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Weinbau : Schwebende Stahltanks am Steinberg

Ein Tank wird von einem Spezialkran in die unterirdische Kellerei der Staatsweingüter gehoben. Bild: Cornelia Sick

Stau am Steinberg. Mehrere rot lackierte Sattelzüge einer Spedition stehen in einer Reihe neben der Baustelle der Hessischen Staatsweingüter. Ihre Ladung: jeweils drei neue Edelstahltanks mit einem Fassungsvermögen von 8800 Litern.

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          Stau am Steinberg. Mehrere rot lackierte Sattelzüge einer Spedition stehen in einer Reihe neben der Baustelle der Hessischen Staatsweingüter am Steinberg. Ihre Ladung: jeweils drei neue Edelstahltanks mit einem Fassungsvermögen von 8800 Litern. Noch sind sie leer. Ihre Bewährungsprobe kommt erst im Herbst 2008, wenn sie den nächsten Jahrgang der Hessischen Staatsweingüter aufnehmen werden, denn der aktuelle Jahrgang wird noch am alten Standort vergoren. Doch die Anlieferung der Tanks ist das sichtbare Zeichen, dass es mit der 15 Millionen Euro teuren Kellerei der Staatsweingüter spürbar vorangeht.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Behutsam hebt der Autokran eines spezialisierten Mainzer Unternehmens Tank für Tank von den Lastzügen, stellt sie senkrecht und schwenkt die 600 bis 800 Kilogramm schweren Tanks dann einen weiten Weg über die gesamte Baustelle, eher er sie durch eine Öffnung zwei Stockwerke tiefer ins Tanklager hinablässt. Gestern trafen 21 Tanks am Steinberg ein. Es sind die ersten von insgesamt 173 neuen Edelstahlbehältern mit einem Fassungsvermögen zwischen 50.000 und 3000 Liter.

          Holzfässer kommen erst später

          Weitere 30, meist kleinere Tanks werden aus dem bisherigen Kellereigebäude in Eltville umgezogen, wenn der Jahrgang 2007 erst einmal ausgebaut und abgefüllt ist. Dann wird Chef-Önologe Ralf Bengel am Steinberg insgesamt 1,8 Millionen Liter Wein in Tanks lagern können. Die großen alten Tanks am bisherigen Standort nimmt das Bietigheimer Unternehmen Rieger Behälterbau in Zahlung. Der 1952 gegründete Spezialist für Edelstahltanks hatte im vergangenen Jahr unter insgesamt sieben Herstellern den Zuschlag für die Lieferung der neuen Tanks als Herzstück der neuen Kellerei erhalten.

          Der wichtigste Vorteil, den die neuen Tanks für Bengel bereithalten, ist die Möglichkeit, durch eine ausgeklügelte gesteuerte Kühlung mittels der Zirkulation eiskalten Wassers durch ein Rohrsystem die Gärung der Weine zu kontrollieren. Bengel wird künftig von seinem Büro im Kellereigebäude aus an einem Monitor den Zustand jedes einzelnen Tanks beobachten und auch steuern können. Insgesamt drei Wochen wird es dauern, bis alle 173 Tanks angeliefert, abgeladen und auf Sockeln im Tanklager fachgerecht eingebaut sind. Die Holzfässer kommen erst später.

          Verstoß gegen Baugenehmigung?

          Die Fortschritte an der Baustelle lassen sich von weitem auch daran erkennen, dass drei der vier Kräne, die bis vor wenigen Wochen noch an jeder Ecke des 80 mal 40 Meter großen Baugrube standen, schon abgebaut sind. Von der einst gewaltigen Grube ist nichts mehr zu sehen, denn die 1,20 Meter bis 1,80 Meter dicke Erdabdeckung liegt schon auf dem Betondeckel. Derzeit wird der nebenan gelagerte Mutterboden aufgetragen. Danach wird eine Kräuter- und Grasmischung über den Winter zur Lockerung des Bodens eingesät, ehe im zeitigen Frühjahr dann wieder Rebstöcke wachsen sollen. Das alte Fachwerkgebäude der Rebveredlung bietet derzeit einen traurigen Anblick, weil die Gefache im Fachwerk herausgenommen wurde, jedoch steht der Sanierungsbeginn nun unmittelbar bevor.

          Sobald der letzte Stahltank auf dem Weg vom Lastwagen zum Einlass in die Kellerei das letzte Mal die Sonne gesehen hat und er im Tanklager verschwunden ist, wird das Loch im Stahlbeton geschlossen, denn diese Fläche ist Teil des Fußboden der Kelterhalle über dem Tanklager. Sollte ein Edelstahltank einmal ausgetauscht werden müssen, kann er nur über einen der beiden Aufzüge eingebracht werden - oder die Zwischendecke muss abermals durchbrochen werden. Allerdings wird von den Tanks eine Haltbarkeit jenseits eines Vierteljahrhunderts erwartet.

          Unterdessen hat der Kreisvorstand der „Linken“ den Rohbau kritisiert, der „aus dem Boden heraustrete“ und damit „Geist und Buchstaben“ der Baugenehmigung verletzte. Staatsweingüter Dieter Greiner weist solche Kritik zurück. Der Rohbau mit Kellereineingang stehe an der Stelle eines abgerissenen Altbaus.

          Langsam nähert sich der Bau der neuen Zentralkellerei seiner Vollendung: Jetzt sind die Behälter eingebaut worden, in denen der Traubensaft vergoren wird.

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