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Stadtentwicklung : Abriss als Chance für Wiesbaden

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Hochhaus der R+V-Versicherung in Wiesbaden: Abriss oder neues Gewand? Bild:

Die Tage des Hochhauses der R+V-Versicherung am Wiesbadener Kureck scheinen gezählt. Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös sieht Chancen für eine Neugestaltung des Areals an der Wilhelmstraße.

          Im Juli vorigen Jahres hat die R+V-Versicherung ihren Gebäudekomplex am Schnittpunkt von Wilhelmstraße und Sonnenberger/Taunusstraße veräußert und unverzüglich entbrannte in der Stadt ein Streit über die Zukunft des dazugehörenden Hochhauses. Die FDP insbesondere mit „ihrem“ Stadtentwicklungsdezernenten Joachim Pös gerierte sich als Vorkämpferin einer grundlegend neuen Gestaltung des sogenannten Kurecks. Sogar ein Kreisparteitag der Liberalen befasste sich mit dem ungeliebten Hochhaus und forderte die FDP-Stadtverordnetenfraktion auf, einem Bebauungsplan für das „Kureck“ gegebenenfalls die Zustimmung zu verweigern und sich für eine Lösung einzusetzen, „die dem Bestreben der Stadt nach Anerkennung als Weltkulturerbe Rechnung trägt“.

          Die neue Eigentümerin, die IFM Immobilien AG, mit Hauptsitz in Heidelberg und Dependance in Frankfurt indes hatte andere Pläne: Das Hochhaus sollte stehenbleiben und bis auf sein Stahlbetonskelett entkernt werden, um es mit neuer Fassade zu einer „sehr attraktiven Landmarke“ zu machen, wie ihr Vorstandsvorsitzender Georg Glatzel sagte. Anstelle des „etwas unglücklichen Anbaus“ zur Taunusstraße hin wollte man mit zwei neuen Gebäuden eine Randbebauung konstruieren.

          Zusätzliche Wohnbebauung zulassen

          Von all dem scheint jetzt keine Rede mehr zu sein. Stadtentwicklungsdezernent Pös gibt sich vielmehr zuversichtlich, dass die IFM einlenkt und den Vorstellungen Wiesbadener Kommunalpolitiker jeglicher Couleur entgegenkommt. „Es gibt eine Chance, das Hochhaus abzureißen und die Baumassen anders zu verteilen“, sagte Pös auf Anfrage. Mit dem Investor und dem von ihm beauftragten Architekten befinde man sich dazu noch in „Arbeitsgesprächen“, das Unternehmen sei jedenfalls verhandlungsbereit.

          Auf die Frage, welche Gegenleistungen das Unternehmen dafür von der Stadt erwarte, stellte der Dezernent klar, dass der angrenzende Paulinenhang „unbedingt frei bleiben“ solle. Ziel sei, auch den dort noch vorhandenen ehemaligen Parkplatz der Staatskanzlei zu beseitigen, um die Fläche in den Grünzug einbeziehen zu können. Als „bestimmenden Bestandteil“ der Verhandlungen bezeichnete Pös die Möglichkeiten, eventuell im oberen Abschnitt der sich von der Sonnenberger Straße bis zur Schönen Aussicht den Hang hoch schlängelnden Prinzessin-Elisabeth-Straße zusätzliche Wohnbebauung zuzulassen.

          Baurecht für ersten Bauabschnitt

          Konkreteres wollte oder konnte der Stadtrat noch nicht sagen. Der Architekt sei derzeit dabei, eine Art Masterplan zu entwickeln: „Wir ringen noch um die städtebaulichen Figuren.“ Ein Sprecher der IFM bestätigte die Verhandlungen mit der Stadt, ohne sich auf Präferenzen festlegen zu wollen. Allerdings verwies er darauf, dass die von der Stadt bevorzugte Variante Abriss und Neubau in jedem Fall teuerer werde als das Ursprungskonzept. Ob und wann die Öffentlichkeit über die neue Planung informiert wird, war von dem Sprecher nicht zu erfahren. Die Masterplanung werde wohl noch längere Zeit beanspruchen, sagte er nur.

          Auf der Homepage des Unternehmens heißt es zum Projekt „Kureck“, auf dem Areal würden „in mehreren Bauabschnitten Neubaumaßnahmen sowie eine umfassende Revitalisierung durchgeführt“. Die Nutzung werde sich auf hochwertige Büroflächen konzentrieren, ergänzt durch weitere gewerbliche Nutzungen und „exklusives Wohnen“. Vorgesehen sei, den Masterplan noch im Geschäftsjahr 2008 mit den Behörden abzustimmen und Baurecht für den ersten Bauabschnitt zu beantragen.

          Frage der Architektur

          Die IFM hat das weitläufige Geläde im Wege ein es „Sale-and-lease-back-Verfahrens“ von der R+V Versicherung erworben, die noch bis Ende 2010 Mieterin der Immobilie ist. Als Ersatz für ihren Stammsitz errichtet die Versicherungsgesellschaft derzeit an der John-F.-Kennedy-Straße ein neues Bürogebäude.

          Dass das Kureck ohne Hochhaus gestalterisch gewinnen könnte, darin ist sich Pös, wie er sagt, mit Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) einig. Und auch unter den Fraktionen in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung gibt es keine, die sich grundsätzlich gegen den Abriss ausgesprochen hat.

          Die Fraktion der Bürgerliste Wiesbaden (BLW) indes bleibt skeptisch. Das sei doch alles eine Frage der Architektur, sagte ihr Vorsitzender Michael von Poser: „Das Hochhaus ist in seiner derzeitigen Form einfach grauenvoll, aber das andere wird auch nicht besser.“ Der planungspolitische Sprecher der Grünen, Klaus Peter Große, hält den jetzt diskutierten Vorschlag für konsensfähig.

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