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Freizeitpark Lochmühle : Wo Kinder im Trethubschrauber strampeln

Ohne Fleiß kein Preis: Für einen Blick von oben auf die Lochmühle ist Beinarbeit gefragt. Bild: Lando Hass

Nach der Corona-Zwangspause geht es wieder in den Freizeitpark Lochmühle in Wehrheim. Mit Maske, aber ohne Ponyreiten. Kann eine Familie dabei Spaß haben?

          3 Min.

          Wer mit dem Nautic-Jet ins Wasser fliegen will, muss mindestens 125 Zentimeter groß sein. Das Mädchen im Kaninchen-Shirt dürfte knapp darüber liegen. Es sitzt in dem roten Jet-Boot, die Augen über der Einmalmaske schauen konzentriert. Eine Seilwinde zieht das Gefährt auf einer Schiene rückwärts in die Höhe. Die Hände umklammern die Haltestange. „Ich glaub’, ich mach’s doch nicht!“, ruft das Kind halb im Spaß, halb im Ernst. Ein Zurück gibt es so oder so nicht. Stattdessen volle Fahrt voraus: Ganz oben angekommen, schießt der Jet die Schiene herunter, hebt über eine Rampe ab, fliegt – und klatscht spritzend in den Teich.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Lochmühle ist wieder geöffnet. Der Freizeitpark in Wehrheim hat nicht zu den allergrößten Sehnsuchtsorten der Familie in der Corona-Zeit gehört. Schließlich sind auch früher schon Sommer verstrichen, ohne dass sie sich auf den Weg in den Hintertaunus gemacht hat. Aber voriges Jahr war sie da, und die Kinder hatten viel Spaß. Als jetzt klar wird, dass die frisch lackierte Wellenrutsche trotz der Pandemie noch in dieser Saison eingerutscht werden darf, machen sich Kinder und Eltern auf den Weg.

          Auf der Autobahn kommt von der Rückbank die bange Frage: Ist das Kühemelken offen? Das war voriges Jahr der Favorit, besser als Achterbahn und Trampoline. Im Internet steht nur, dass Bällebad und Ponyreiten wegen Corona ausfallen. Anders als die Reitponys sind die Melkkühe aber nicht echt. Andererseits: Wie gut haften Viren auf einem Plastikeuter? Die Erwachsenen beschäftigt dagegen die freizeitpsychologische Frage, wie sich Maske und Vergnügungspark vertragen werden.

          Maskenpflicht in den Fahrgeschäften und beim Anstehen

          Die Antwort darauf ist im Park schnell gefunden: überhaupt nicht. Der Mundschutz ist in den Fahrgeschäften Pflicht und beim Anstehen auch. So haben alle Umherschlendernden eine Maske entweder vor dem Gesicht oder doch wenigstens griffbereit in der Hand. Zwischen den bunten Spaßgeräten sieht das surreal aus. Es ist auch lästig, das Teil immer wieder auf- und abzusetzen. Dann stellt sich die Frage, ob Sonnenmilch auch unter der Maske nötig ist. Beim Schreien in der Bananenschiffschaukel kommt der Gedanke auf, dass die Maske notfalls ein Spuckschutz wäre. Vor allem aber sorgt der Stoff vorm Mund im Auf und Ab der Schaukel zusätzlich für Beklemmungsgefühle. Jedenfalls bei der wenig fahrgeschäftstauglichen Mutter.

          Die Kinder stört die Maske weniger, außer beim Eisessen natürlich. Die Buden haben geöffnet, und wie schon am Eingang, an den Karussells und Bahnen müssen die Gäste an diesem Vormittag kaum warten. Ohne Anstehen geht es aber fast nie. Der Park ist gut gefüllt. Die Betreiber sind vermutlich nicht traurig darüber, dass hessische Kinder gerade nicht so oft in die Schulen und Kindergärten dürfen.

          Freizeitpark mit „landwirtschaftlichem Flair“

          Im Vergleich zum vorigen Jahr leuchten etliche Attraktionen noch ein bisschen attraktiver. Zum Beispiel die roten und gelben Trethubschrauber. In denen bewegen sich die Besucher immer zu zweit per Pedale auf Schienen über den Park hinweg. Es geht durch Laubbaumwipfel und über das Klettergerüst mit den Röhrenrutschen bis hinter zum Blütenkarussell. Nur an der Freundlichkeit an der Kasse könnte der Park noch feilen. Schon lange ist die Familie nicht mehr so unhöflich empfangen worden. Die Corona-Zeit schlägt offensichtlich doch manchen Mitmenschen aufs Gemüt.

          Den Eis schleckenden Kindern ist das egal. Sie erinnern sich an den Weg zum Kühemelken: „Wir müssen durch den Tunnel.“ Kurz vor der kleinen Unterführung riecht es nach Ziege. Die Lochmühle war früher einmal ein Bauernhof und wirbt immer noch mit ihrem „landwirtschaftlichen Flair“. Die Tiere in den Freigehegen bleiben allerdings weitgehend unbeachtet. Sogar junge Kaninchen mit Albino-Augen würdigt das Kind im Kaninchen-Shirt keines Blickes. Im Streichelzoo wäre das vermutlich anders. Im Park wird nur ein Puter kurz bestaunt, weil er so rot ums Gesicht ist. Puterrot halt. „Ich dachte immer, es heißt Purpurrot.“

          Meditatives Eselreiten auf Schienen

          Vor dem Kuhstall stehen Esel. Als die das Eis sehen, recken sie die Hälse und versuchen, die Kinder auf sich aufmerksam zu machen. Aber die haben nur Augen für die offene Stalltür und die zwei Kunststoffkühe dahinter. Über jedem der beiden ziemlich echt aussehenden Tiere leuchten die roten Ziffern einer großen Digitaluhr. Die stoppt 30 Sekunden, sobald sich die junge Melkerin auf den Schemel gesetzt und den Knopf gedrückt hat. Dann quetscht sie hastig so viel Flüssigkeit wie möglich aus dem Gummieuter. Merke: Es fließt nicht mehr Milch, wenn der Melker alle vier Zitzen in der Mitte zusammenpresst. Am besten immer mit jeder Hand nur eine Zitze drücken und oft wechseln. Das Ergebnis ist in Ordnung: Zweieinhalb Liter hat die Kuh angeblich gegeben.

          Am Schluss will die Familie noch Eselreiten. Nicht auf dem neugierigen Gesellen am Kuhstall, sondern auf der Eselbahn. Die Reittiere sehen aus wie die Figuren eines Jahrmarktkarussells. Die Bahn beginnt in der alten Getreidemühle, die der Lochmühle den Namen gab. Die Esel zuckeln auf Schienen vorüber. Sobald einer heranfährt, kann ein Reiter aufsteigen. Die Fahrt ist beschaulich, fast meditativ. Zwischen den sanft wogenden Eseln picken Hühner im Gras. Die Eselkörper sind warm von der Sonne. Das Kind im Kaninchen-Shirt schmiegt sich an den Hals seines Tiers. Fast könnte die Familie so wegdösen.

          Praktisch, dass gleich hinter der Eselbahn ein Ausgang ist, der direkt zum gut gefüllten Parkplatz führt. Als die Familie zum Auto trottet, sind die Kinder schon wieder hellwach. Sie fanden alles gut – außer, dass es jetzt schon wieder nach Hause geht. Zeit für eine Gesamtbewertung. „Das Nautic-Jet war das Allercoolste“, sagt das 125-Zentimeter-Kind. „Das hätte ich am liebsten noch zehn Mal gemacht.“

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