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Schloss Vollrads : Öko auf dem Vormarsch

  • -Aktualisiert am

Erfreuliche Entwicklung: Schloss Vollrads im Rheingau wechselt zum ökologischen Weinbau. Bild: dpa

Schloss Vollrads im Rheingau stellt auf ökologischen Landbau um. Mit dem Jahrgang 2022 könnte Vollrads zum größten Bio-Weingut Hessens aufsteigen. Wächst dadurch der Druck auf die Hessischen Staatsweingüter weiter?

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          Schloss Vollrads im Rheingau darf sich absehbar Hessens größtes Ökoweingut nennen. Wenn im Herbst 2022 die vorgeschriebene Umstellungsphase abgeschlossen ist, dann wird sich damit die ökologisch bewirtschaftete Rebfläche im Land insgesamt deutlich erhöhen. Und andere große Erzeuger stehen ebenfalls in den Startlöchern, um sich auf den Weg zum Ökoweingut zu machen.

          Das ist nicht nur aus Sicht der grünen Weinbauministerin eine erfreuliche Entwicklung. Es ist auch eine gute Nachricht für Flora und Fauna in den Weinbergen und ihren Böden. Gerade die Stickstoffbelastung der Böden und damit der Trinkwasserbrunnen im Rheingau ist zumindest stellenweise noch immer zu hoch, als dass sich die Winzer damit zufriedengeben dürften. Und der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel erscheint heute auch jenen Winzern möglich, die in der Vergangenheit das wirtschaftliche Risiko einer konsequenten und kontrollierten ökologischen Bewirtschaftung scheuten. Für den Fall der Fälle halten sich Winzer gerne ein Pflanzenschutztürchen offen.

          Zertifizierter Ökoweinbau bedeutet aber nicht den Verzicht auf Pflanzenschutz. Vor allem Pilzkrankheiten müssen ohne Wenn und Aber bekämpft werden. Sonst drohten Ertragsausfälle bis zum Totalverlust. Ein Weingut wie Schloss Vollrads tut sich mit der Umstellung insofern aber leichter als andere, weil alle Weinbergslagen bequem und mit Traktoren befahren werden können und in kritischer Situation daher schnell mit wirksamen Kupferpräparaten behandelt werden können. Diese hohe Schlagkraft beim Pflanzenschutz ist Voraussetzung, das Risiko in wirtschaftlich vertretbarer Größenordnung eingehen zu können.

          Mit der Umstellung von Schloss Vollrads auf ökologischen Landbau wird der Druck auf die Hessischen Staatsweingüter weiter wachsen, der ihnen zugedachten Vorreiterrolle beim Weinbau auch auf diesem Feld gerecht zu werden. Bislang hat sich das größte deutsche Weingut unter anderem mit dem Hinweis auf den hohen Anteil schwierig zu bewirtschaftender Steillagen vor der förmlichen Verpflichtung auf den Ökoweinbau retten können. Zudem erwartet das Land von seinem Weingut nicht nur eine nachhaltige Wirtschaftsweise, sondern auch schwarze Zahlen. Der Steuerzahlen soll nicht länger für ein Weingut aufkommen müssen. Doch das ist bei der Sparkasse als Eigentümerin von Schloss Vollrads nicht anders. Dem Staatsweingut könnten nun die Argumente langsam ausgehen, das Wagnis des Ökoweinbaus einzugehen. Das Land Hessen als Eigentümer muss dann aber auch damit rechnen, im Fall der Fälle seinem Weingut unter die Arme zu greifen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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