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Neukonzeption von Innenstädten : „Warenhäuser sind an ihre Grenzen gekommen“

Wird sanierungsbedingt schließen: die Karstadt-Filiale auf der Frankfurter Zeil Bild: Diana Cabrera Rojas

Angesichts der Schließungen von Karstadt-Filialen sind auch die Einkaufsstraßen in Mainz und Frankfurt vor neue Herausforderungen gestellt. Auf der Frankfurter Zeil jedoch gibt es für eine andere Nutzung der Karstadt-Immobilien gute Chancen.

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          Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) hat die Schließung des Karstadt-Hauses an der Zeil als einen Rückschlag für die Innenstadt bezeichnet. „Das ist bitter.“ Attraktive Innenstädte seien wichtig, fügte der Stadtrat hinzu. Ulrich Caspar, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, sprach am Wochenende von einer „weiteren Herausforderung für die Einkaufsstraße“, sich im Strukturwandel zu behaupten. „Die derzeitigen Warenhauskonzepte sind an ihre Grenzen gekommen.“ Generell sei der stationäre Einzelhandel kein Selbstläufer mehr.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Caspar fügte hinzu, Frankfurt benötige ein professionelles Citymarketing, um Einkaufsstraßen kundengerecht zu inszenieren. Wenn allerdings Kunden nicht mehr mit dem Auto in die Innenstadt fahren sollten, Parkraum verringert und Parken teurer gemacht werde, dann stärke das den Online-Handel. Aniko Korsos, Leiterin des Einzelhandelsteams West beim Maklerunternehmen Jones Lang Lasalle, sagte, um die Nachnutzung der Karstadt-Immobilie an der Zeil müsse man sich keine Sorgen machen. Es werde zwar kein Warenhaus einziehen, doch sei schon von einer Projektentwicklung die Rede, die weiterhin Handelsflächen im Erdgeschoss und im Stockwerk darüber vorsehe. Die Obergeschosse ließen sich in dieser Lage leicht anders nutzen, als Büros, für Wohnen oder für ein Hotel.

          Beendigung einer langen Leidensgeschichte

          In Mainz beendet die am Freitag angekündigte Schließung des Karstadt-Kaufhauses an der Ludwigsstraße eine lange Leidensgeschichte. Sie eröffnet der Einkaufsstadt, die mit dem Kaufhof weiter über ein gut sortiertes Warenhaus verfügen wird, sogar die Chance, sich an der „Lu“ schneller als gedacht neu aufzustellen. Pläne dafür liegen bereits vor und sollen vom Stadtrat möglichst noch vor der Sommerpause beschlossen werden.

          Für die 90 Beschäftigten ist die Aufgabe hingegen schmerzlich, selbst wenn es eine Transfergesellschaft und sozialverträgliche Lösungen geben wird, wie es die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, Malu Dreyer (SPD), mit Blick auf insgesamt vier Standortschließungen im Land fordert. Auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) äußerten, es sei nun dafür zu sorgen, „dass kein Beschäftigter im Regen stehen bleibt“.

          Bei der Boulevard Lu GmbH, die als Eigentümer ohnehin schätzungsweise 100 Millionen Euro in die Umgestaltung des Komplexes stecken will, rechnet man täglich mit einem Kündigungsschreiben der Signa-Holding. Da die österreichische Gruppe, die am Freitag ihr bundesweites Sanierungspaket vorgestellt hat, das gut gelegene und stark frequentierte Kaufhof-Gebäude an der Schusterstraße selbst besitzt, im Falle des Karstadt-Hauses aber Mieter ist, stand für Branchenkenner früh fest, welche der beiden Mainzer Filiale wohl im Zweifelsfall schließen werde.

          Dennoch gibt es laut dem in Ingelheim ansässigen Investor weiterhin Gespräche mit Karstadt und Signa. Das Unternehmen habe sich nach einem Umbau sowieso deutlich verkleinern wollen, heißt es. Womöglich werde eine andere Tochter der Gruppe, im Gespräch ist der Neuzugang „Sport-Scheck“, die Lücke füllen. So oder so verfolge man mit dem Neubau eines attraktiven Handelsplatzes an der „Lu“ kein klassisches Kaufhaus-Konzept mehr.

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