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Linie U2 bis Bad Homburg : Kostenschätzung wird noch einmal überprüft

Endstation: Bisher ist für die U2 im Bad Homburger Stadtteil Gonzenheim Schluss. Das soll sich ändern. Bild: Cornelia Sick

Die U-Bahn-Linie 2 soll bis zum Bahnhof Bad Homburg verlängert werden. Doch die Kosten sind unklar: Frankfurt zweifelt an der Zahl von 54 Millionen Euro.

          Nicht nur die Kostenaufteilung, auch die Kostenschätzung für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 2 von der heutigen Endstation Gonzenheim bis zum Bad Homburger Bahnhof ist umstritten. Das geht aus der Antwort

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) auf eine Anfrage der Grünen hervor, die er heute Abend im Bauausschuss vorlegen wird. Nach der jüngsten Schätzung, die von August 2016 datiere, seien 53,6 Millionen Euro nötig, um die U-Bahn bis zum Bahnhof zu führen. Die Stadt Frankfurt zweifle an der Zahl von knapp 54 Millionen Euro. Sie solle deshalb durch ein weiteres externes Büro überprüft werden, so der Oberbürgermeister.

          Land macht sein Interesse deutlich

          Die Fahrgäste sollen in Gonzenheim künftig in einer unterirdischen Station in die U-Bahn einsteigen. Die Schienen sollen deshalb künftig 190 Meter vor der heutigen Endstation langsam nach unten führen. Die seit Anfang 2016 genehmigten Pläne sehen vor, dass danach ein Tunnel die Bahnlinie Friedrichsdorf–Bad Homburg unterquert und die U-Bahn am Erlenweg wieder an die Oberfläche kommt. Parallel zu den Gleisen von S-Bahn und Taunusbahn soll sie über Lange Meile und Hessenring hinweg den Bahnhof erreichen.

          Bad Homburg verhandelt mit der Stadt Frankfurt darüber, wie das Vorhaben am sinnvollsten zu realisieren ist. Voraussichtlich soll eine vorsteuerabzugsberechtigte städtische Gesellschaft gegründet werden, um die Förderanträge zu stellen. Vor allem aber geht es natürlich darum, wie sich die Kosten für den Bau und den Betrieb zwischen den Beteiligten aufteilen. Seit Anfang des Jahres ist an der Projektgruppe zur Verlängerung der U-Bahn auch das Land Hessen beteiligt. Ein Ergebnis gibt es noch nicht. Der Stadt Bad Homburg sei vor allem wichtig, dass es eine Begrenzung ihres Anteil im Fall von Kostensteigerungen gebe, sagte Sprecher Andreas Möring. Hetjes nennt in der Antwort einen bisher kalkulierten städtischen Eigenanteil von 22,9 Millionen Euro. Er setze sich zusammen aus einem Anteil von 13,3 Millionen Euro an den förderfähigen sowie 9,6 Millionen Euro an nicht förderfähigen Kosten.

          Das Land macht durch seine Beteiligung an der Projektgruppe sein Interesse deutlich. Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) hatte die U-Bahn-Verlängerung im Mai als eines von zwölf Großprojekten zum Ausbau der Schienenwege in Hessen vorgestellt. Dass im zugehörigen Projektblatt ein „weit überwiegender Anteil“ der Finanzierung durch das Land in Aussicht gestellt wird, hatte dieser Tage ein Zeitungsbericht als neuen, entscheidenden Anstoß für den U-Bahn-Bau gewertet. Entsprechend fielen die Reaktionen aus: Die SPD-Vorsitzende Elke Barth nannte den Weiterbau der U-Bahn einen „unabdingbaren Meilenstein“ für die Region. Die politische Konstellation in Bad Homburg, wo CDU und SPD eine Koalition bilden, mache nach jahrelangen, kostenintensiven Planungen den Startschuss möglich. Die Bürgerliste Bad Homburg bemängelte hingegen, dass sich auch in den vergangenen drei Jahren nichts getan habe und nun durch Zufall die Landesregierung zu Hilfe geeilt sei. Der FDP-Landtagsabgeordnete Frank Blechschmidt blieb bei der strikt ablehnenden Linie der Bad Homburger Liberalen und warnte vor einem „Millionengrab“, weil die Risiken ausgeblendet würden.

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          Tatsächlich allerdings enthält das im Mai vorgelegte Projektblatt keine zusätzliche Finanzierungszusage, sondern nur einen Hinweis auf die übliche Förderung derartiger Infrastrukturvorhaben. Wie ein Ministeriumssprecher erläuterte, können die Beteiligten im günstigsten Fall hoffen, dass mehr als 80 Prozent der förderfähigen Kosten übernommen werden. Bei Investitionen bis 50 Millionen Euro greife das Entflechtungsgesetz des Landes mit einem Anteil von 70 Prozent, ergänzt um fünf bis 15 Prozent aus dem Kommunalen Finanzausgleich. Bei Kosten von mehr als 50 Millionen Euro seien bis zu 60 Prozent aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Bundes zu erwarten, die vom Land um 27,5 Prozent aus dem Kommunalen Finanzausgleich aufgestockt würden.

          Der Vorsitzende des Bad Homburger Verkehrsausschusses, der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Stamm, wies unterdessen noch einmal darauf hin, dass auch jetzt immer noch zu hörende Vorschläge für eine andere Trassenführung mit dem Planfeststellungsbeschluss hinfällig geworden seien. Diesen hatte das Regierungspräsidium Darmstadt im Februar 2016 genehmigt. Dagegen sind eine Einzelklage und eine Gemeinschaftsklage von drei Klägern anhängig. Ein Antrag auf aufschiebende Wirkung sei allerdings nicht gestellt worden, heißt es aus Darmstadt. Grundsätzlich könne die Stadt also mit dem Bau beginnen.

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