https://www.faz.net/-gzg-6knu4

Studie über Rhein-Main-Region : Hektisch, aber attraktiv – zumindest auf den zweiten Blick

Als dynamisch, international, weltoffen, selbstbewusst und interessant gilt den Frankfurtern ihre Stadt. Das ergab eine Studie der Hertie-Stiftung über die Rhein-Main-Region. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Rhein-Main-Region wird von den meisten Menschen, die dort leben, als aufstrebend, schön und mit eigener Kultur wahrgenommen. Dies geht aus einer repräsentativen Studie der Hertie-Siftung hervor.

          2 Min.

          Achtzig Prozent der Bewohner des Rhein-Main-Gebiets sind mit ihren Lebensumständen zufrieden, fast neunzig Prozent leben gern in der Region und würden sie anderen als Wohnort empfehlen. Vermutlich auch deshalb, weil die Hälfte der Befragten ihre wirtschaftliche Situation als gut einstuft. Dies geht aus einer repräsentativen Studie der Hertie-Siftung über die Rhein-Main-Region hervor, die am Freitag in Frankfurt vorgestellt wurde. Dazu wurden rund 3000 Menschen im Alter von 14 Jahren an befragt, die in der drittgrößten Metropolregion Deutschlands leben. Sie reicht von Aschaffenburg bis Mainz und von Gießen bis Worms und zählt 5,5 Millionen Einwohner.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Ergebnisse für Rhein-Main unterscheiden sich in einer Hinsicht deutlich von jenen für Berlin, wo die Hertie-Stiftung vor zwei Jahren eine vergleichbare Studie erstellt hat, die später mit dem Titel „arm, aber sexy“ überschrieben wurde. Während die meisten Menschen in der Hoffnung an die Spree zögen, eine interessante Stadt vorzufinden, und dann nicht selten enttäuscht würden, stelle sich das positive Lebensgefühl im Rhein-Main-Gebiet erst ein, nachdem man eine gewisse Zeit in der Region verbracht habe. „Je länger die Menschen hier leben, desto lieber bleiben sie“, sagte Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Hertie-Stiftung. Die Umfrage ergab auch, dass sich die Bürger überraschend stark mit dem Ballungsraum identifizieren: 70 Prozent gaben an, sich als Rhein-Main-Bewohner zu fühlen, auch wenn sie die Region als enorm verkehrsbelastet und teuer empfinden.

          Frankfurt gilt als dynamisch, international, weltoffen, selbstbewusst und interessant

          Der Hertie-Stiftung zufolge ist dies die erste Bevölkerungsstudie, die eine ganze Region in den Blick genommen hat. Auftraggeber ist die Initiative Frankfurt/Rhein-Main mit dem früheren Fraport-Chef Wilhelm Bender an der Spitze. In zwei bis drei Jahren solle die Untersuchung wiederholt werden, um Vergleichsdaten zu bekommen, kündigte Endres an.

          Einig waren sich die Befragten in der Einschätzung des Images von Frankfurt: Die Mainmetropole gilt als dynamisch, international, weltoffen, selbstbewusst und interessant. Während die Frankfurter ihre Stadt auch als lebensfreudig, sicher und gemütlich empfinden, teilen die Menschen im Umland diese Auffassung nicht. Je weiter weg sie leben, desto unsicherer, unüberschaubarer und hektischer erscheint ihnen Frankfurt.

          „Keine Gettoisierung, keine Parallelgesellschaften“

          Die Region wird mehrheitlich als aufstrebend, von fast 80 Prozent als schön und mit eigener Kultur wahrgenommen. Immerhin 60 Prozent beurteilen das Rhein-Main-Gebiet als unverwechselbar, und 52 Prozent bezeichnen trotz aller Heterogenität die Orte der Region als zusammengehörend.

          Für Klaus Hurrelmann, der zusammen mit Andreas Klocke von der Fachhochschule Frankfurt die Untersuchung geleitet hat, gibt es keinen Zweifel, dass die Attraktivität der Region eng verbunden ist mit ihrer großen wirtschaftlichen Dynamik. Dies erkläre auch den großen Zuzug. 66 Prozent kommen wegen ihres Berufs nach Frankfurt und in die Region. Mit Blick auf die sozialen Folgen dieser wirtschaftlichen Prosperität kommt Hurrelmann zu der Einschätzung, dass die Region gut mit der Vielfalt lebe. In Frankfurt, der Stadt mit dem höchsten Migrantenanteil Deutschlands, gebe es „keine Gettoisierung, keine Parallelgesellschaften“. Frankfurt biete dafür schon deshalb keinen Platz, weil es zu klein sei. Die Frankfurter selbst gaben in der Umfrage an, dass die Zahl der Ausländer ihnen keine Sorgen bereite. Beklagt wurde dagegen der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona-Test-Panne in Bayern : Der erste Fleck auf der weißen Weste

          Bisher gab es nur Lob für das Corona-Management des bayerischen Ministerpräsidenten. Doch die Zehntausenden verzögerten Testergebnisse bringen Markus Söder in Bedrängnis. Wollte er zu schnell zu viel?
          Eine Aufnahme aus dem Jahr 2010 zeigt die roten Roben der Richter in Karlsruhe.

          NS-Vergangenheit von Richtern : Rote Roben, weiße Westen?

          Das Bundesverfassungsgericht will die Verflechtungen seiner ersten Richtergeneration mit dem nationalsozialistischen Regime erforschen lassen. Das ist überfällig – und eine gewaltige Herausforderung. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.