https://www.faz.net/-gzg-y4wc

Schlachthofgesellschaft : „Schlachtzahlen mehr als verdoppelt“

  • Aktualisiert am

Halbe Sachen: Es geht um Geld für den Aschaffenburger Schlachthof. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Schlachthofgesellschaft spricht von kleinen, aber schwarzen Zahlen und fordert Zuschüsse für ein neues Kühlhaus. Sie will sich offenbar nicht in die Bücher schauen lassen.

          2 Min.

          Die Querelen um die Zukunft des Aschaffenburger Schlachthofs gehen in die nächste Runde. Die Mehrheit der Gesellschafterversammlung entschied, das geplante Kühlhaus nicht zu bauen, falls die Landkreise Aschaffenburg und Miltenberg sowie die Stadt Aschaffenburg das Projekt nicht bezuschussen. Laut Bruno Fischer, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Schlachthofs, waren 2005 den Betreibern von den drei Gebietskörperschaften jeweils 60.000 Euro Zuschüsse zugesagt worden. Nach seinen Worten habe der Schlachthof noch auf 112.000 Euro Anspruch. Wenn das Kühlhaus in diesem Frühjahr nicht gebaut werde, müsse der Schlachthof, den acht Gesellschafter 2003 von der Stadt Aschaffenburg gepachtet haben, dichtmachen.

          Das alte Kühlhaus genüge nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Derzeit würden die Erfolgsaussichten einer Klage geprüft, so Fischer. Außerdem stellte der Geschäftsführer des Schlachthofs einen Antrag an den Landkreis Miltenberg, den „zugesagten Zuschuss einmalig in Höhe von 35.000 Euro zum Bau eines notwendigen Kühlraums zur Verfügung zu stellen“. Dies sei eine der letzten Möglichkeiten, den Schlachthof für die Region zu erhalten. Der Aschaffenburger Schlachthof ist der einzige im Rhein-Main-Gebiet. Fischer befürchtet, dass in Zukunft Spessartrinder und Schweine zum Schlachten ins rund 170 Kilometer entfernte Crailsheim transportiert werden müssen.

          Es fehlen noch weitere Unterlagen

          Der Antrag der Aschaffenburger Schlachthof GmbH ist laut Auskunft aus dem Miltenberger Landratsamt unvollständig. Wie Gerhard Rüth, der Sprecher des Landkreises, mitteilte, fehlen die Bilanzen der letzten zwei Jahre mit den dazugehörigen Gewinn-und-Verlust-Rechnungen. Die Zahlen würden jedoch benötigt, um den Antrag zu prüfen. Ohne die Unterlagen könne der Antrag nicht, wie ursprünglich geplant, in der nächsten Sitzung des Kreisausschusses am 16. März beraten werden. Schließlich müsse die Angelegenheit neu bewertet werden, da die beiden Kreise und die Stadt Aschaffenburg dem Schlachthof 2006 einen Investitionskostenzuschuss von insgesamt 180.000 Euro bis 2009 bewilligt hätten, der von der Gesellschaft jedoch nur zum Teil abgerufen worden sei. Rund 114.000 Euro seien nicht ausgezahlt worden.

          Die Gesellschafter wollen sich offensichtlich nicht in die Bücher schauen lassen. „Wir weigern uns, die Bilanzen herauszugeben“, sagt Fischer. Die Gesellschaft schreibe „fast jedes Jahr kleine, aber schwarze Zahlen“, aber zur Unterhaltung des gesamten Schlachthofes müssten die Betreiber noch mehrere Millionen aufbringen, heißt es in einem Brief an Landrat Roland Schwing (CSU). Die Schlachtzahlen haben sich nach Fischers Angaben mehr als verdoppelt, im vergangenen Jahr wurden 83.000 Schweine geschlachtet.

          Dem benachbarten Landkreis Aschaffenburg wurden nach Auskunft von Pressesprecher Horst Bauer im Dezember 2010 Bilanzen vorgelegt. Das sei die Voraussetzung für ein mehrjähriges, zins- und tilgungsfreies Darlehen von 35.000 Euro gewesen, welches der Kreis den privaten Betreibern an Stelle des geforderten Zuschusses angeboten hatte. Fischer habe den Darlehensvertrag unterschrieben, jetzt fehlten allerdings noch Unterlagen der anderen Gesellschafter. Ohne deren Zustimmung werde der Kreis das Darlehen zum Bau eines Kühlhauses nicht bewilligen. Die 2005 zugesagte Unterstützung für die Startphase sei zeitlich befristet gewesen und habe anderen Zwecken gedient. Das geplante Kühlhaus sei 2005 mit keinem Wort erwähnt worden und habe mit den damaligen Vereinbarungen nichts zu tun, sagte Bauer.

          Weitere Themen

          Kleines Vabanquespiel

          Basketball-Bundesliga in Not : Kleines Vabanquespiel

          Der Klubs der Basketball-Bundesliga leiden unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Auch die Frankfurt Skyliners und die Gießen 46ers sind auf Fördergelder von Bund und Land dringend angewiesen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.