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Schloss Lichtenberg : Fischbachtal schmiedet Hochzeitspläne

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Schloss Lichtenberg, eines der ältesten Renaissance-Gebäude in Südhessen Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Ein staatliches Schloss für eine arme Gemeinde: Fischbachtal will das Schloss in Lichtenberg nicht nur als Wohnhaus und Museum nutzen, sondern auch als romantischen Hochzeitsort.

          Ein Vermögen von 25.000 Gulden hat Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt einst in den Bau seines berühmten Renaissanceschlosses in Lichtenberg gesteckt. Heute soll die Investition sich auszahlen - für die Gemeinde Fischbachtal, die ärmste im Kreis Darmstadt Dieburg. Das stattliche Schloss im 500-Einwohner-Ortsteil Lichtenberg soll nicht mehr nur als Wohnhaus und Museum dienen, sondern auch als Veranstaltungsort für romantische Hochzeits-Events.

          Dem Bauherrn diente das dreigeschossige Gebäude in Hufeisenform, idyllisch und weit sichtbar im Landschaftsschutzgebiet gelegen, mit Treppenturm und Schmuckportalen, Schaugiebeln, Stuckdecken und Schloßkapelle im Jahr 1572 selbst als Hochzeitsgeschenk für seine erste Frau, Gräfin Magdalene zur Lippe. Jetzt soll mit den Hochzeitsfeiern mehr Leben in das Schloss und damit nach Lichtenberg kommen. Die Gemeinde plant Hochzeits-Rundumpakete mit standesamtlicher Trauung im ersten Stock, Übernachtung in der Hochzeitssuite gleich nebenan, kirchlicher Trauung in der Kapelle und Festmahl im Gewölbekeller.

          Nutzung des Kaisersaals für Hochzeiten

          So könnte sich das historische Ambiente geschickt vermarkten lassen. „Die Renovierung der Kapelle und die Einrichtung des Standesamtes sind auch unstrittig“, sagt der Bürgermeister von Fischbachtal, Wilfried Speckhardt (SPD). „Nur der richtige Raum für die Feier ist noch ein Streitpunkt.“ Drei Räume für die Ausrichtung der Feiern sind im Gespräch: der Kaisersaal im ersten Obergeschoss, der jetzige Vortragsraum im Erdgeschoss und der Gewölbekeller. Doch den Kaisersaal zieren denkmalgeschützte Stuckdecken aus dem 16. Jahrhundert, denen die Ausdünstungen von Festessen und Festgästen schaden könnten. Der Vortragsraum kann mit höchstens 50 bis 70 Personen nur kleine Gesellschaften aufnehmen, und der Gewölbekeller ist noch nicht ausgebaut.

          Der Kaisersaal mit seiner Stuckdecke aus dem 16. Jahrhundert

          Da das Schloss Eigentum des Landes ist, entscheidet der Landesbetrieb Hessisches Immobilienmanagement (HI) über die Nutzung der Räume. Er muss Renovierungen, Um- und Ausbauten auch finanzieren. „Grundsätzlich ist es möglich, den Kaisersaal für Hochtzeitsfeiern zu nutzen“, sagt Gunnar Knöß, Objektleiter des Schlosses bei dem Landesbetrieb. „Ob derartige Feiern den Stuckdecken wirklich schaden, muss der Denkmalschutz erst feststellen.“

          „Beide Interessen unter einen Hut bringen“

          Speckhardt befürwortet die Nutzung des Kellers, auch wenn der zu steile Zugang des Gewölbes eine bauliche Schwierigkeit darstellt. Gegen den Kaisersaal spreche nicht nur der Denkmalschutz, meint der Bürgermeister. Denn der Kaisersaal sei zum großen Teil aus Mitteln des Kultur- und Verschönerungsvereins Lichtenberg sowie aus Fördermitteln des EU-Programms „Leader Plus“ eingerichtet. Der Kulturverein, der dort jetzt Schlosskonzerte veranstaltet, sei gegen die Nutzung des Raumes als Festsaal.

          Die kulturelle, nichtkommerzielle Nutzung des Saales sei Bedingung für die finanzielle Unterstützung durch die EU gewesen. „Wir wollen gleichzeitig Hochzeitsfeiern auf Schloss Lichtenberg möglich machen und den Kaisersaal weiterhin der Kultur vorbehalten“, sagt Speckhardt. „Deshalb möchten wir das Land überzeugen, den Gewölbekeller auszubauen und damit beide Interessen unter einen Hut zu bringen.“

          Spätestens im Februar soll der Denkmalschutz mit der Bestandsaufnahme in der Kapelle und im Kaisersaal beginnen und klären, was in welchem Raum wünschenswert und möglich ist. Die Kosten für einen Ausbau sind noch nicht kalkuliert. In diesem Jahr wird die Landeseinrichtung zunächst die mehr als 300 Fenster des Schlosses austauschen und die Außenanlagen herrichten lassen. 2008 könnte das Schloss vielleicht schon für die ersten Hochzeitsgäste bereit sein, hofft Speckhardt. Die dann noch vielfältigere Nutzung des Schlosses könnte sogar dem Sinn fürs Praktische entsprechen, den auch der Erbauer zeigte. Denn auch Landgraf Georg I. verwendete sein Schloss mehrfach. Nachdem seine erste Frau Magdalene früh gestorben war, vergab er es abermals als Hochzeitsgeschenk - an die zweite Frau Eleonore.

          Wohnhaus mit Museum und Konzertsaal

          Sommergalerie und Adventsmarkt, Landschaftsmuseum und Eingangstor zum Unesco-Geopark Bergstraße-Odenwald: Schon jetzt ist das älteste Renaissanceschloss Südhessens weit mehr als ein Wohnhaus. Es gilt als touristische Attraktion und als Veranstaltungsort. Rund 4500 Besucher besichtigen pro Jahr das Museum Schloss Lichtenberg. Zu sehen gibt es in dem markanten Bauwerk zum Beispiel eine Schmiedewerkstatt und eine historische Apotheke, alte landwirtschaftliche Gerätschaften, Odenwälder Gäulchen und eine einzigartige Sammlung von Zinnfiguren-Dioramen, die unter anderem Szenen aus der Antike oder berühmte Schlachten darstellen.

          Gegründet im Jahr 1951 mit drei Räumen, füllt das Museum heute auf drei Etagen den Ostflügel des Gebäudes aus. Die neue Abteilung zur Geschichte der Landnutzung lädt seit 2005 zu einem Streifzug durch die Jahrtausende, von den Steinzeitbauern zu Kelten, Römern und vom Mittelalter bis in unsere Zeit, ein. Die Dauerausstellung soll Besuchern Wissen und Anregungen für eigene Wanderungen und Entdeckungen im Geopark geben.

          Geopark-Ranger bieten zum Beispiel für Schulklassen und Kindergeburtstage ein breites umweltpädagogisches und touristisches Programm an. Im Ahnensaal zeigen wechselnde Kunstausstellungen Werke zeitgenössischer Künstler.

          Sonderveranstaltungen wie Spinntag, Weinprobe, Odenwälder Abend oder Theateraufführungen locken zudem Besucher aufs Schloss, ebenso wie die Lichtenberger Schlosskonzerte, bei denen vornehmlich Klassik und Jazz gespielt wird. Während das Museum von Ende Oktober bis Ende März wegen fehlender Heizung geschlossen ist, finden die Konzerte im Kaisersaal auch im Winter statt. Beim 250. Schlosskonzert seit Beginn der Konzertreihe 1971 spielt Julian Evans am Sonntag, 28. Januar, unter anderem Sonaten von Beethoven und Chopin.

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