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Statuen mit Statement : Der Reformator trägt Rolex

  • -Aktualisiert am

Luther mit Judenstern: Pfarrer Hartmut Lemp steht neben der ungewöhnlichen Holzstatue in Nonnenroth. Bild: Carlos Bafile

Im Hungener Stadtteil Nonnenroth stehen ungewöhnliche Statuen aus sehr altem Holz. Sie sollen provozieren, aber vor allem zum Nachdenken anregen. Wie weit darf Kunst gehen?

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          Eine Lutherskulptur mit Davidstern auf der Brust, Calvins Figur mit Rolex am Handgelenk. Darf Kunst das? Die 3,50 Meter großen Holzstatuen wurden im Auftrag einer evangelisch-reformierten Kirchengemeinde geschnitzt. Zu sehen sind sie in der 670-Einwohner-Gemeinde Nonnenroth, einem Stadtteil von Hungen in den südlichen Ausläufern des Vogelbergs am Lutherweg. Der Reformator machte im Jahr 1521 auf seinem Weg von Wittenberg zum Reichstag nach Worms auch in Nonnenroth Rast. Eine dritte Skulptur setzt sich mit den Folgen der Reformation für die Moderne und Postmoderne auseinander. Komplettiert wird das Ensemble, das aus vier Jahrhunderte alten Eichenstämmen aus dem Hungener Wald gefertigt wurde, von einem Schäfer; er steht als guter Hirte auf dem Festplatz vor der Stadthalle.

          Die Idee für die Standbilder stieß vor drei Jahren im Kirchenvorstand in Nonnenroth sofort auf Zustimmung, wie sich Pfarrer Hartmut Lemp erinnert. Er organisierte damals die Aktion zum 500-Jahre-Jubiläum der Reformation. Umstritten hingegen waren der Davidstern und die Rolex. Darüber habe man lange diskutiert, erzählt Lemp. Die Spitze der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sei erst nicht begeistert gewesen, habe mittlerweile aber ihre Meinung revidiert und respektiere das Projekt, das weithin Aufmerksamkeit erregt. Nach seiner Motivation befragt, die beiden Leitfiguren der Reformation mit kritischen Attributen zu versehen, antwortet Lemp: „Es ging nicht darum, Geschichte zu verklären, sondern darum, einen Stein des Anstoßes zur Diskussion zu setzen.“

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