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„Schäden schlimmer als gedacht“ : Einsturzgefahr im Bad Homburger Schloss

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„Die Schäden sind weit schlimmer als bisher angenommen”: Schloss in Bad Homburg Bild: dpa

Bröckelnder Putz, Risse in den Wänden - für Besucher ist der Königsflügel im Bad Homburger Schloss nicht mehr sicher. Das 300 Jahre alte Gemäuer ist ständig in Bewegung, frühere Sanierungen haben mehr Schaden als Nutzen gebracht.

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          Im Bad Homburger Schloss bröckelt der Putz. Wegen gravierender statischer Probleme wird der sogenannte Königsflügel mit der Wohnung der letzten deutschen Kaiserfamilie von der kommenden Woche an für zwei Jahre geschlossen. „Die Schäden sind weit schlimmer als bisher angenommen“, sagte Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) bei einem Ortstermin im Schloss. Es sei nicht auszuschließen, dass Besucher und die Mitarbeiter der Verwaltung Staatlicher Schlösser und Gärten gefährdet würden. Für die statische Sicherung stehen zwei Millionen Euro bereit.

          Das rund 300 Jahre alte Gebäude war bis 1918 Sommerresidenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser, es beherbergt die einzige original erhaltene Wohnung der kaiserlichen Familie in Deutschland. Rund 30 000 Besucher lassen sich jedes Jahr durch die Räume führen. Gutachter hatten Wände und Decken unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die Risse in den vergangenen Monaten immer größer wurden. Es sei nicht auszuschließen, das große Putzstücke herunterfallen, sagte Karl Weber, Direktor der Schlösserverwaltung.

          Ein Zentimeter breiter Spalt in der Wand

          Im großen Speisezimmer schwingt die Decke. Der historische Putz rieselt auf die lange, eingedeckte Tafel herunter. Ein paar Räume weiter, im Ankleidezimmer des Kaisers, klafft ein Zentimeter breiter Spalt in der Wand, die Tapete ist gerissen. Von oben, im zweiten Obergeschoss, haben die Statiker den Fußboden geöffnet und festgestellt, dass Lücken in der Holzkonstruktion mit schwerem Schutt aufgefüllt wurden. Das Gewicht drückt auf die Speisesaal-Decke. Zwischen Balken und Schutt verläuft eine Wasserleitung. „Wer sie verlegt hat und wann, wissen wir nicht“, sagte Weber. Möglicherweise enthielten Wände und Decken weitere Überraschungen.

          Ob die zahlreichen Umbauten in den vergangenen 300 Jahren die Statik beschädigt haben oder natürliche Bewegungen schuld sind, ist unklar. Das Gebäude steht auf Schiefer und hebt und senkt sich ständig. Auf jeden Fall seien früher Fehler gemacht worden, sagte Weber: So habe Kaiser Wilhelm II. vor 100 Jahren Metallträger in die Wände einziehen lassen und nicht beachtet, dass sich Holz und Metall nicht vertragen. Bei anderen Umbauten seien Wände versetzt oder massive Steinsäulen errichtet worden, die nun gegen die Decke drücken.

          „Wir müssen hier raus“

          Weber und seine 24 Mitarbeiter, die ihre Büros über der Kaiserwohnung haben, sitzen mittlerweile zwischen gepackten Umzugskisten. Sie arbeiten künftig in anderen Räumen des Schlosses. „Wir müssen hier raus“, sagte Weber. Erst dann könne es weitere Sondierungen geben, um den gesamten Schaden zu bilanzieren. Die historischen Möbel, Gemälde und Porzellan werden eingelagert. Während der Bauzeit bleibt der „Englische Flügel“ des Schlosses mit der Wohnung der Landgräfin Elizabeth (1770-1840) geöffnet. Auch der Weiße Turm im Schlosshof ist zugänglich, die Schlosskirche steht für Veranstaltungen zur Verfügung.

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