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Sophie Frühwald : Feministin, Theologin, Hessin, Juso

Zwischen Politik und Religion: Sophie Frühwald will Pfarrerin werden, schließt aber auch eine landespolitische Karriere bei der SPD nicht aus. Bild: Lucas Bäuml

Sophie Frühwald ist nicht nur Studentin, sondern auch Vorsitzende der 5000 hessischen Jusos. Die 24 Jahre alte Frau nennt sich eine Feministin, will evangelische Pfarrerin werden und setzt sich für Bildungsgerechtigkeit ein.

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          Der Vater Theologe, die Mutter Theologin, da wird die Tochter, richtig, Theologin. Sophie Frühwald hat gerade die Klausuren ihres Theologie-Examens in Marburg hinter sich gebracht, die mündlichen Prüfungen folgen im Oktober. Auf ihrem ersten Kirchentag war sie mit acht Jahren, jetzt sitzt sie in einer Projektgruppe, die den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt im nächsten Jahr mit organisiert. Sie will evangelische Pfarrerin werden, genauso wie die Eltern, die sich einst im Theologiestudium kennenlernten. Das Vikariat wird die 24 Jahre alte Frau aber voraussichtlich nicht unmittelbar nach dem Studium machen. Das hat mit einer geplanten Doktorarbeit zu tun – und mit der Politik.

          Florentine Fritzen
          Korrespondentin im Hochtaunuskreis

          Denn Frühwald ist nicht nur Studentin, sondern seit dem vergangenen September auch Vorsitzende der 5000 hessischen Jusos. „In der aktuellen politischen Situation wäre es verkehrt, feste Pläne zu machen“, sagt die junge Frau mit dem glatten Haar, dem Nasenring und der golden schimmernden Brille in einem Frankfurter Café. Frühwald spricht lebhaft, ihre Augen leuchten. Sie hört sich an wie eine eloquente Studentin – und verfällt kurz in Politikersprache, als sie sagt, sie habe „immer den Anspruch formuliert, dass jüngere Menschen für die SPD ins Parlament in Wiesbaden kommen“ und dass sie dies auch für sich selbst „nie ausschließen“ wolle. Aber bis dahin ist reichlich Zeit. In Hessen wird erst 2023 gewählt.

          Frühwald: „Hesse ist, wer Hesse sein will“

          Frühwald findet die Landesebene interessanter als den Bund. Das hat auch mit ihrem Themenschwerpunkt zu tun, der Bildungsgerechtigkeit. Schon bei den Jusos in Sachsen-Anhalt war sie aktiv, angefangen hat sie dort als 14 Jahre alte Internatsschülerin. Geboren in Oberfranken, war sie zunächst in Bayern auf der Schule, zum Grundstudium ging sie nach Hamburg.

          In Marburg wollte sie eigentlich nicht lange bleiben. „Aber ich habe mich in Marburg verliebt. Marburg ist zu Hause.“ Frühwald zitiert einen hessischen Sozialdemokraten, indem sie sagt: „Hesse ist, wer Hesse sein will.“ Wobei sie dem Satz des früheren Ministerpräsidenten Georg-August Zinn hinzufügt: „Ich würde das heute gendern, aber ich bin hier gerne, und ich mache hier gerne Politik.“

          Frauen gelten als zickig, Männer als meinungsstark

          Frühwald nennt sich eine Feministin. Auch das kommt von den Eltern, genauer gesagt von der Mutter, während der Vater wie sie selbst SPD-Mitglied ist und früher einmal in der Kommunalpolitik in Niedersachsen tätig war. Aber auch über die Familienhistorie hinaus sieht sie den Feminismus als eine jahrzehnte- und jahrhundertelange Tradition, in die sie sich stelle. „Ich bin mit 14 zum ersten Mal auf einer Konferenz bei den Jusos aufgetaucht.“ Frühwald sagt, seitdem habe sie beobachtet, wie unterschiedlich Männer und Frauen bewertet würden: hart verhandelnde Frauen wie sie selbst als zickig oder aggressiv, Männer als meinungsstark.

          Weibliche Selbstzweifel seien ihr aber auch nicht fremd. Angesichts der großen Aufgabe des Landesvorsitzes habe sie sich gefragt: „Kann ich dem gerecht werden?“ Ihr erster größerer Auftritt war beim SPD-Landesparteitag im November. Da hatte sie das Amt seit zwei Monaten von dem ein paar Jahre älteren Kaweh Mansoori übernommen, der Vorsitzender des SPD-Bezirks Hessen Süd geworden war. Voriges Wochenende war digitale Juso-Landeskonferenz. Frühwald sagt, sie entwickle langsam eine Aversion gegen Videoformate. Sie trifft lieber echte Jusos in Hessen. Wobei sie die Organisation schon digitaler macht, etwa mit Instagram. Als Jüngere außerdem einen Juso-TikTok-Account vorschlugen, habe sie aber gesagt: „Das ist nicht mein Format.“

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