiter. In Mainz. Kurz vor Frankfurt. Warum denn jetzt schon wieder? Und wie lange? Keiner weiß es, weshalb bei jedem Stopp die Frustrationswelle abermals durch die Waggons schwappt. „Egal, ob es heiß ist, stürmt, regnet oder schneit, bei der Bahn ist immer irgendwas. Und selbst wenn nichts ist, ist was“, sagt jemand. Nur ein einziges Mal heißt es, man dürfe aussteigen und sich die Füße vertreten, bis es weitergeht. Stundenlang ist kein Zugbegleiter weit und breit in Sicht. Man munkelt, dass sich die Damen und Herren wohl vor wütenden Passagieren verstecken. Das ruft immerhin ein bisschen Verständnis hervor – wer will sich schon mit Menschen auseinandersetzen?

          Um 23.37 Uhr fährt der Zug in den Frankfurter Hauptbahnhof ein. Da stehen schon seit einer Dreiviertelstunde die Leute im Gang und warten, denn es hatte geheißen: „Ankunft voraussichtlich um 23.09 Uhr.“ Aber wen juckt schon, dass das nicht gestimmt hat. Sollen die Leute doch selber gucken, wie weit es noch ist.

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