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Ein Thron für Instagram : Was die Könige unserer Zeit ködert

Der Märchenthron im Gelnhäuser Stadtgarten wurde eigens für Influencer gebaut. Bild: Cornelia Sick

Stadtmarketing für Instagram: Um die Altstadt für die sozialen Medien aufzuhübschen, hat die Stadt Gelnhausen am Halbmond im Stadtgarten einen Thron errichtet. Er ist nicht der einzige.

          Dieser Thron ist kein Fürstensitz, zumindest nicht für einen Herrscher mit blauem Blut. Gedacht ist der rot-goldene Sessel für die Könige unseres Zeitalters: die Influencer des Internets. Die Stadt Gelnhausen und die Spessart Tourismus und Marketing GmbH haben ihn gemeinsam im Stadtgarten oberhalb der Altstadt, neben dem Halbmond – einem halbrunden Wehrturm – aufgestellt. Der Thron trägt das Logo des Spessart-Verbands und den Namen der Stadt.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn alles so aufgeht, wie es der Chef der Spessart-GmbH Bernhard Mosbacher und der Gelnhäuser Bürgermeister Christian Glöckner (FDP) es sich vorstellen, setzen sich jene, die sich gerne im Internet inszenieren, darauf, fotografieren sich selbst oder lassen sich ablichten, um die Bilder bei Instagram oder anderen Plattformen zu präsentieren. So möchten der Spessart-Verband und die Kreisstadt die Influencer für sich einspannen. Sie hoffen, dass für das Mittelgebirge und für die Stadt ein Werbeeffekt abfällt.

          Dabei gäbe es auch ohne Thron Fotomotive genug. Schon der Halbmond, der gut erhaltene Wehrturm aus dem 16. Jahrhundert, ist sehenswert. Seine Wehrgänge bieten einen beeindruckenden Ausblick auf die Stadt mit ihren Kirchtürmen. Dahinter erstrecken sich das Kinzigtal und die Hügel des Spessarts. An einem klaren Tag sind selbst einige Frankfurter Hochhäuser zu erkennen. Doch auf die Spitzen der Skyline können sich die Influencer nun mal nicht setzen, wie Moosbacher sagt. Deswegen musste etwas her, das „instagramable“ ist, wie der Tourismusmanager es ausdrückt. Immerhin ist der Sessel robust genug, um vielen Selfiesüchtigen standzuhalten, stabil an einer Bodenplatte festgeschraubt ist er auch. Und mit dem richtigen Blickwinkel kommen die Türme der Marienkirche am Obermarkt wenigstens im Hintergrund mit aufs Bild.

          Der Sessel aus Stahl und Holz kostet 5000 Euro, wie Moosbacher sagt, die je zur Hälfte von der Stadt und dem Main-Kinzig-Kreis aufgebracht werden. Insgesamt sechs baugleiche Throne nach einem Entwurf des Jossgrunder Künstlers Faxe Müller wurden in verschiedenen Orten des Landkreises aufgestellt, so in Bad Orb und Bad Soden-Salmünster. In Gelnhausen allerdings ist man stolz darauf, dass die Stadt als einzige eine echte Berechtigung hat, einen kaiserlichen Sitz aufzustellen, wie Simone Grünewald sagt, die Leiterin des städtischen Fachbereichs Tourismus. Schließlich handelt es sich um eine Kaiserstadt, steht doch von der Kaiserpfalz, dem Palast der mittelalterlichen Herrscher, immerhin noch eine Ruine. Und im Stadtgarten hat der Thron tatsächlich einen würdigen Platz, beschirmt von den starken Mauern des Halbmonds.

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