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Öffentlicher Nahverkehr : Frankfurt und Umland streiten über Tarife

Kompliziertes System: Die Wahl der richtigen Fahrkarte ist für viele RMV-Kunden eine Herausforderung. Bild: Michael Kretzer

Bei den Preisen für RMV-Fahrkarten gibt es unterschiedliche Interessen. Kritisiert werden vor allem die Preissprünge.

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          Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gilt als Erfolgsgeschichte. 1995 gegründet, deckt er mit einem gemeinsamen Tarifsystem fast zwei Drittel Hessens ab, genau genommen 15 Kreise und elf Städte - kreisfreie und solche mit Sonderstatus. Dass dies eine große Leistung sei, ist dieser Tage immer wieder zu hören. Kein Wunder, denn im Augenblick knirscht es in der kommunalen RMV-Familie so stark wie nie zuvor. Anlass ist der im Sommer eingeführte und zuvor einstimmig beschlossene dreijährige Pilotversuch für ein neues Tarifsystem, das einfacher und gerechter sein soll und sich deshalb an den tatsächlich gefahrenen Kilometern und nicht mehr an Gemarkungsgrenzen orientieren soll. In Frankfurt hat dieses Ziel für einen Aufschrei aus der Politik gesorgt, da die Nutzer aus den äußeren Stadtteilen mit dem neuen System deutlich mehr zahlen müssten als bisher. Politiker aus Frankfurt, darunter Oberbürgermeister und RMV-Aufsichtsratschef Peter Feldmann (SPD), fordern deshalb, dass die Tickets innerhalb Frankfurts nicht teurer werden dürfen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Das neue Tarifsystem bedeutet natürlich, dass die kommunale Selbständigkeit ein Stück in Richtung regionaler Verantwortung erweitert wird“, sagt Volker Sparmann, Gründer des RMV. Für den RMV stellt dies eine Herausforderung dar, da bei der Gründung das Land die Verantwortung für den öffentlichen Nahverkehr bewusst in die Hände der Kommunen gelegt hat, während andernorts dafür das Land zuständig ist. Beim RMV nämlich haben die Städte und Kreise über die Tarifeinteilung in ihrer jeweiligen Gebietskörperschaft entschieden. So gilt für ganz Frankfurt ein Fahrpreis. Die Nachbarstädte Wiesbaden und Mainz bilden ein gemeinsames, einheitliches Tarifgebiet. Darmstadt hingegen hat einen anderen Weg gewählt. Die Stadt hat mit dem sie umschließenden Landkreis Darmstadt-Dieburg eine Nahverkehrsorganisation, die Dadina, gegründet und Vereinbarungen mit den direkten Nachbarn im Kreis Groß-Gerau getroffen. Damit staffelt sich der Tarif allmählich von der Kernstadt Darmstadt aus - dort zahlt man pro Fahrt 2,10 Euro - über 2,50 Euro für das erweiterte Stadtgebiet bis hin zum Preis von 4,65 Euro, die etwa für Fahrten nach Dieburg oder Groß-Gerau gezahlt werden müssen.

          Günstige Lage auf der Tarifgrenze

          In Frankfurt und Wiesbaden gibt es dagegen unmittelbar an der Stadtgrenze einen starken Preissprung: In Frankfurt kostet die Einzelfahrt 2,80 Euro, wer das Stadtgebiet verlässt, zahlt 4,65 Euro. In Wiesbaden und Mainz kostet die Fahrt innerhalb der Stadtgebiete 2,75 Euro, jenseits der Stadtgrenze ebenfalls 4,65 Euro. „Natürlich führt es zu Ungerechtigkeiten, wenn man sich an Gemarkungsgrenzen orientiert und nicht an Pendlerströmen und Verkehrsbeziehungen“, sagt Klaus-Peter Güttler, einst Staatssekretär im Verkehrsministerium und bis 2014 einer der beiden Geschäftsführer des RMV. Das ändere nichts an der grundsätzlichen Leistung des Verbundes, sagt er. Heute sei es allerdings aufgrund der technischen Entwicklung möglich, das Tarifsystem viel stärker zu differenzieren und so offensichtliche Ungerechtigkeiten abzubauen. Sparmann geht einen Schritt weiter: Um auf Dauer „guten öffentlichen Nahverkehr“ zu betreiben, brauche die Region nicht nur ein Tarifsystem, das jeder auf einen Blick verstehe, sondern auch eins, das per Handy bundesweit buchbar sei. Am Ende könnte ein System stehen, das mit Flatrates arbeite und jene Kunden belohne, die den Regional- und Nahverkehr häufig nutzen. Doch dafür muss die bisherige Tarifstruktur aufgegeben werden.

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