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Heiko Maas trifft Bürger : Schnelles Date mit dem Außenminister

Roter Sessel für roten Minister: Heiko Maas im Gespräch mit Bürgern in Darmstadt Bild: Marcus Kaufhold

Die Darmstädter SPD probiert eine neue Form des Wahlkampfs aus: Speeddating mit drei Politikern. Besucher stellen ihnen Fragen zu Wohnraum und Waffenexporten, Cannabis und Flüchtlingen.

          Wann hat man dazu schon einmal Gelegenheit? Den Außenminister Deutschlands alles zu fragen, was man wissen möchte. Dabei sitzt der Minister nicht auf einem Podium und die Fragenden nicht in einer Stuhlreihe in einem Saal, wie Journalisten bei den Pressekonferenzen in Berlin. Nein, sie sitzen Heiko Maas (SPD) direkt gegenüber, jeder in einem bequemen Sessel, als ob sie dem Staatsmann auf einer Party bei Freunden begegnen würden. Doch ganz so viel Zeit wie bei einer Party bleibt für die Gespräche nicht, und zufällig ist die Begegnung mit dem Minister auch nicht.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Darmstädter SPD hat das „Speeddating“ organisiert: Jeder, der an diesem Abend auf dem Riegerplatz, dem Wohnzimmer des Martinsviertels, vorbeikommt, kann mit dem Außenminister ins Gespräch kommen. Allerdings sind dafür nur zwei Minuten Zeit, ähnlich wie beim durchorganisierten Kennenlernen für bindungswillige Singles. Unter einem roten Zeltdach sind sechs rote Sessel aufgestellt, denn nicht nur Maas steht als Gesprächspartner bereit, sondern auch die beiden Darmstädter SPD-Kandidaten für die Landtagswahl, Tim Huß und Bijan Kaffenberger, beide junge Männer. Der Außenminister kommt etwas später, es gehört wohl zur Folklore dazu, dass es heißt, sein Flugzeug habe Verspätung.

          Bunt gemischt

          So sitzen zunächst nur Huß und Kaffenberger in den roten Sesseln und der Platz zwischen ihnen bleibt leer. Ein junger Mann in Lederjacke, Miguel Eliakidis, ist der Erste, der sich gegenüber plaziert. Das Gespräch mit Huß dreht sich darum, dass junge Leute in Darmstadt keine Wohnung finden, die sie bezahlen können – so auch die Erfahrung des jungen Mannes, der bald bei den Eltern ausziehen will. Vertieft werden kann das Thema nicht, nach zwei Minuten piepst die Uhr, die ein Helfer, der hinter den Plätzen der Gäste steht, in der Hand hält. Die Themen der folgenden Gespräche sind bunt gemischt. Einige Runden später sitzt bei Huß zum Beispiel eine junge Frau, die mit ihm über die Legalisierung von Cannabis diskutiert.

          Als der Außenminister schließlich auf dem mittleren Sessel Platz genommen hat, rücken die Zuhörer näher heran. Das Interesse an einem Gespräch mit ihm ist größer als bei den lokalen Kandidaten. Der erste Gesprächspartner fragt nach den Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien. Geduldig und konzentriert erklärt Maas die Bedingungen von Rüstungslieferungen und hebt hervor, dass der Export von Waffen seit Bildung der großen Koalition in Berlin „massiv zurückgegangen“ sei. Als Nächster setzt sich Eliakidis, der zuvor mit Huß gesprochen hatte, zu Maas und bringt das Gespräch auf das Chaos um die Verteilung von Flüchtlingen in Europa. Er will wissen, warum die Politiker der verschiedenen Staaten sich nicht einfach auf eine gerechte Regelung einigen.

          „Ich verstehe es auch nicht“

          Maas antwortet ganz ungezwungen: „Wissen Sie was? Ich verstehe es auch nicht. Ich sitze ja immer mit denen zusammen.“ Doch aus den Worten des Außenministers wird auch deutlich, wie schwierig die Frage in der Praxis zu lösen ist. Maas zeigt Verständnis dafür, dass Griechenland, Italien und Spanien nicht alle Flüchtlinge unterbringen wollen, die an ihren Küsten ankommen.

          Doch nicht immer kommt der Minister so ausführlich zu Wort. Ein Bürger redet selbst so lange, dass er die zwei Minuten fast allein aufbraucht. Selbstdarstellung gehört eben beim Dating dazu – auf beiden Seiten.

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