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Streit um Flächen in Frankfurt : Das Gewerbe und sein Gebiet

Voll: Frankfurt Gewerbegebiete im Norden der Stadt Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt braucht ein neues Gewerbegebiet unweit des Bad Homburger Kreuzes. Denn schon längst haben Betriebe mangels Erweiterungsflächen die Stadt verlassen und neue Betriebe siedeln sich manchmal gleich im Umland an.

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          Im von Dienstleistungsunternehmen geprägten Frankfurt hat es das verarbeitende Gewerbe seit langem schwer. Zehntausende verbringen in dieser Stadt ihren Arbeitstag im Blaumann, doch den Ton geben all jene an, die in Büros sitzen und die meist auch nur Leute kennen, die auch in Büros sitzen. Wer weiß schon, was im Industriepark Höchst produziert wird, das allein dort 20000 Frauen und Männer arbeiten, wer kennt die Betriebe im Osthafen?

          So hat die Industrie keine Lobby, was sich auch in der jetzt wieder aufgeflammten Diskussion um ein neues Gewerbegebiet unweit des Bad Homburger Kreuzes, im Schatten von Ikea, zeigt. Auf dieses Areal hatten sich im vergangenen Jahr die zuständigen Dezernenten von CDU, SPD und Grünen im Magistrat verständigt. Die stets um die Freiflächen besorgten Grünen waren eingebunden worden, indem zu der informellen Einigung zählte, dass ein Areal im gleichen Stadtteil dem Grüngürtel zugeschlagen wird und dort ein seit langem geforderter Park entsteht.

          Gleich im Umland ansiedeln

          Dass der für Nieder-Eschbach zuständige Ortsbeirat von einem Gewerbegebiet nicht viel hält, obwohl eine neue Grünanlage im Gegenzug ja auch ganz schön ist – geschenkt. Doch davon sollten sich die Stadtverordneten, die mehr im Blick haben müssen als nur einen Stadtteil, nicht beeindrucken lassen. Das Gewerbegebiet ist dringend nötig, weil schon längst Betriebe mangels Erweiterungsflächen die Stadt verlassen haben und weil sich neue Betriebe manchmal gleich im Umland ansiedeln. Die Lage des Areals ist bestens. Die Hoffnung wiederum, es lasse sich alles mit einer besseren Nutzung vorhandener Gewerbegebieten lösen, ist trügerisch, weil sich nicht jeder ansiedlungswillige Betrieb zwischen zwei vorhandenen Unternehmen einpassen lässt.

          Auch wenn Industrie und Gewerbe in Frankfurt längst aus dem Blick geraten sind, kann die Mainmetropole nicht ohne. Die Industrie trägt maßgeblich zum Gewerbesteueraufkommen bei, sie hält Arbeitsplätze für diejenigen vor, die kein Abitur machen und nicht studieren, und eine breit aufgestellte Wirtschaft ist weniger krisenanfällig. Sie ist ein wichtiger Teil der Stadt, und wer sie bewahren will, wird ihr vernünftigerweise Erweiterungsflächen bereitstellen. Jetzt endlich, da die maßgeblichen Politiker im Römer nach Jahren einen Kompromiss gefunden haben, sollten die Stadtverordneten diese Verständigung billigen. Am besten noch vor der Wahl.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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