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Burg Schwarzenstein : So begründet das Hotel den Rauswurf von Sternekoch Henkel

Sternekoch Nils Henkel Bild: Wonge Bergmann

Die Burg Schwarzenstein im Rheingau trennt sich von Zwei-Sterne-Koch Nils Henkel und seinem Gourmetrestaurant. In einer Mitteilung erläutert Gesellschafter Michael Teigelkamp nun den überraschenden Schritt.

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          Mit einer kurzen Pressemitteilung hat das Hotel Burg Schwarzenstein in Johannisberg im Rheingau am Dienstag die Trennung von Zwei-Sterne-Koch Nils Henkel und dem nach ihm benannten Gourmetrestaurant bestätigt. Als Begründung äußert der geschäftsführende Gesellschafter Michael Teigelkamp, „im Vordergrund“ habe bei der Entscheidung die Wirtschaftlichkeit des Restaurantkonzeptes sowie weitere Einbußen durch das Coronavirus gestanden.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Sparzwänge in der Wirtschaft hätten die Luxusgastronomie besonders hart getroffen. „Eine durchschnittliche Belegung von zehn Gästen im letzten Jahr in unserem Gourmetrestaurant haben uns zu dieser Entscheidung gezwungen.“ Durch die Corona-Krise und die dadurch entstandenen Umsatzverluste „geht uns nun endgültig die Puste aus“.

          Vollkommen überraschend gekündigt

          Wie am Sonntag berichtet, war dem 51 Jahre alten Henkel, der als einer der besten Köche Deutschlands gilt, und einem großen Teil seiner Mannschaft schon Ende März – kurz nach der Schließung des Restaurants wegen der Corona-Pandemie – vollkommen überraschend gekündigt worden. Henkel hatte sein Ausscheiden bestätigt, wollte sich aber nicht zu den Gründen und Einzelheiten äußern.

          Vor Teigelkamps Mitteilung vom Dienstag hatte es keine offizielle Erklärung des Hotels gegeben. Auf der Internetseite der Luxusherberge, in der es neben dem Gourmetrestaurant noch das sogenannte Burgrestaurant und eine Grill- und Wein-Bar gibt, wird Henkel auch jetzt noch als Gastgeber für „höchste Genussmomente“ mit den Bewertungen in verschiedenen Restaurantführern präsentiert, darunter zwei Sterne im Guide Michelin und 18 Punkte im Gault Millau. In einem Hinweis zur aktuellen Situation heißt es lediglich, dass das Hotel und das Burgrestaurant am 16. Mai wieder geöffnet würden, das Restaurant Nils Henkel und die Grill-Bar aber bis auf Weiteres geschlossen blieben.

          In seiner Mitteilung kündigt Teigelkamp nun ein neues Konzept für das Gourmetrestaurant an, es solle leger, vielseitig und kosmopolitisch sein. Man habe „viele tolle Ideen“ und sei im regen Austausch mit verschiedenen Beratern und Köchen.

          Die Trennung von Henkel, der für eine aromenstarke, naturverbundene Küche mit einem besonderen Augenmerk für alte Gemüsesorten und wilde Kräuter steht und auf der Burg Schwarzenstein Kritiker wie Gäste mit seinen beiden Menü-Varianten „Flora“ und „Fauna“ zu überzeugen wusste, ist trotz der Corona-Krise eine große Überraschung. Der Koch, der als Stellvertreter und Nachfolger von Drei-Sterne-Koch Dieter Müller im Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach bekannt wurde, hatte das Gourmetrestaurant auf Burg Schwarzenstein im Februar 2017 übernommen und war innerhalb weniger Monate vom Restaurantführer Guide Michelin mit zwei von drei möglichen Sternen ausgezeichnet worden.

          Erst vor wenigen Wochen war diese Beurteilung in der jüngsten Michelin-Ausgabe bestätigt worden. Außer Henkel gibt es derzeit in Hessen nur zwei weitere Zwei-Sterne-Köche: Jochim Busch und Andreas Krolik von den Frankfurter Restaurants „Gustav“ und „Lafleur“.

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