https://www.faz.net/-gzg-800lb

Schiersteiner Brücke : Von Improvisationen und Erklärungsversuchen

  • Aktualisiert am

Über den Rhein: Eine Fähre zwischen Budenheim und Walluf soll den Verkehr entlasten und für Autofahrer eine Zeitersparnis bringen. Bild: dpa

Während eine zusätzliche Fähre den Betrieb aufgenommen hat, geht der rheinland-pfälzische Verkehrsminister in die Offensive. Er erklärt, die immensen Schäden an der Schiersteiner Brücke seien keine Folge von Verschleiß.

          An Tag neun der Vollsperrung geht die Suche nach den Gründen für die Schäden an der Rheinbrücke zwischen Mainz und Wiesbaden voran. Ein Bauunfall ist laut dem rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) nach derzeitigen Erkenntnissen für die Schäden verantwortlich. Dies erklärte der Minister am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags in Mainz.

          Die Fahrbahn habe sich demnach nicht aufgrund von Verschleiß abgesenkt. Dies war vermutet worden, da die Brücke bereits seit 1962 in Betrieb ist und sich derzeit eine neue Brücke im Bau befindet. Stattdessen sei bei Arbeiten zur Verstärkung der Vorlandbrücke ein Lager an einem Pfeiler herausgebrochen, dann habe sich die Fahrbahn abgesenkt. Dies erklärte der technische Geschäftsführer des Landesbetriebs Mobilität, Bernd Hölzgen.

          CSU sieht Planungsfehler

          Diesen Bauunfall habe niemand vorhersehen können. „Die jetzt eingetretene Situation kam nicht mit Ansage“, sagte Lewentz. Die CDU-Opposition im Landtag sprach dagegen von Planungsfehlern bei den Bauarbeiten.

          Warum der Unfall passiert war, müsse noch geklärt werden. Hölzgen hält einen Zusammenhang zwischen den Arbeiten und den Schäden jedoch naheliegend. Die Bauarbeiten hatten stattgefunden, weil die Verstärkung an der Vorlandbrücke notwendig sei für die künftige Verkehrsführung über die neue Brücke.

          Hölzgen betonte, der defekte Pfeiler und der Zwillingspfeiler an der Vorlandbrücke seien mittlerweile gesichert. „Da kann weiteres jetzt nicht mehr passieren.“ Neue Hilfsstützen sollten zudem die Pfeiler
          entlasten. Bis zur Freigabe müssten die Fahrbahn mit hydraulischen Pressen wieder in die Ausgangslage gebracht und Risse verpresst werden. Wenn dies wie geplant gelinge, könnten ab Ende März wieder bis zu 80.000 Autos pro Tag über die Brücke rollen.

          Rampen aus Zeiten des Kalten Krieges

          Während über die Gründe für den Zustand der Brücke gestritten wird, hat die rheinland-pfälzische Gemeine Budenheim improvisiert - sogar alte Nato-Rampen aus Zeiten des Kalten Krieges kommen dazu zum Einsatz. Denn kurzfristig hat die Gemeinde einer Fähre eine Betriebserlaubnis erteilt. Das Schiff soll täglich zwischen 5.30 Uhr und 21 Uhr bis zu 3.000 Autos über den Rhein ins hessische Walluf bringen. Dazu sind die alten Rampen am Rheinufer verlegt worden, über die die Autos die Fähre befahren.

          Sie nahm den Betrieb am Donnerstagmorgen auf und soll etwa alle 20 Minuten ablegen, wie der Betreiber sagt. Die Fahrt koste 4,20 Euro. Für die Autofahrer ergibt sich mit der Fähre nach der Sperrung der Schiersteiner Brücke eine Zeitersparnis.

          Weitere Themen

          Verrohung und Niedertracht

          Staatstheater Mainz : Verrohung und Niedertracht

          Im einstigen Karstadt Sport eröffnet das Staatstheater Mainz mit einem Stück über Anna Politkowskaja seine „Filiale“. Die Regisseurin Kathrin Herm setzt darin ganz auf die Kraft der Worte und benötigt nur wenige Requisiten.

          So fühlt es sich an, ein Kind zu verlieren Video-Seite öffnen

          Kampf gegen die Trauer : So fühlt es sich an, ein Kind zu verlieren

          Der Tod des eigenen Kindes ist der schlimmste Schicksalsschlag, den Eltern erleiden können. Als ein Ehepaar ihren Sohn verliert, stellen sich Vater und Mutter jeder auf seine Weise dem Kampf gegen die erdrückende Trauer. Im Interview erinnern sie sich.

          Topmeldungen

          Geht es Arbeitnehmern wirklich so schlecht?

          Ausgebeutete Arbeitnehmer? : Der Markt ist klüger als die SPD

          Arbeitnehmer haben heute so viel Macht wie selten zuvor. So manchen Arbeitgeber treiben sie gar zur Verzweiflung. Nur: Wer sagt das jetzt den Sozialdemokraten? Die sprechen weiter von Gerechtigkeitslücken, die geschlossen werden müssen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.