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Corona in Hessen : Großeltern sollen Kinder nicht mehr von der Kita abholen

Viele Kinder werden regelmäßig von Oma und Opa abgeholt. Das soll nun vermieden werden. Bild: dpa

Angesichts der steigenden Zahl der Corona-Fälle in Hessen verschärfen Schulen und Kindertagesstätten ihre Regeln. Derweil melden hessische Krankenhäuser steigende Patientenzahlen.

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          Kindertagesstätten und Schulen reagieren auf die steigenden Corona-Zahlen mit verschärften Regeln. Das betrifft zum Beispiel das Abholen von Kindern aus der Kita. So heißt es in einem aktuellen Elternbrief einer evangelischen Kita im Main-Taunus-Kreis, die Coronasituation verschlechtere sich „derzeit rasend schnell“. Eltern dürfen das Kita-Gebäude deshalb seit Montag nicht mehr betreten und müssen ihr Kind am Eingang abgeben – so wie es schon im Frühjahr in den Kitas üblich war. Eine andere neue Regel fällt für manche Familien noch mehr ins Gewicht. Denn in dem Elternbrief heißt es weiter: „Vermeiden Sie es, dass andere Personen, die nicht zu Ihrem Hausstand gehören, Ihr Kind abholen.“ Das gilt auch für Großeltern, die in vielen Familien regelmäßig die Enkel abholen.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Kitas, die jetzt solche Regeln aufstellen, handeln im Sinne des hessischen Sozialministeriums. Die Empfehlung, dass möglichst Personen des gleichen Haushalts das Kind bringen und abholen sollen, findet sich in den Hygieneempfehlungen der Behörde.

          Ohne Kontakt bewegen

          Auch beim Sportunterricht in den Schulen lassen Lehrer jetzt mehr Vorsicht walten. Die besonders betroffenen Kreise und Städte im Rhein-Main-Gebiet hatten sich kurz vor Ende der Herbstferien mit Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) darauf verständigt, Schulsport von der fünften Klasse an für zunächst zwei Wochen nur im Freien und kontaktlos stattfinden zu lassen. Die Jüngeren dürfen weiter in die Turnhallen, sollen sich aber ebenfalls ohne Kontakt bewegen.

          Auf die Empfehlung hin sagten viele Schulen auch AGs wie Tanzen oder Badminton in ihren Sporthallen ab. Manch ein Lehrer schiebt eine Einheit Sporttheorie ein.

          In Frankfurt trifft sich am heutigen Dienstag wieder der Verwaltungsstab, um über die bisher beschlossenen Corona-Maßnahmen zu beraten und gegebenenfalls nachzusteuern. Mit einem Inzidenzwert von 199,6 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tage gilt Frankfurt als am stärksten betroffene Stadt in ganz Hessen. Die tägliche Auswertung der Neuinfektionszahlen darf nach Angaben von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) aber nicht dazu führen, dass automatisch immer neue Einschränkungen verhängt werden. „Inmitten der Vielzahl von Maßnahmen muss wieder die Linie klarer werden, die die Bürger umsetzen und befolgen sollen“, sagt er. Im Hintergrund werde intensiv daran gearbeitet, dass „mit klaren Vorgaben ein drohender Lockdown verhindert werden kann“.

          Schon stark ausgelastet

          Um die medizinische Versorgung aller Patienten auch bei steigenden Infektionszahlen sicherstellen zu können, hat auch der Planungsstab der Landesregierung einige Zusatzmaßnahmen ergriffen. So wurde den Krankenhäusern mit einer Allgemeinverfügung mitgeteilt, dass sie insgesamt 607 Intensivbetten und 1226 Normalbetten für die Versorgung von Coronapatienten bereitzustellen haben. Im Versorgungsgebiet 4 (Frankfurt-Offenbach) gilt außerdem die Eskalationsstufe 2 für die Krankenhäuser, da diese schon stark ausgelastet sind. Personen, bei denen es medizinisch gut vertretbar ist, sollen Krankenhäusern der übrigen Versorgungsgebiete zugewiesen werden. Außerdem verteilt Hessen seit dieser Woche zusätzliche Corona-Schutzausrüstung an Gesundheitseinrichtungen. Mehr als 17 Millionen Masken und rund fünf Millionen Schutzhandschuhe sollen nach Angaben des Sozialministeriums an Krankenhäuser, Altenpflegeheime, den Rettungsdienst sowie Einrichtungen der Jugend-, Drogen- und Wohnsitzlosenhilfe gehen.

          Wegen steigender Corona-Infektionszahlen zieht nun auch Wiesbaden andere Saiten auf. Im öffentlichen Raum dürfen sich von Donnerstag an nur noch fünf Personen oder Angehörige aus zwei Hausständen gemeinsam aufhalten. Bei privaten Feiern, etwa in Gaststätten, dürfen maximal zehn Personen zusammenkommen. Für Treffen in Privaträumen bleibt es bei einer Empfehlung: höchstens zehn Personen aus höchstens zwei Haushalten. „Zusammenkünfte und Veranstaltungen sowie Kulturangebote wie Theater, Opern, Konzerte, Kinos und vergleichbare Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind fortan untersagt“, teilte die Stadt mit.

          Wie wichtig die klare Kommunikation ist, zeigt die Verwirrung um eine Empfehlung, die am Samstagabend in die geltende Allgemeinverfügung aufgenommen wurde. Demnach soll auch in einem Fahrzeug eine Maske getragen werden, wenn Mitglieder aus mehr als zwei Hausständen mitfahren. Auch der Fahrer ist zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aufgerufen. Steht das nicht im Widerspruch zum Vermummungsverbot am Steuer? Das Rechtsamt habe die Empfehlung geprüft und ihr zugestimmt, versichert der Gesundheitsdezernent. „Es bleibt noch genügend vom Gesicht übrig, dass man auf einem Blitzerfoto die Person identifizieren kann.“

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