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Rüsselsheim am Main : Schießerei nach Streit zwischen Großfamilien

Abgesperrt: der Tatort in der Nähe des Rüsselsheimer Bahnhofs am 27. April Bild: Andreas Arnold/dpa

Es ist noch früh am Morgen, als im südhessischen Rüsselsheim ein Streit zwischen zwei Großfamilien eskaliert: Mehrere Schüsse fallen, ein Mann wird durch einen Streifschuss verletzt – nun hat die Polizei Haftbefehl erlassen.

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          Nach einer Schießerei am frühen Samstagmorgen in der Rüsselsheimer Innenstadt ist gegen einen 28 Jahre alten Mann Haftbefehl wegen versuchter Tötung erlassen worden. Wie die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das Polizeipräsidium Südhessen mitteilten, wurde der Tatverdächtige gestern Morgen dem Haftrichter vorgeführt, der daraufhin Untersuchungshaft anordnete. Der Tatverdächtige sei in die nächstgelegene Justizvollzugsanstalt gebracht worden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei dem Achtundzwanzigjährigen handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen kurdischstämmigen Mann mit deutschem Pass. Er gehört zu einer kurdischen Großfamilie, die sich laut Polizei wegen „allgemeiner Streitigkeiten“ zunächst an der Bahnhofsstraße eine heftige Auseinandersetzung mit einer türkischstämmigen Großfamilie lieferte. In deren Verlauf fielen dann offenbar auch mehrere Schüsse. Ein Mann sei durch einen Streifschuss leicht verletzt worden, hieß es weiter. Die Polizei berichtet außerdem von zwei beschädigten Autos in der Nähe des Bahnhofs und ein zerstörtes Fenster in einem Wohnhaus an der Waldstraße.

          An dem Streit sollen nach Zeugenaussagen bis zu 30 Personen beteiligt gewesen sein. 14 von ihnen im Alter zwischen 13 und 53 Jahren wurden nach Polizeiangaben vorläufig festgenommen; sie sind mittlerweile allerdings wieder freigelassen worden, weil es „keinen ausreichenden Tatverdacht“ gibt, wie Staatsanwaltschaft und Polizei gestern übereinstimmend mitteilten.

          Noch viele Fragen offen

          Zu dem Streit war es in der Nacht zu Samstag gekommen. Eine Zeugin hatte gegen 4 Uhr Schüsse gehört und die Einsatzkräfte verständigt. Als die Beamten eintrafen, flohen laut Polizeibericht 15 bis 20 an dem Streit beteiligte Personen in Richtung Waldstraße. Der Tatort in der Rüsselsheimer Innenstadt wurde daraufhin weiträumig abgesperrt. Den ganzen Samstag hindurch suchten Ermittler in dem Gebiet nach Spuren und durchkämmten dabei sowohl die Bahnhofstraße als auch die Waldstraße. Während der Ermittlungen seien mehrere Patronenhülsen gesichert worden, hieß es in einer Pressemitteilung.

          Zwei durch Schüsse beschädigte Fahrzeuge seien für weitere Untersuchungen abgeschleppt worden. Mit Hilfe eines Sondereinsatzkommandos wurden überdies am Samstag neun Wohnungen durchsucht, wie Staatsanwaltschaft und Polizei weiter berichteten. Schusswaffen seien bisher allerdings nicht gefunden worden. Es sei außerdem unklar, ob eine Waffe oder mehrere Waffen abgefeuert worden seien.

          Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen sagte der F.A.Z. gestern auf Anfrage: „Die Ermittlungen laufen noch weiter. Es muss nicht bei einem Haftbefehl bleiben.“ Außerdem stehe noch nicht hundertprozentig fest, wie viele Personen an dem eskalierten Streit beteiligt gewesen seien. Der Sprecher bestätigte, dass es sich bei den Beteiligten um Angehörige einer türkischstämmigen sowie einer kurdischstämmigen Großfamilie handele. Er sagte aber auch: „Es sind alles Deutsche.“

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