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Suche nach neuem Standort : Das Umland kann Radeberger einiges bieten

Radeberger sucht einen neuen Standort für seine Produktion: Wirtschaftsförderer aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet werben um das Traditionsunternehmen Bild: Frank Röth

Das Telefon dürfte bei Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer nicht mehr stillstehen. Seit bekannt ist, dass das Frankfurter Unternehmen seine Produktionsstätte in Sachsenhausen aufgeben wird und einen neuen Standort sucht, sind die Wirtschaftsförderer in der Region hellwach.

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          Das Telefon dürfte bei Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer gar nicht mehr stillstehen. Seit bekannt ist, dass das einst als Binding-Brauerei bekannte Frankfurter Traditionsunternehmen seine Produktionsstätte in Sachsenhausen aufgeben wird und einen neuen Standort sucht, sind die Wirtschaftsförderer in der Region hellwach. Wer auf dem Quivive ist, hat schon vor Wochen, als die ersten Absichtserklärungen der zum Oetker-Konzern gehörenden Brauerei-Gruppe nach draußen drangen, den Kontakt gesucht.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die bedrohlich klingende Ankündigung Kallmeyers in Richtung Frankfurt, er habe, sollte die Stadt ihn „wider Erwarten“ nicht unterstützen, eine Fläche im Umland in der Hinterhand, ist mehr als eine Drohgebärde. Es gibt, wenn man sich in der Region umhört, sogar mehrere Optionen im engeren Rhein-Main-Gebiet, die zumindest theoretisch allen Anforderungen genügen: das Mönchhofgelände nahe Kelsterbach und Raunheim, das frühere Philipp-Holzmann-Areal in Neu-Isenburg, ehemalige Kasernengrundstücke in Hanau und Butzbach und ein noch unbebauter Acker im Gewerbegebiet von Florstadt, im Osten der Region, unmittelbar neben dem gerade neu errichteten Stada-Hochregallager, keine hundert Meter von der A 45 entfernt.

          Hanau hat bei Radeberger schon angeklopft

          „Wir wären froh, wenn sich eine weltbekannte Firma wie Radeberger in Hanau ansiedeln würde.“ Wirtschaftsdezernent Ralf-Rainer Piesold gibt sich überzeugt, in seiner Stadt die geeignete Fläche zu finden und ein attraktives Angebot machen zu können. Schließlich habe Hanau 340 Hektar Konversionsflächen. Die Stadt hat Radeberger bereits vor Wochen die Pioneer-Kaserne in Hanau-Wolfgang angeboten, wenige Autominuten vom Hanauer Kreuz entfernt. Noch gehört das 40 Hektar große Areal der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, doch Piesold ist zuversichtlich, dass es schnell verkauft und Baurecht geschaffen werden kann.

          Denn Radeberger hat es bekanntlich eilig. Ende 2011 soll die neue Brauerei stehen. Diese wird dann allerdings kaum noch eine Produktionsstätte mit kupfernen Kesseln sein, sondern vor allem eine zentrale Abfüllstation für diverse Getränkesorten mit dazugehöriger Logistikdrehscheibe. Radeberger rechnet mit 200 Lastwagen, die täglich an- und abfahren.

          Nicht nur Hanau hat bisher in Sachsenhausen angeklopft und Flächen feilgeboten, die, wie Radeberger es wünscht, teilweise als Industriestandorte ausgewiesen sind, mit der Option zum 24-Stunden-Lastwagen-Verkehr und bester Anbindung. Zu kaufen soll das Wunschgelände übrigens auch sein. Kelsterbach hat ebenfalls zum Hörer gegriffen und auf das Mönchhof-Areal hingewiesen, „keine 500 Meter von der Autobahn 3 entfernt“, wie Wirtschaftsförderer Olaf Achleitner erläutert. 110 Hektar hat das frühere Caltex-Gelände, die nach Angaben des regionalen Wirtschaftsförderungsvereins mit Abstand größte zur Verfügung stehende Logistikfläche im Rhein-Main-Gebiet. Eigentümer ist die Fraport AG, deren Immobilientochter das Gelände veräußert.

          Kenner der Gewerbeflächen im Ballungsraum weisen weiter auf das ehemalige Holzmann-Gelände in Neu-Isenburg hin, das heute als Gewerbegebiet „An der Gehespitz“ firmiert und im Logistikflächenkataster der Region mit 35 Hektar Nettobaulandfläche offeriert wird. Mit diesem Areal, so heißt es, hätte Radeberger in keinem Fall ein Imageproblem: Die Fläche liegt mitten im Wald und ist dennoch über die B 44 direkt an die Anschlussstelle Frankfurt-Süd der A 3 angebunden. Wie berichtet, hatte Radeberger den Industriepark Höchst als Standort unter Hinweis auf die imageschädigenden Chemie-Nachbarn abgelehnt.

          Gewerbegebiet in Florstadt ist günstig zu haben

          Aber auch der Magna-Park in Butzbach, die frühere Ayers-Kaserne, stünde zur sofortigen Nutzung bereit, angrenzend an gleich zwei Autobahnen. Der Standort liegt allerdings rund 50 Kilometer von Frankfurt entfernt. Auch das Gewerbegebiet in Florstadt wird sicherlich günstiger zu haben sein als andere Standorte, es liegt aber ebenfalls weit entfernt vom Zentrum der Region. Die Stada AG, Hersteller von Nachahmerarzneien mit Sitz in Bad Vilbel, hat dies nicht gestört: Sie errichtet dort ihr imposantes Hochregallager.

          Zu denen, die um den Getränkefabrikanten werben, gehört auch Hochheims Bürgermeisterin Angelika Munck (Freie Wähler). Ihre Stadt ist dabei, ein 20 Hektar großes Gewerbegebiet in Richtung Flörsheim zu entwickeln, das „ideal für Radeberger“ wäre. Doch sie könne leider nicht versprechen, „nächstes Jahr könnt ihr drauf“. Erst kamen der Stadt Feldhamster dazwischen, nun kündigen sich Bauernproteste an. Auch die Autobahnanbindung muss erst noch gebaut werden. Der Fall zeige, so Munck, wie wichtig für Kommunen eine kluge Planung gerade bei Gewerbeflächen sei.

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