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Südhessen : Die Liebe, die Kunst und die Heimat in Dieburg

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Heimat - wie gemalt: Sue und Sylvain Hénon vor ihrem Atelier. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Britin Sue Hénon und ihr französischer Mann Sylvain führen seit 20 Jahren eine Malschule und fühlen sich in Südhessen zu Hause. Besonders Dieburg hat es ihnen angetan.

          Eine Liebesbeziehung oder gar Ehe zwischen zwei Künstlern, noch dazu Malern, ist meist heikel. Das weiß man spätestens seit Camille Claudel und Auguste Rodin, Frida Kahlo und Diego Rivera oder Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn. Alle Beziehungen begannen leidenschaftlich, gipfelten in kreativen Schaffensphasen und endeten mehr oder weniger tragisch. Nur beim Nachruhm überholten die Künstlerinnen ihre berühmten Männer oft und sorgten damit postum für Gerechtigkeit.

          „Kann das gutgehen?“ Das dachten sich auch die Freunde von Sue und Sylvain Hénon, als sie die britische Malerin und den französischen Maler vor mehr als 20 Jahren miteinander bekanntmachten. Sylvain Hénon wurde 1953 in Joigny-sur-Meuse nahe der französisch-belgischen Grenze geboren. „Ich bin ein komischer Franzose, denn ich trinke gerne Bier, was vielleicht an meiner Herkunft liegt“, sagt er in fast perfektem Deutsch. Nur ein kleiner Akzent und ein „Allô!“ bei der Begrüßung verraten die Herkunft.

          Irgendwann kam dann noch das Private hinzu

          Anfang der siebziger Jahre studierte Sylvain Hénon an der klassischen Kunstakademie in Troyes Malerei. Danach ging er als freischaffender Künstler nach Holland und Deutschland, wo er sich unter anderem in Frankfurt und Wiesbaden niederließ und enge Freundschaften mit deutschen Kollegen schloss. Zusammen zogen sie weiter nach Fürth, um sich ein Atelier am idyllischen alten Flussbad an der Regnitz – heute ein bekannter Kulturort – einzurichten. Sein Geld verdiente Sylvain Hénon damals vor allem mit Ferienmalkursen für Deutsche, die er regelmäßig im Sommer in den französischen Alpen veranstaltete.

          Bald stellte er fest, dass ein Großteil seiner Malschüler aus einer bestimmten Ecke Deutschlands kam, nämlich aus der Umgebung von Darmstadt. „Warum nicht gleich dorthin ziehen?“, dachte sich der umtriebige Franzose und versuchte Anfang der neunziger Jahre sein Glück in Dieburg, weil es eine ordentliche Infrastruktur hat und überschaubar ist. „Ich hätte ja auch weiterziehen können, wenn es mir da nicht gefallen hätte“, sagt er rückblickend.

          Zunächst hielt er sich in Dieburg mit Malkursen an der „Freien Malschule“ sowie der örtlichen Volkshochschule über Wasser. Perspektivisch schwebte ihm jedoch ein eigenes Atelier vor, diesmal mit einer daran angeschlossenen Malschule für Kinder und Erwachsene. Und hier kommt Sue Hénon ins Spiel.

          Die gebürtige Engländerin, die 1961 in Hayes, Middlesex, zur Welt kam, war ihrem damaligen Partner Ende der achtziger Jahre nach Deutschland gefolgt. Das Paar lebte in Regensburg, im Schwarzwald und in Groß-Zimmern. Doch die Beziehung ging in die Brüche, und sie musste zusehen, wie sie allein über die Runden kam. In England hatte sie bei einer Zeitung in der Werbeabteilung gearbeitet, danach am Barnsley College of Arts Malerei gelernt. Über gemeinsame Freunde erfuhr sie, dass Sylvain Hénon im nahe gelegenen Dieburg eine Malschule eröffnen wollte und dafür noch Helfer suchte.

          Sue bewarb sich mit einer Mappe bei ihm, „wie man das halt bei Künstlern so macht“. Die beiden vereinbarten eine dreiwöchige Probezeit, um zu sehen, ob es fachlich und menschlich passt. „Es lief ganz gut, und wir beschlossen, zusammen weiterzumachen. Irgendwann kam dann noch das Private hinzu“, erzählt sie mit einem verschmitzten Lächeln.

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