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Sommer in Hessen : Grillen verboten, Schwimmen erwünscht

Liegeplätze: am Großen Woog in Darmstadt Bild: dpa

Die Sonne brennt, die Städte glühen. Ganz schön heiß. Das hat nicht nur gute Seiten, einige aber schon. Zum Beispiel, dass jetzt wieder die Badeseen locken zu einem Ausflug ans Wasser.

          Wenn stimmt, was zum Wochenende hin die Meteorologen vorhergesagt haben, wird es in Hessen sommerlich warm bis heiß bleiben. So schnell so trocken war es im Land geworden, dass die Stadt Frankfurt kürzlich ein Grillverbot in städtischen Grünanlagen verhängte. „Auf all unseren Grillplätzen stehen Bäume, auch das Gras kann sich blitzartig entzünden. Das Risiko ist einfach zu groß“, sagte die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen). Auch Darmstadt appelliert an seine Bürger, „auf alle Aktivitäten, die Brände begünstigen, zu verzichten“. Frankfurt verbietet auf Grünflächen außerdem die Nutzung von Shishas, die mit glühender Kohle betrieben werden.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Angenehmer, als bei Hitze auch noch zu grillen, ist vielleicht ohnehin das Baden, in einem See zum Beispiel. Die Wasserqualität der 61 Binnenseen sei durchweg gut, sagte dazu Thomas Ott vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie Mitte der vergangenen Woche in Wiesbaden. Das hätten die ersten Wasserproben zum Start der Badesaison ergeben, die zwischen April und Juni genommen wurden. Damit bestätigen sich auch Ergebnisse des unlängst vorgelegten EU-Berichts zur Gewässerqualität 2018. Demnach haben rund 90 Prozent aller EU-Badestellen in Hessen eine „ausgezeichnete“ Wasserqualität. Aktuell gilt lediglich am Schultheis-Weiher in Offenbach ein Badeverbot, da Blaualgen im Wasser festgestellt wurden. Dies sei bislang aber der einzige Fall in Hessen, sagte Ott.

          Blaualgen vermehren sich besonders bei hohen Temperaturen und der Anreicherung des Wassers mit Pflanzennährstoffen wie Phosphor und Stickstoff. Das Wasser verfärbt sich dann trüb und grünlich. Wer in diesem Wasser schwimmt, nimmt gesundheitliche Risiken in Kauf wie Hautreizungen, Übelkeit oder Erbrechen. „Wenn man in natürlichen Gewässern baden möchte, dann am besten in einem EU-Badegewässer“, rät der Experte. Vor und während der Badesaison nehmen die Gesundheitsämter nach EU-Vorgaben Proben. Badegäste können sich im Internet über die Messergebnisse informieren, unter der Internetadresse sind auch die Seen nach Regionen zu finden.

          Streitpunkt Edersee

          Unterdessen sollen neue Regeln für die Wasserabgabe die Trockenheitsprobleme im nordhessischen Edersee reduzieren. Der ist zurzeit gut gefüllt, ein Paradies für Schwimmer und Bootsfahrer, aber im vergangenen Jahr war das anders. „Es wird weiter an den Stellschrauben gedreht, um eine möglichst wassersparende Bewirtschaftung der Edertalsperre zu ermöglichen“, teilte das Regierungspräsidium Kassel mit. Dabei wird in den nächsten fünf Jahren testweise weniger Wasser an die Oberweser abgegeben. Es komme zu „zeitweiligen, aber kompromissfähigen Einschränkungen für die Schifffahrt auf der Weser“. Die Gewässerökologie der Eder werde nicht beeinträchtigt.

          Um das Wasser im Edersee wird seit Jahren gestritten. Es wird an der Edertalsperre abgelassen, um über die Eder die Oberweser für Schiffe befahrbar zu halten. Doch ein leerer Edersee gilt als Gefahr für den Tourismus am See. Im Winter war auf Veranlassung des Kasseler Regierungspräsidiums getestet worden, die Wassermenge, die mindestens aus dem See abfließt, probeweise von 6000 auf 4000 Liter je Sekunde zu verringern. Weil keine negativen Auswirkungen auf das Ökosystem der Eder festgestellt worden seien, solle dies in den Wintern der nächsten fünf Jahre beibehalten werden.

          Ein weiterer Schritt: Sobald der Inhalt der Talsperre eine bestimmte Marke unterschreitet, werde die Abgabe aus dem See so weit reduziert, dass der Wasserstand an der Weser bei Hann. Münden um fünf Zentimeter absinke. Dies gilt bis zum 1. September jedes Jahres. Danach werde der Pegel wieder auf den Stand von mindestens 1,20 Meter gebracht, soweit das erforderlich und ausreichend Wasser im See vorhanden sei.

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