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Hessische Politiker : Nicht nur zum Abschied menschlich

Bei all den heftigen Diskussionen im Hessischen Landtag sind im vergangenen Jahr besonders die netten Wortbeiträge aufgefallen. Bild: dpa

Seid nett zueinander! Das gilt auch für die Abgeordneten des Hessischen Landtags, und wenn sie sich den Appell zu Herzen nehmen, erweisen sie sich als sehr geschickt.

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          Im Hessischen Landtag herrscht gelegentlich ein harscher Ton, der sich nach dem Einzug der AfD ins Parlament noch verschärft hat. Umso mehr aufgefallen sind in diesem Jahr einige ausgesprochen nette Wortbeiträge über politische Gegner. Zum Beispiel jener vom inzwischen ausgeschiedenen Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel über die neue Digitalministerin Kristina Sinemus zu Beginn des Jahres: Der damalige Fraktionschef der SPD im Landtag nannte die Unternehmerin den „einzigen Lichtblick bei der CDU im neuen und doch altbekannten Ministerrat“. Und er äußerte die Hoffnung, dass Sinemus sich ihre Qualitäten „auch im eher tristen Umfeld des angeblich neuen Kabinetts von Ministerpräsident Bouffier bewahren und wirklich etwas zum Wohle unseres Landes bewirken wird“.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Allerdings musste der Sozialdemokrat der Digitalministerin schon drei Monate später aus Anlass der 100-Tage-Bilanz der neuen Landesregierung einen eher schwachen Start im neuen Amt bescheinigen. Waren seine Vorschusslorbeeren also eine Fehleinschätzung? So wollte Schäfer-Gümbel es nicht sehen. Der von ihm geschätzten Politikerin seien Fesseln angelegt worden, weil der CDU-Finanzminister ihr kein Geld zur Verfügung stelle, sagte er. Aber ein kleiner Nachgeschmack blieb. Hatte er Sozialdemokrat nur so freundlich über die neue parteilose Ministerin gesprochen, um die Landesregierung im Gegensatz zu ihr schlecht aussehen zu lassen?

          „Seine Offenheit und Souveränität verdienen unseren Respekt“

          Wirklich mitfühlend zeigte sich Schäfer-Gümbel, nachdem Regierungschef Volker Bouffier (CDU) die Fraktionsvorsitzenden im Februar im kleinen Kreis über seine Krebserkrankung informiert hatte. „Seine Offenheit und Souveränität im Umgang mit der Erkrankung verdienen unseren Respekt und unsere Anerkennung“, sagte der SPD-Vorsitzende. Sein Wunsch, dass Bouffier den Krebs mit Hilfe der Ärzte besiegen möge, scheint inzwischen Wirklichkeit geworden zu sein. Und dass die beiden Gießener Politiker lange kein gutes Verhältnis zueinander hatten, spielte dann auch beim Abschied des SPD-Politikers aus dem Parlament keine Rolle mehr. „Thorsten Schäfer-Gümbel hat seine Haltung immer authentisch vertreten und war ein leidenschaftlicher Volksvertreter“, sagte Bouffier. Und zur Bekräftigung seiner Worte nahm er nach seiner Rede neben dem langjährigen Kontrahenten auf der Abgeordnetenbank der SPD Platz.

          Komplimente von der Konkurrenz gab es auch, als Stefan Ruppert, der Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der FDP, kürzlich ankündigte, im nächsten Jahr aus der Politik in die Wirtschaft zu wechseln. Die neue SPD-Vorsitzende Nancy Faeser ließ wissen, dass Ruppert als kluger Kopf und streitbarer Demokrat fehlen werde. Sie habe ihn immer als angenehmen, fairen Gesprächspartner erlebt, der seine Standpunkte klar, aber undogmatisch vertrete.

          Dass Politiker über ihre Konkurrenten am liebsten erst dann etwas Nettes sagen, wenn sie ihren Hut nehmen, ist verständlich. Aber sie loben sich auch selbst gern, und manchmal wirkt das sogar gekonnt. So beispielsweise als Boris Rhein (CDU) als Präsident des Landtages der „sehr geschätzten Kollegin Knell“ das Wort erteilte. Ein Raunen ging durch den Plenarsaal. Dann trat die FDP-Politikerin ans Rednerpult und lächelte: „Tja, der Präsident hat Geschmack.“

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