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Patricia Andreae (cp.)

Spargelstecher in Hessen : Wertvolle Hilfe

Die Corona-Krise sorgt auf deutschen Feldern für Mangel bei den Erntehelfern. Bild: dpa

Auch Erntehelfer sind Fachkräfte. Wenn die Bauern faire Preise für ihre Ware und alle Mitarbeiter wenigstens den Mindestlohn erhielten, wäre es weniger schwierig, genügend Helfer für die Produktion von Lebensmitteln zu finden.

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          Die Corona-Krise sorgt für viele gravierende Mängel. Und sie macht deutlich, dass es in Krisen heikel ist, sich nicht selbst versorgen zu können. Das gilt für Atemschutzmasken wie für die dringend benötigten Fachkräfte in der Pflege und bei der Ernte. Es stellt sich heraus, dass es am Ende teuer werden kann, sich auf Billigproduktion aus Fernost und billige Arbeitskräfte aus dem europäischen Osten zu verlassen.

          Die Landwirtschaft bekommt das jetzt bitter zu spüren. Dass das Land Hessen ihr nun mit finanziellen Hilfen beispringt, ist nur konsequent. Wenn jetzt aber auch aus der Politik angeregt wird, beim Ernten und Pflanzen könnten doch Schüler und Studenten oder Köche, Kellner und andere einspringen, die ihren Job verloren haben, dann ist das wohlfeil. Im Einzelfall mag es zwar funktionieren. Doch nicht jeder Landwirt hat Zeit, die Bauer-sucht-Hilfe-Seiten im Internet zu durchstöbern. Versuche, Arbeitslose einzusetzen, hat es immer wieder gegeben – selten mit Erfolg.

          Auch Erntehelfer sind Fachkräfte, das zeigt sich vor allem beim königlichen Gemüse. Während Erdbeerbauern in einigen Wochen vielleicht noch ihre Ernte zum Selbstpflücken freigeben können, muss der Spargel schon jetzt fachgerecht aus dem Boden geholt werden. Das ist eine harte Arbeit, die nicht jedem liegt und die vor allem Übung erfordert. Deshalb beklagen die Bauern das Fehlen ihrer eingespielten Teams aus Rumänien, Bulgarien und anderen osteuropäischen Ländern. Zehntausende fehlen. Dass nun einige kommen dürften, hilft zumindest ein wenig.

          Abhängigkeit vom Ausland groß

          Dass es unter gesundheitlichen Gesichtspunkten heikel ist, jetzt Scharen von Helfern aus dem Ausland einreisen zu lassen, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Schließlich werden die nun hoch gelobten Helfer nicht selten in recht beengten Sammelunterkünften untergebracht, in denen die gebotenen Hygienevorschriften nicht immer eingehalten werden. Auch in der Pflege ist die Abhängigkeit von Personal aus dem Ausland groß.

          Es geht letztlich ums Geld. Wenn der heimische Spargel im Preis mit jenem aus südlichen Ländern konkurrieren muss, dann muss er möglichst günstig vom Feld geholt werden. Daran sollte man denken, wenn man beim nächsten Mal auf dem Balkon für schlechtbezahlte Mitarbeiter in Kliniken und Supermärkten klatscht – und anschließend in Supermarkt bei Obst und Gemüse nur nach dem günstigsten Preis schielt.

          Es ist mehr Wertschätzung gefragt, nicht zuletzt für regionale Produkte. Wenn die Bauern faire Preise für ihre Ware und alle Erntehelfer wenigstens den Mindestlohn erhielten, wäre es zwar sicher nicht leicht, hierzulande genügend Helfer für die Produktion von Lebensmitteln zu finden, aber vielleicht etwas weniger schwierig.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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