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Spendengeld : Uni Mainz erhält 100 Millionen Euro für Forschungszentrum

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Die Boehringer-Ingelheim-Stiftung spendet der Uni Mainz 100 Millionen Euro Bild: ddp

Es ist eine der größten Privatspenden, die eine deutsche Universität je erhalten hat. Mit den 100 Millionen Euro der Boehringer-Ingelheim-Stiftung will die Uni Mainz ein Exzellenzzentrum für Lebenswissenschaften errichten.

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          Als nachträgliches Geburtstagsgeschenk empfand es am Freitag der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Universitätspräsident Georg Krausch schwärmte von „vorbildlichem Mäzenatentum“, und Doris Ahnen (SPD) bekannte gar, dass ihr als Wissenschaftsministerin „das Herz überläuft“. Der kollektive Enthusiasmus während des Pressegespräches war verständlich – schließlich geschieht es nicht alle Tage, dass die Gutenberg-Universität eine Spende von 100 Millionen Euro erhält.

          Das Geld kommt von der gemeinnützigen Boehringer-Ingelheim-Stiftung, die damit nach den Worten von Otto Boehringer, dem Vorstandsvorsitzendem der Stiftung, die Errichtung eines internationalen Exzellenzzentrums für Lebenswissenschaften fördern wird.

          Schwerpunkt Nanowissenschaften

          Für den Betrieb des Instituts würden zehn Jahre lang jährlich zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt, sagte er. Nach Auskunft von Beck und Ahnen wird das Land weitere 30 Millionen Euro für das notwendige Gebäude bereitstellen, das in der Nähe des Max-Planck-Instituts (MPI) für Polymerforschung errichtet wird; am 1. Januar 2011 soll das neue Institut den Betrieb aufnehmen. Außerdem sorgt das Land dafür, dass das Projekt eine über die Dauer von zehn Jahren hinausreichende Perspektive hat: Für den Fall, dass das Zentrum nach Ablauf dieser Zeit nicht mehr von der Stiftung unterstützt werden sollte, will die Regierung zusammen mit der Universität einen Finanzierungsrahmen schaffen.

          Das neue, international ausgerichtete Institut soll laut Otto Boehringer „Wissenschaft pur“ bieten, indem es die Belastung der Forscher durch Verwaltungsaufgaben auf ein Minimum begrenzt. Die Initiative werde von der Stiftung und nicht etwa vom gleichnamigen Unternehmen Boehringer Ingelheim getragen, sagte er.

          Die Lebenswissenschaften, in denen sich Disziplinen wie Physik, Chemie, Biologie, Materialwissenschaften und Medizin treffen, wollen zum Verständnis lebender Organismen und ökologischer Systeme beitragen. Das neue Exzellenzzentrum wird den Angaben zufolge einen Schwerpunkt auf die Nanowissenschaften setzen; dadurch sollen sich ungeahnte Möglichkeiten für Diagnose und Therapie von Krankheiten erschließen. Als Beispiel nannte Krausch den Einsatz von Nanopartikeln als Kontrastmittel bei der Magnetresonanztomographie oder die Idee, Nanopartikel gegen Tumorzellen einzusetzen.

          Neue Qualität für den Standort

          Laut Andreas Barner, Sprecher der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim, könnte das Institut eine Brücke zwischen den in Mainz schon etablierten Materialwissenschaften und der Medizin schlagen. Es seien deutliche Synergieeffekte zwischen dem geplanten Zentrum einerseits und der Universität, der Universitätsmedizin und dem MPI andererseits zu erwarten.

          Zwar arbeite die Hochschule schon lange mit der Stiftung zusammen, so Krausch. Doch was diese mit dem Exzellenzzentrum nun in Bewegung setze, habe eine neue Qualität für den Wissenschaftsstandort. „Ich sehe die Chance, dass sich Mainz langfristig in der Weltspitze der molekularen Biomedizin etabliert“, sagte er. Beck sprach angesichts der Spende von einem „hervorragenden Tag“ für das Land. Das Engagement der Stiftung zeuge von „Weitsicht und einem ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl“.

          Als „Signal für den Wissenschaftsstandort Deutschland“ bezeichnete Ahnen die Spende, für die es in dieser Höhe nur wenig Vergleichbares gebe. Die Universität zähle mit elf Sonderforschungsbereichen, davon fünf in den Lebenswissenschaften, schon heute zu den forschungsstarken Hochschulen. Die Einrichtung des neuen Exzellenzzentrums folge der auch für die Wissenschaftspolitik geltenden sinnvollen Logik, die Starken zu stärken.

          100 Arbeitsplätze sollen entstehen

          Laut Ahnen ist geplant, internationale Spitzenwissenschaftler an das Zentrum zu holen, die dann ihr Arbeitsgebiet selbst bestimmen. Mit der Suche nach den exzellenten Forschern solle sofort begonnen werden, hieß es. Durch das Zentrum werden Ahnen zufolge rund 100 Arbeitsplätze für Wissenschaftler und wissenschaftliches Personal entstehen. Krausch glaubt, dass mit Hilfe weiterer Drittmittel sogar 200 Arbeitsplätze geschaffen werden können. Die Hundert-Millionen-Stiftung von Boehringer ist eine der größten Privatspenden, die eine deutsche Universität je erhalten hat. 2007 hatte die Universität Frankfurt eine Spende von 33 Millionen Euro bekommen.

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