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Selbstfahrender Bus : Emma lernt jeden Tag dazu

Automobil: Kleinbus Emma in Mainz Bild: Marcus Kaufhold

Am Mainzer Rheinufer ist bis Ende August ein selbstfahrender Elektrokleinbus unterwegs. Wer mitfahren möchte, ist willkommen.

          2 Min.

          Emma ist noch sehr jung, aber auf einem guten Weg. Der misst exakt 677 Meter und bietet ihr ausreichend Platz und Gelegenheit, um täglich unter realen Bedingungen mehr zu lernen. Dabei lässt sie sich normalerweise weder ablenken noch beirren. Nur wenn die Lage am Rheinufer doch einmal zu unübersichtlich wird, bremst der auf den Namen Emma getaufte autonome Elektrokleinbus vorsichtshalber lieber selbst ab. Dann lässt er alles den Operator machen, der bei den kurzen Touren immer mit an Bord ist. Denn es handelt sich um ein Pilotprojekt, und da kann man ja nie wissen. Seit dieser Woche und aller Voraussicht nach bis Ende des Monats sind Emma und ihr Aufpasser auf einer Teststrecke zwischen Malakoff-Terrasse und dem Bootshaus am Winterhafen unterwegs, um möglichst viele Alltagserfahrungen zu sammeln.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Von heute an haben all jene, die sich für Elektromobilität und autonomes Fahren interessieren, die Möglichkeit, selbst eine kurze Spritztour mit dem über acht Sitzplätze und eine Klimaanlage verfügenden Kleinbus des französischen Herstellers Navya zu machen. Die Fahrt ist zum Nulltarif, wie Eva Kreienkamp, Geschäftsführerin der Mainzer Mobilität genannten Verkehrsgesellschaft, bei der offiziellen Betriebsaufnahme an einem Infoschalter am Winterhafen, sagte. Angesichts des erlaubten Tempos von elf Stundenkilometern sollten Interessierte allerdings ein wenig Geduld mitbringen.

          Mainzer Vorzeigeprojekt

          Etwa drei Rundfahrten je Stunde dürfte Emma schaffen. Und zwar täglich von 10 bis 13 Uhr sowie zwischen 14 und 17 Uhr, so die Einschätzung der Verantwortlichen, die den fast lautlos dahingleitenden und selbstfahrenden Elektrobus auf eine für Fußgänger und Radfahrer „unsichtbare Datenschiene durch den öffentlichen Raum“ gesetzt haben. Ebendas ist das Besondere an dem zirka 100.000 Euro teuren Mainzer Vorzeigeprojekt. Denn vergleichbare Fahrzeuge sind und waren auch schon andernorts im Einsatz: an Flughäfen und auf Firmengrundstücken. Doch in diesem Fall schickt laut den Stadtwerken erstmals in Deutschland ein kommunales Verkehrsunternehmen einen autonomen Elektrokleinbus auf einen abgegrenzten Teil der zumindest wochenends stark frequentierten Rheinpromenade.

          Das gemeinsam mit der in Wiesbaden ansässigen R+V-Versicherung aufs Gleis gesetzte Projekt Emma, das auch wissenschaftlich begleitet wird, soll einerseits zeigen, was das Fahrzeug schon kann und was es noch lernen muss. Darüber hinaus will man auf dem Testfeld aber auch die Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer beobachten sowie die Einschätzungen und Gefühle der in einem Bus ohne Lenkrad und Armaturenbrett sitzenden Mitfahrenden erfragen und dokumentieren.

          „Hohe strategische Bedeutung“

          Zwar werden sich die gut 53 Millionen Fahrgäste, die in Mainz jährlich mit Bussen und Bahnen der Stadtwerke-Tochter „Mobilität“ unterwegs sind, wohl noch etliche Jahre gedulden müssen, ehe solche Kleinbusse zum Einsatz kommen – wenn überhaupt. Gleichwohl sprachen Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Mainz AG, Daniel Gahr, von einem „weiteren Puzzlestein“, damit Mobilität im städtischen Raum auch künftig funktioniere. Das Projekt sei von „hoher strategischer Bedeutung“, sagte Gahr. Auch wenn man sich zunächst einmal auf die schon bestellten Elektro- und Brennstoffzellenbusse freue, die im ersten Halbjahr 2019 eintreffen sollen.

          Grundsätzlich aber brauche es solche neuen Technologien, um den öffentlichen Personennahverkehr „individueller, flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten“, sagte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP), der ebenso wie Ebling als Schirmherr zugegen war. Dass das Ganze nicht nur Zukunftsmusik sei, wurde nach der Jungfernfahrt auch thematisiert. So wäre zum Beispiel das weitläufige Gelände des Mainzer Klinikums womöglich ein guter Ort, an dem sich Emma in den nächsten Jahren bei der Patientenbeförderung bewähren und selbst weiterentwickeln könnte.

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