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Sparkassenakademie schließt : Begehrtes Grundstück am Waldrand

Aussicht vom Großen Mannstein bei Eppstein Bild: Hannah Aders

Am Eppsteiner Stadtrand wird ein begehrtes Grundstück frei, weil die Sparkassenakademie geschlossen wird. Der Bürgermeister wünscht sich dort eine neue Schule, der Kreis eine Flüchtlingsunterkunft.

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          Am Stadtrand von Eppstein wird ein Grundstück frei, das Bürgermeister Alexander Simon (CDU) mit „Sonnenlage“ und „Filetstück“ umschreibt. Die Sparkassenakademie an der Eberlestraße am nordöstlichen Rand des Stadtteils Vockenhausen hat mit dem Jahreswechsel ihren Betrieb eingestellt, wie ihr Träger, der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, auf Anfrage mitgeteilt hat. Ein Sprecher gab wirtschaftliche Gründe dafür an.

          Jan Schiefenhövel
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In dem rund 40 Jahre alten Gebäude stünden hohe Ausgaben an, zum Beispiel für eine Erneuerung des Dachs oder die Sanierung von Wasserleitungen. Im Betrieb falle ein laufendes Defizit an, während die Sparkassen, die den Verband finanzierten, mit Kostendruck und niedrigen Zinsen zu kämpfen hätten. Wegen der Pandemie sei das Schulungsheim mit 170 Einzelzimmern für Übernachtungsgäste nicht ausgelastet. Für die Schulung der Mitarbeiter gebe es noch eine weitere Akademie in Erfurt und Kurse in Frankfurt. Der Verband der Sparkassen möchte seinem Sprecher zufolge das Eppsteiner Grundstück deshalb verkaufen.

          Damit wird für eine Fläche von gut 50.000 Quadratmetern in idyllischer Lage am Waldrand oberhalb eines Wohngebiets eine neue Nutzung gesucht. Als Bauplatz für Wohnhäuser ist diese Lage begehrt, wie der Bürgermeister ausführt. Doch nach den bisher geltenden Regeln ist der Bau von Wohnungen dort nicht erlaubt, weil der Bebauungsplan eine Nutzung für Zwecke der Bildung vorsieht. Die Stadt hat die Planungshoheit, ihre Stadtverordneten könnten einen neuen Bebauungsplan aufstellen und Wohnungsbau erlauben.

          Unterschiedliche Wünsche für die Bebauung

          Doch das ist in Eppstein politisch nicht gewollt, wie Simon hervorhebt. Die Kommune beabsichtige vielmehr, das Areal für einen „sozialen Zweck“, nämlich als Bildungsstandort, zu erhalten. Dafür habe sie das Grundstück vor Jahrzehnten günstig an den Sparkassenverband verkauft. Am liebsten wäre dem Bürgermeister, dort würde eine gymnasiale Oberstufe angesiedelt, die nach seinen Worten eine gute Ergänzung für das Schulzentrum in der Nachbarschaft darstellt. Ein neues Angebot schaffe Nachfrage, sodass die Oberstufe ihre Schüler finden werde. Dafür müsste das Schulungsheim abgerissen werden, um einem Neubau Platz zu machen. Für die nahe Zukunft sieht Simon allerdings dafür keine Chancen. Zunächst sehe der Kreis für andere Schulen den Ausbau vor.

          Doch nicht nur die Stadt interessiert sich für das leer stehende Schulungsheim. Derzeit prüft der Main-Taunus-Kreis, ob in dem Gebäude eine Unterkunft für Flüchtlinge eingerichtet werden kann, wie ein Sprecher der Kreisverwaltung dieser Zeitung sagte. Deshalb führe der Kreis Gespräche mit dem Grundeigentümer. Entschieden sei aber noch nichts. In Eppstein werde wie in anderen Städten im Kreis nach Standorten für die Unterbringung von Asylbewerbern gesucht.

          Von Flüchtlingsheim nicht begeistert

          Als Ersatz für die Flüchtlingsunterkunft im Kastengrund bei Hattersheim sei die Sparkassenakademie aber nicht gedacht. Das Gelände im Kastengrund muss wegen des Verkaufs geräumt werden, die Flüchtlinge werden auf alle Städte im Kreisgebiet verteilt und sind zum großen Teil schon umgezogen, wie der Sprecher der Kreisverwaltung berichtete.

          Von einem Flüchtlingsheim in der Sparkassenakademie hält wiederum Bürgermeister Simon nicht viel. Er räumt ein, Eppstein sei bei der Unterbringung von Flüchtlingen im Rückstand. Die Stadt müsse dem Kreis Grundstücke oder Gebäude für etwa 50 Personen zur Verfügung stellen, weil zurzeit mehr Schutzsuchende ins Land kämen, vor allem aus Afghanistan. Dafür gebe es aber andere Möglichkeiten als das Schulungsheim, die Stadt habe schon Ideen. Der Standort am Waldrand sei zu abgelegen für eine Gemeinschaftsunterkunft. Außerdem müsste für diesen Zweck die Sparkassenakademie umgebaut werden, weil die Zimmer nicht über Küchen verfügten. Ein großes Heim, in dem Flüchtlinge unter sich seien, sei ohnehin nicht günstig für ihre Integration.

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