https://www.faz.net/-gzg-a28tv

Schulbeginn in Hessen : Schulen sind für Bildung da

Lernen muss in den Mittelpunkt: Wer fordert, Schülern wegen der Pandemie nur noch das Nötigste beizubringen, hat den Bildungsauftrag nicht verstanden. Politiker und Schulen sollten alles daransetzen, Versäumtes nachzuholen.

          1 Min.

          Zuerst kamen die Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern. Wenige Tage nachdem die Schulen dort wieder geöffnet hatten, wurden die ersten schon wieder geschlossen. Oder es wurden einzelne Klassen aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Spätestens da war klar: Auch das neue Schuljahr wird ein Corona-Jahr. Und die allgemeine Ungewissheit, wie es weitergeht, gilt auch für den Unterricht.

          Für berufstätige Eltern ist das belastend. Aber auch viele, die das Familienleben notfalls weiterhin so organisieren könnten, dass die Kinder zeitweise zu Hause lernen, merken: Den Schülern fehlt, was Schule ausmacht. Nämlich Sozialkontakt, Struktur – und Stoff. Der Vorsitzende des Bundeselternrats spricht jedenfalls nicht für alle Eltern, wenn er bemängelt, dass die Länder ihre Lehrpläne nicht „entschlackt“ hätten.

          Wer fordert, Schülern wegen der Pandemie nur noch das Nötigste beizubringen, hat den Bildungsauftrag nicht verstanden. Politiker und Schulen sollten im Gegenteil alles daransetzen, Versäumtes nachzuholen. Nach den Ferien muss das Lernen im Mittelpunkt stehen. Schule ist in erster Linie ein Ort, an dem Wissen und Kompetenzen vermittelt werden. Sie ist dafür da, dass Kinder und Jugendliche Schreiben und Rechnen, Sprachen und Grammatik, Interpretieren und Argumentieren, Analysis und außerdem noch alles lernen, was zum Stoff der sogenannten Nebenfächer gehört.

          Schule ist außerdem noch vieles mehr, aber im Kern ist das ihr Auftrag, auch in einer Pandemie. Wenn er sich zeitweise nur digital erfüllen lässt, müssen die Schulen dafür Lösungen finden. Das Land kann unterstützen und Vorgaben machen, aber auch die Schulen stehen in der Pflicht. Es gibt leuchtende Beispiele. Aber auch etliche Schüler der Sekundarstufe, denen vor den Ferien keine einzige Video-Stunde angeboten wurde. Auf die absolute Ausnahmesituation seit März folgten sechs Wochen Sommerferien. Von nächster Woche an gilt es für die Schulen zu zeigen, wie sie die Zeit genutzt haben.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Foto Alexej Nawalnyjs mit seiner Frau Julia, das der russische Oppositionspolitiker am 25. September auf Instagram postete.

          Fall Nawalnyj : Der Kreml verstrickt sich in Widersprüche

          Die russische Regierung macht unterschiedliche Angaben zum Fall Nawalnyj. Dabei hat Präsident Wladimir Putin die Vergiftung mit Nowitschok nun bestätigt – indirekt.

          Klimastreik in Frankfurt : „Die Normalität ist pervers“

          Fridays for Future will sich breiter aufstellen: Mit anderen Gruppen demonstrieren die Klimaschützer nun als „intersektionales Bündnis“ gegen Kapitalismus, Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.
          Luis Suárez feiert 2019 sein Tor beim Spiel Barcelona gegen Dortmund.

          Sprachtests für Fußballer : Italienisches Eigentor

          Muss ein Fußballspieler Verben konjugieren können? Der Skandal um den uruguayischen Stürmer Luis Suárez zeigt: in Italien unter Umständen schon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.