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Schnelles Internet auf dem Land : In Eigenregie zum Breitbandanschluss

  • -Aktualisiert am

Welt am Draht: Über Glasfaser-Kabel können Datenströme in hohem Tempo geleitet werden. Um diese schnelle Anbindung an das weltweite Netz auch in ländlichen Regionen zu erhalten, greifen in Hessen Landkreise zur Selbsthilfe. Bild: Tobias Schmitt

Weil schnelle Internetanschlüsse fehlen, nehmen Politiker in ländlichen Regionen wie zum Beispiel dem Odenwald den Aufbau von Glasfasernetzen selbst in die Hand.

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          Das Internet ist das Medium der Zukunft. Doch vor allem im ländlichen Raum sind leistungsfähige Breitbandanschlüsse längst nicht überall verfügbar. Das stört nicht nur private Internetnutzer. Auch für viele Unternehmen ist der Anschluss ans Netz bei der Standortfrage von Bedeutung. Zwar hat die Deutsche Telekom die Pflicht, überallhin ein Telefonkabel zu verlegen. Eine rechtliche Verpflichtung, Breitbandanschlüsse flächendeckend anzubieten, gibt es aber nicht. Weil der Ausbau den großen Internetanbietern vielerorts nicht profitabel erscheint, bleiben ländliche Regionen bei der Breitbandversorgung oftmals auf der Strecke.

          Um das zu verhindern, gehen Landkreise mehr und mehr dazu über, leistungsfähige Netze in Eigenregie aufzubauen. Eine Vorreiterrolle nimmt der Odenwaldkreis ein. „Unser Konzept steht“, sagt Jürgen Walther, Geschäftsführer der Odenwald Intranet GmbH. Die großen Anbieter, sagt Walther, seien gar nicht in der Lage, den Netzaufbau zu gewährleisten, weil deren Aktionäre meist auf kurzfristige Rendite innerhalb weniger Jahre schielten. „Uns reicht ein Return of Invest in 15 Jahren aus“, erläutert Walther. „Wir nehmen das Heft jetzt dort selbst in die Hand, wo die freie Marktwirtschaft versagt hat.“

          Kein Zuschuss vom Land

          Über ein Jahr arbeiten Landkreis, Städte und Gemeinden im Odenwald nun schon an den Plänen. Herausgekommen ist ein Projekt, das sich ohne Zuschüsse tragen wird und mit der hessischen Landesregierung abgestimmt ist, wie Walther sagt. Breitbandanschlüsse würden künftig wie Gas, Wasser oder Müllabfuhr als Teil der staatliche Daseinsvorsorge aufgefasst. „Wir konnten nachweisen, dass hier Marktversagen vorliegt“, sagt Walther. Der Antrag des Kreises werde jetzt noch von der EU geprüft. Stimme Brüssel den Plänen zu, solle das Vorhaben als Modellprojekt für ganz Hessen starten. Die Idee klingt einfach. Überall dort, wo ohnehin gegraben wird, sollen künftig gleichzeitig Leerrohre verlegt werden. Zusätzliche Kosten, sagt Walther, gebe es so fast nicht. In den Plastikrohren würden schnelle Glasfaserleitungen für die notwendigen Übertragungsgeschwindigkeiten sorgen.

          „Und sollte irgendwann ein neues Medium entdeckt werden, das besser leitet als Glasfaser“, sagt Walther, „können wir das dank der Leerrohre leicht einsetzen.“ 21 Millionen solle das Vorhaben kosten. Die Finanzierung sei über Banken- und Landesbürgschaften gesichert. Wie beim Schienennetz der Bahn schon länger üblich, würden auch beim Breitband in Zukunft Netzbesitzer von Netzbetreibern getrennt. Die großen Internetanbieter hätten schon signalisiert, dass sie die bessere Infrastruktur für ihre Angebote gerne nutzen würden. Von diesen Betreibern würden dann Nutzungsgebühren erhoben, die so zur Refinanzierung des Projekts beitrügen.

          300 Kilometer Glasfaserkabel

          Zunächst, sagt Walther, werde die vorhandene Infrastruktur der Telekom genutzt. Die neuen Leitungen würden bis an die grauen Telekom-Schaltkästen heran gelegt, eigene Schaltkästen nebenan installiert. Von dort aus werde der Datenstrom über die traditionellen Kupferleitungen der Telekom weiterverbreitet. Das Signal werde dadurch zwar etwas verlangsamt. „Aber ansonsten“, erläutert Walther, „müssten wir ja die Vorgärten der Leute aufgraben.“

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