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Energie : Strom aus Geflügelsalat und Käsebrötchen

  • -Aktualisiert am

Zwei Millionen Tonnen überschüssiges Essen werden in Deutschland jährlich produziert Bild: dpa

Knapp 137.000 Tonnen Speisereste werden in hessischen Gastronomiebetrieben jährlich weggeworfen. Ein Landwirt macht sich diesen Überfluss zunutze - und produziert so Strom für etwa 1000 Haushalte.

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          Es ist fünf Uhr früh, und vor dem Arabella Sheraton warten schon Taxis in der Dunkelheit. Durch die Glasfront des Hotels sieht man die sanft beleuchtete Eingangshalle. Fein gekleidete Angestellte mit diskreter Mimik stehen am Empfang. Um die Ecke dagegen scheint Neonlicht aus einer offenen Tür. Es ist kein Glasportal wie vorne, sondern eine Eisentür mit einem dicken Knauf zum Öffnen. In dem Raum dahinter rumpelt es. Plastiktonnen werden hin und hergerollt und verbreiten einen strengen Geruch. Matthias Preußner holt die Speisereste des vergangenen Tages ab. Damit verdient er sein Geld.

          Gekochte Nudeln mit Soße, Obst- und Gemüseschalen, eine breiige Masse, die aussieht wie Geflügelsalat: „Vieles kann ich selbst nicht mehr identifizieren“, sagt er und zerrt die letzte Tonne auf die Laderampe seines Lastwagens. Acht 120-Liter-Behälter haben die Angestellten des Hotels an der Friedberger Landstraße diesmal gefüllt. Acht leere werden sie wieder vorfinden, wenn Preußner seine Arbeit getan hat. Alles ist schon unzählige Male so abgelaufen. Meistens kriegen ihn die Küchenmitarbeiter gar nicht zu Gesicht. Die Entsorgung von Speiseresten ist ein Geschäft der Hintereingänge.

          Hessen auf dem fünften Platz

          Allerdings kein ganz unwichtiges: Rund zwei Millionen Tonnen überschüssiges Essen wird nach Angaben des Bundesverbandes der Nahrungsmittel- und Speiseresteverwertung jährlich in den gewerblichen Küchen Deutschlands produziert. Mit knapp 137.000 Tonnen liegt Hessen dabei auf dem fünften Platz. Vor allem bei Buffets und Banketten seien die nötigen Mengen schwer einzuschätzen, sagt der Geschäftsführer des Hotels zur Friedberger Warte, Eduard Singer. Auch er ist Kunde bei Preußner. Zwar nehmen wohltätige Organisationen wie die Frankfurter Tafel Restessen aus Küchen und Bäckereien an und verteilen es an Bedürftige. Die Organisation kann aber bei weitem nicht alles gebrauchen. Denn für die Weiterverwendung schnell verderblicher Waren gibt es strenge Vorgaben des Gesundheitsamts. Außerdem sind die Kapazitäten beschränkt: „Mit unserem Personal können wir nur begrenzte Mengen verwerten“, sagt Edith Kleber. Vorstandsmitglied der Tafel.

          Was niemand mehr will, wird weggeschmissen. Dabei sind gewerbliche Küchen gesetzlich verpflichtet, Speisereste gesondert zu entsorgen. Unternehmen, wie die Friedberger Energor GmbH von Matthias Preußner haben sich darauf spezialisiert. Für die erste Tonne, die ein Betrieb jeweils füllt, verlangt er zwölf Euro, für jede weitere wird es weniger. Während das Geschäft mit den Resten seit Jahren als eigene Branche etabliert ist, hat sich ihre Nutzung verändert. Früher verfütterten Landwirte die Reste an ihre Schweine. Das hat die Europäische Union Ende vergangenen Jahres aber verboten – wegen der Lebensmittelsicherheit. Jetzt fahren Entsorger das überschüssige Essen zu Biogasanlagen, wo damit Strom erzeugt wird. Häufig von Landwirten, die sich inzwischen mit dem Stromgeschäft ein zusätzliches Standbein aufgebaut haben.

          „Leichte Kost“

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