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Stadtrat in Eschborn : „Wir schieben Projekte für 100 Millionen Euro vor uns her“

  • -Aktualisiert am

Aufholjagd: Alfred Kannengießer soll Eschborn in Schwung bringen. Bild: Cornelia Sick

Der ehrenamtliche Stadtrat Adolf Kannengießer soll in Eschborn die Stadtentwicklung ankurbeln. Er spricht über Versäumnisse und die Aufgaben, die abgearbeitet werden sollen.

          Ein Ehrenamtlicher wird Baustadtrat – das ist vermutlich hessenweit einzigartig. Wie fühlen Sie sich in dieser Position?

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          In Eschborn ist alles einzigartig. Selbstverständlich ist das für mich ungewohnt, aber die Verwaltungsmitarbeiter sind offen und haben mich gut aufgenommen.

          Es gibt derzeit noch nicht einmal einen Planungs- und Bauamtsleiter.

          Die Besetzung dieser Position ist zwingend erforderlich. Wir werden die Ausschreibung kurzfristig vorantreiben. Es ist für einen Macher eine sehr reizvolle Position. In der Zwischenzeit werde ich mir durch externe Berater weiterhelfen, um Sicherheit für die anstehenden Projekte zu erhalten. Auch wenn ich schon 20 Jahre im Magistrat bin, ist auf der Arbeitsebene doch ein viel größeres Detailwissen vonnöten, um Vorhaben voranzubringen.

          Sind Sie jetzt der neue starke Mann im Magistrat?

          Es gibt ja immer noch einen Bürgermeister und einen Ersten Stadtrat, ich stehe somit an dritter Stelle.

          Warum tun Sie sich diese Aufgabe für eine Aufwandsentschädigung von unter 1000 Euro monatlich an?

          Ich bin nicht darauf angewiesen, einen Fulltime-Job zu haben. Wir als SPD wollten keinen dritten Hauptamtlichen, wie es CDU und Grünen praktizierten. Und ich bin fit, war in der Vergangenheit stets ein großer Kritiker der Baupolitik und will nun zeigen, dass es auch anders und besser gehen kann. Es ist mein Antrieb, Eschborn voranzubringen.

          Eschborn ist kreisweit ein Negativbeispiel, wenn es um die Umsetzung von Projekten geht. Was steht bei Ihnen ganz oben auf der Prioritätenliste?

          Seit zehn Jahren sprechen wir über das Notfallzentrum für Feuerwehr, Arbeiter-Samariter-Bund und Katastrophenschutz und Rettungswache, die Vorplanung ist jetzt durch die Stadtverordnetenversammlung gebracht, und wir arbeiten jetzt mit Hochdruck an der Entwurfsplanung. Ende 2017 soll der erste Spatenstich für ein Vorhaben erfolgen, das zumindest einen Finanzrahmen von 22,5 Millionen Euro umfasst. Für die freiwerdenden Flächen an der Unterortstraße könnte ich mir Wohnungsbau vorstellen.

          Gibt es eigentlich eine Erklärung für die Verzögerung dieses Projekts?

          Nein, so recht kann ich es mir nicht erklären. Geld genug ist da. Die Verzögerungen waren vermutlich den politischen Verhältnissen in der Stadt geschuldet. Es ist in Zeiten der Mehrheit von CDU und Grünen unter Wilhelm Speckhardt (CDU) auch wenig passiert. Jahrelang haben wir Millionenbeträge in Haushalten vor uns hergeschoben. Beim Jahresabschluss 2016 werden ungefähr 100 Millionen Euro aufgelaufen sein für Projekte, die so schnell von der Verwaltung niemals in Bauvorhaben umgesetzt werden können.

          Was steht außerdem oben auf der Liste?

          Der Bau der Sporthalle an der Heinrich-von-Kleist-Schule samt Jugendzentrum – ein Vorhaben mit einem Kostenvolumen von 7,7 Millionen Euro – steht ebenso oben an. Die Pläne sollen im Frühjahr der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt werden, Spatenstich wäre dann Frühjahr 2018.

          Seit zehn Jahren wird auch das Projekt Stadthalle/Rathaus diskutiert – wann geht es damit voran?

          Der Stadthallenneubau ist politisch unumstritten. Nach meinen Vorstellungen ist die Nachbarschaft zum Rathaus auch der richtige Standort. Die Innenstadt ist ohnehin nicht sehr ausgeprägt. Wenn die Stadthalle auch noch verschwinden würde, wäre das städtebaulich keine gute Idee. Wie wir jetzt wissen, muss das Rathaus nicht spätestens 2020 geräumt werden, sondern kann so im Bestand saniert werden, dass die brandschutzrechtlichen Bestimmungen erfüllt werden. Das Zusammenspiel von Stadthallenneubau mit der Rathaussanierung muss funktionieren, dafür brauchen wir nun eine neue Konzeption.

          Im Juni wurde doch gerade ein neues Konzept vorgestellt, das bescheinigte, dass die Sanierung des Rathauses und der Neubau der Stadthalle mit 70 Millionen Euro fast so teuer wären wie der komplette Abriss und Neubau.

          Wenn man dieselben Planer wieder beauftragt und die Schließung von Rathaus und Stadthalle im Jahr 2020 unterstellt, muss man sich nicht wundern, wenn das Gleiche unterm Strich wieder rauskommt, was Speckhardt vorgelegt hat. Diese Konzeption lehnt die neue Rathausmehrheit von SPD, FDP, Linken und Freien Wählern Eschborn ab. Bisher dachten doch alle Stadtverordneten, 2020 muss das Rathaus aus brandschutzrechtlichen Gründen geräumt werden. Das ist aber nicht der Fall, es gibt keine Befristung, was neue Spielräume eröffnet.

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