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Schiersteiner Brücke : Schlanke Balkenbrücke oder simple Betontrasse

Blick auf die Schiersteiner Brücke zwischen Wiesbaden und Mainz Bild: F.A.Z. - Marcus Kaufhold

Ein Frankfurter Büro gewinnt den Wettbewerb für die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden - doch Mainz ist unzufrieden.

          Der „große Wurf“ ist dem Vernehmen nach keinem der zehn Architektur- und Bauingenieur-Büros gelungen, die sich am Wettbewerb für die neue Schiersteiner Brücke beteiligt haben. Und so wird von 2017 an wohl eine schlanke Balkenbrücke, die sich laut Preisgericht trotz der vorgesehenen sechs Fahrspuren sensibel in die flache Flusslandschaft einfügt, den Rhein zwischen Mainz und Wiesbaden überspannen. Für Fußgänger und Radfahrer könnte es womöglich einen eigenen Übergang auf deutlich niedrigerem Niveau geben, der unter dem Autobahnbauwerk eingehängt werden soll.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Der gestern vom Hessischen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen in Wiesbaden vorgestellte Siegerentwurf der Frankfurter Arbeitsgemeinschaft Ingenieurbüro Grontmij BGS/Architekturbüro Ferdinand Heide sei dennoch keine Notlösung, sondern in mehrfacher Hinsicht das Beste: „Er ist nicht nur aus ästhetischen Gründen ausgezeichnet“, sagte Wolfgang Scherz, der Präsident des Landesamts, das erstmalig für den Bau einer Autobahnbrücke einen interdisziplinären Wettbewerb ausgerichtet hatte. „Der Vorschlag stellt auch die wirtschaftlichste Lösung in Bau und Unterhaltung dar – und belastet die Umwelt am wenigsten.“

          „Stadttor“ zwischen Mainz und Wiesbaden

          Von einer „Einfachst-Lösung“ spricht dagegen der Mainzer Oberbürgermeister, Jens Beutel (SPD), der das Thema bei den nächsten Abstimmungsrunden noch einmal auf die Tagesordnung setzen möchte: „An dieser exponierten Stelle zwischen beiden Landeshauptstädten muss mehr möglich sein als eine simple Betontrasse.“ Auch der Mainzer Baudezernent Norbert Schüler (CDU), der in der Jury saß, präferiert die auf Platz zwei gekommene Schrägseilbrücke der Stuttgarter Arbeitsgemeinschaft Ingenieurbüro Peter und Lochner/Architekturbüro ASP.

          Es gehe darum, an der Schnittstelle zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz, am Eingang zum Rheintal ein architektonisch überzeugendes Bauwerk, eine Art „Stadttor“ zwischen Mainz und Wiesbaden, zu schaffen. Bis 2017 sei noch genügend Zeit, um mögliche Hürden zu überwinden.

          Vor allem an den beiden 133 beziehungsweise 172 Meter hohen Pylonen haben sich die Vertreter der hessischen Landeshauptstadt gestört. Denn Wiesbaden beabsichtigt, den im Schatten der Brücke liegenden Schiersteiner Hafen zu einem attraktiven Wohn- und Geschäftsviertel zu entwickeln. Für die Mehrheit der Preisrichter gaben aber die Argumente Robustheit, Wirtschaftlichkeit, geringer Unterhaltungsaufwand sowie die Umweltverträglichkeit des vergleichsweise einfach zu bauenden Siegerentwurfs den Ausschlag.

          Kosten zwischen 100 und 140 Millionen Euro

          Schließlich berührt die durch die alte Schiersteiner Brücke vorgegebene Trasse über die Rettbergsaue sowohl Flora-Fauna-Habitat- als auch andere Natur- und Vogelschutzgebiete. Zudem sei die Pylon-Konstruktion schwierig, weil die neue Brücke zwischen 2013 und 2017 in zwei getrennten Bauabschnitten errichtet werden soll. Über einen längeren Zeitraum hinweg wäre das Bauwerk somit nur einseitig belastet und müsste deshalb mit zusätzlichen Seilen im Gleichgewicht gehalten werden.

          Bei allen eingereichten Entwürfen lagen die geschätzten Kosten zwischen 100 und 140 Millionen Euro. Für die Finanzierung, auch des geplanten weiteren sechsspurigen Ausbaus der A 643, ist der Bund zuständig.

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