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Staatsbäder : Land übergibt Kuranlagen an Stadt Bad Nauheim

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Für das Land ist mit dieser Übertragung die Kommunalisierung und Privatisierung der hessischen Staatsbäder abgeschlossen. Ursprünglich wollte die Landesregierung die Kommunalisierung und Privatisierung der Staatsbäder noch während der vergangenen Legislaturperiode unter Dach und Fach bringen. Was beispielsweise in Bad Wildungen oder auch im anderen Wetterauer Fall Bad Salzhausen vergleichsweise rasch möglich war, gestaltete sich in Bad Nauheim zu einem zähen Ringen.

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          Von einem wichtigen Tag sprachen sowohl Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) als auch Bürgermeister Bernd Rohde (CDU), als am Freitag im Rahmen einer Feierstunde die symbolische Übergabe des Staatsbades an die Stadt Bad Nauheim erfolgte. Für Bad Nauheim bedeutet die Übernahme eine der größten Herausforderungen in der Stadtgeschichte, denn die Kommune ist von nun an nicht nur für den traditionsreichen Kurbetrieb, sondern auch für mehr als 200 Liegenschaften aus dem bisherigen Besitz des Staatsbades allein verantwortlich.

          Sowohl der Bürgermeister als auch der Minister berichteten bei ihren Ansprachen vom zähen Ringen um die Übergabe. Das lag nicht zuletzt daran, daß es sich bei Bad Nauheim um das größte der hessischen Staatsbäder handelte, mit einer Vielzahl von bedeutenden Bauwerken und Parkanlagen, von denen ein nicht geringer Teil unter Denkmalschutz steht und mit zum Teil beträchtlichem Aufwand saniert werden muß oder wofür größere Beträge zum Unterhalt aufzubringen sind.

          Wert der Immoblilien umstritten

          Rohde erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß Gespräche immer wieder aufs neue anberaumt werden mußten, weil das Land den Wert vieler Immobilien höher ansetzte, als die Stadt zu zahlen in der Lage war. Aber auch bezüglich der Sanierungskosten gingen beide Seiten zunächst von unterschiedlichen Summen aus. Für manche Verzögerungen machte der Rathauschef auch den Wechsel von Zuständigkeiten in der Verwaltung des Landes verantwortlich. Am Ende aber, so Rohde, sei es mit neuer Führung im Finanzministerium gelungen, die Verhandlungen innerhalb weniger Wochen zum Abschluß zu bringen.

          Daß sowohl der Landtag als auch die Stadtverordnetenversammlung den Vertrag einstimmig billigten, wertete der Minister als Beleg, daß man eine Vereinbarung gefunden habe, die den Interessen beider Seiten gerecht werde. Damit die Stadt die Verluste aus dem Kurbetrieb verkraften kann, gewährt das Land der Kommune bis zum Jahr 2010 pro Jahr einen Ausgleich von rund 2,6 Millionen Euro. Zudem hat sich die Landesregierung bereit erklärt, sich an der Restaurierung von Gebäuden und der Sanierung von Grünanlagen zu beteiligen, die in den Besitz der Stadt wechseln. Liegenschaften, die nicht Teil des Kurbetriebs sind, aber auch Eigentum der Stadt werden, werden damit allerdings verrechnet. Unter dem Strich bleiben Bad Nauheim etwas mehr als sieben Millionen Euro für diese Instandsetzungen.

          Sprudelhof bleibt im Besitz des Landes

          Bei einem der wesentlichen Punkte in den Verhandlungen ging es darum, Sonderregelungen für die ortsbildprägenden Gebäude aus der Glanzzeit des Kurbetriebs zu finden. In diesem Zusammenhang hat man sich darauf verständigt, daß der Sprudelhof im Besitz des Landes bleibt. Dieser größte Gebäudekomplex der Kuranlagen gilt als das bedeutendste Bauwerk Bad Nauheims und zählt zu den herausragenden Denkmälern des Jugendstils in Deutschland. Ein großer Teil dieses Anwesens mit seinen prachtvollen Badehäusern wird schon seit Jahren nicht mehr oder kaum noch genutzt. Der Sanierungsbedarf ist groß.

          Den Sprudelhof umfassend instand zu setzten und für neue Nutzungen umzugestalten, dazu sei die Stadt finanziell nicht in der Lage, hatte der Magistrat den Verhandlungspartnern des Landes klargemacht. Und der Minister hob noch einmal den "Willen des Landes" hervor, den Sprudelhof zu sanieren. Über ein Sanierungs- und Betriebskonzept solle eine gemeinsame Arbeitsgruppe von Stadt und Land beraten.

          Stadt für Gradierbauten zuständig

          Für die Gradierbauten, die für die Geschichte der Salzproduktion in Bad Nauheim und die des Kurorts gleichermaßen bedeutend sind, ist indes künftig die Stadt zuständig. Dabei steht die Kommune allerdings nicht allein. Denn der Förderverein Kurstadt Bad Nauheim unterstützt schon seit einigen Jahren die Bemühungen zum Erhalt dieser Bauwerke, nicht zuletzt mit Geldern, die man mit Spendenaktionen zusammenbekommen hat. Das veranlaßte den Minister nicht nur zu einem Lob für eine "rührige Initiative", sondern er prognostizierte zudem, mit Hilfe des Fördervereins werde es der Stadt gelingen, alle Gradierwerke zu erhalten.

          Das gilt auch für den stark angegriffenen Gradierbau an der Zanderstraße. Zunächst hatte man vorgesehen, dieses Bauwerk, das weniger im Blickpunkt steht als die übrigen vier Gradierwerke, auf Kosten des Landes abbrechen zu lassen. Dagegen formierte sich jedoch in der Bürgerschaft Widerstand. Auch der Förderverein schaltete sich ein und präsentierte zuletzt ein Modell, das von allen Beteiligten gutgeheißen wurde. Danach stellt das Land den für den Abbruch vorgesehenen Betrag als Grundlage für eine Sanierung zur Verfügung, zu der dann noch Spendengelder hinzukommen sollen.

          Landesbedienstete wechseln in kommunalen Eigenbetrieb

          Mit der Übereignung ist nach den Worten von Weimar nicht zuletzt für die knapp 80 Mitarbeiter des Staatsbades eine "lange Hängepartie" zu Ende gegangen. Sie wechseln nun in die Dienste der Stadt. Vorgesehen ist, daß die bisherigen Landesbediensteten künftig in einem kommunalen Eigenbetrieb vor allem in der Pflege der Kuranlagen eingesetzt werden.

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