https://www.faz.net/-gzg-p726

Schule : Waldorfschulen sehen pädagogische Vielfalt in Gefahr

  • Aktualisiert am

Das in Hessen geplante zentralisierte Landesabitur bedroht nach Ansicht der Waldorfschulen die pädagogische Vielfalt. Die Vorbereitung dieser Prüfung zwinge dazu, statt dem eigenen dem staatlichen Lehrplan zu folgen.

          1 Min.

          Das in Hessen geplante zentralisierte Landesabitur bedroht nach Ansicht der Waldorfschulen die pädagogische Vielfalt. Die Vorbereitung dieser Prüfung zwinge dazu, statt dem eigenen dem staatlichen Lehrplan zu folgen, erklärte die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen am Mittwoch in Wiesbaden. Ihr Sprecher Norbert Handwerk warf dem Kultusministerium vor, mit seiner Tendenz zur Normierung das Bildungsniveau eher zu senken.

          Nach den Plänen von Kultusministerin Karin Wolff (CDU) werden den Gymnasiasten in drei Jahren landesweit einheitliche schriftliche Abituraufgaben gestellt. Schon in diesem Jahr werden in den Grundschulen landesweite Vergleichsarbeiten zur Regel. Die zehn hessischen Waldorfschulen mit ihren rund 5.600 Schülern beteiligten sich daran jedoch nicht, sagte Handwerk. Ihr Lehrplan werde bei den standardisierten Tests nicht berücksichtigt. Beim Landesabitur müssten die Waldorfschulen ihre eigenen Aufgaben formulieren dürfen. Die FDP schloss sich dieser Forderung an.

          Nach Ansicht des Kultusministeriums reicht es jedoch aus, den Schulen die Gestaltung der mündlichen Prüfung zu überlassen. Damit bleibe den Waldorfschulen genug Spielraum, sagte Behördensprecher Ralf Hörnig. Landesweite Standards sorgten für größtmögliche Objektivität in der Beurteilung der Schüler. Dieser Anforderung müssten sich auch die Waldorfschulen stellen.

          Die Waldorfpädagogik geht auf die Lehre des Philosophen Rudolf Steiner (1861-1925) zurück. Die Schulen sind nicht nach Leistungsniveaus eingeteilt, Sitzenbleiben gibt es nicht, musische und handwerkliche Bildung nimmt breiten Raum im Lehrplan ein. Was die moderne Pädagogik fordere, sei an den Waldorfschulen seit langem üblich, sagte Handwerk. 70 bis 80 Prozent der Schüler erlangten die Fachhochschul- oder Universitätsreife. Trotz des Erfolgs sei die staatliche Förderung ungenügend. Die Eltern müssten im Schnitt 180 Euro pro Monat und Schüler aufbringen.

          Mit einer Aktionswoche wollen die hessischen Waldorfschulen von Samstag an über ihre Arbeit und ihre besondere pädagogische Ausrichtung informieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Freiwillige warten in Ahrweiler in Rheinland-Pfalz auf ihren Einsatz.

          Hilfsbereitschaft : Mit der Schippe in der Hand

          In der Katastrophe zeigt sich die deutsche Gesellschaft leistungsfähiger, stabiler und bewundernswerter, als ihr mitunter attestiert wird. Es wäre gut, wenn das auch in der Corona-Krise so wäre.
          Siegte zwei Mal ohne Kampf: Tohar Butbul in Tokio

          Kampf gegen Israeli verweigert : Feinde und Freunde

          Judoka Tohar Butbul aus Israel wird auf olympischer Bühne Opfer des Antisemitismus. Leider kann man nicht auf die hoffen, die die Regeln machen, sondern meist nur auf die, die ihnen unterworfen sind. Das zeigt ein anderes Beispiel.

          Riesige Rauchwolke : „Wir haben noch eine Gefährdungslage“

          Auf dem Gelände der Sondermüllverbrennungsanlage des Chemieparks in Leverkusen explodieren drei Tanks. Ein Mensch stirbt, Dutzende werden verletzt. Noch werden Arbeiter vermisst.
          Der frühere Chefberater von Präsident Trump,Steve Bannon, im August 2017 in Washington

          In Italien : Bannons geplatzter Traum von der „Gladiatorenschule“

          In der ehemaligen Abtei Trisulti bei Rom wollte der frühere Trump-Berater Steve Bannon eine rechtskonservative „Gladiatorenschule“ einrichten. Doch nun musste sein Vertrauter die Immobilie an den italienischen Staat zurückgeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.