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Rüdesheim : Vorsichtiger Optimismus für den Rheintourismus

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Die Rüdesheim Tourist AG (Rüd AG) blickt der Fremdenverkehrssaison 2005 mit vorsichtigem Optimismus entgegen. Geschäftsführer Ewald Meister leitet diese Zuversicht aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres ab.

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          Die Rüdesheim Tourist AG (Rüd AG) blickt der Fremdenverkehrssaison 2005 mit vorsichtigem Optimismus entgegen. Geschäftsführer Ewald Meister leitet diese Zuversicht aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres ab, in dem eine wachsende Reiselust ausländischer Gäste sich positiv für Rüdesheim niedergeschlagen hat. Hatten 2003 mehr in- als ausländische Besucher einen Abstecher nach Rüdesheim unternommen, war das Verhältnis zuletzt wieder umgekehrt. Es scheint, als hätten die Amerikaner ihre Furcht vor Auslandsfahrten, als Reaktion auf die Terrorattentate und den Irak-Krieg, wieder abgelegt.

          Nur schwer abschätzen kann Meister allerdings, wie sich die Naturkatastrophe in Südostasien auf das Reiseverhalten der Deutschen auswirken wird. Er hält es aber für möglich, daß sich viele Deutsche auf "ruhige, schöne und sichere" Reiseziele im Inland besinnen. Davon könnte Rüdesheim profitieren, hofft Meister. Aufschluß über die touristischen Perspektiven verspricht er sich von der Tourismusmesse CMT in Stuttgart, die Mitte Januar stattfindet und als Branchenbarometer gilt.

          Die vergangene Saison ist Meister zufolge "gut gelaufen". Auch wenn er noch keine abschließenden Zahlen vorliegen hat, geht er "von einem Plus von zwei bis drei Prozent" aus. Vor allem ausländische Gäste aus Übersee, aber auch aus Europa haben das Minus bei den deutschen Besucher mehr als kompensiert.

          Dieses Inland-Minus führt Meister nicht auf eine größere Sehnsucht nach Fernreisezielen zurück, sondern auf eine "Einschränkung der Reisefreude" und Urlaubsverzicht. Die Reform der Sozialsysteme und die damit verbundene Unsicherheit der Verbraucher hemmten die Reisetätigkeit. Anders reagierten Japaner und Amerikaner, die sich selbst vom hohen Dollarkurs nicht abschrecken ließen, Europa zu besuchen.

          Die neue Saison bestreitet Rüdesheim mit seinen bewährten Fixpunkten wie Weinfeste, Clubline Drosselgasse, Magic Bike Rallye, Tal toTal und anderem mehr. Während der überregional bekannte "Weihnachtsmarkt der Nationen" bislang den Abschluß der Saison bildete, fehlte es an einem Auftakt. Das soll nun anders werden: "Frühlingserwachen" nennt die Rüd AG ein zweitägiges Familienfest am Wochenende vom 23. und 24.April, das zugleich ein Beitrag zum "Familienjahr" der Deutschen Zentrale für Tourismus sein wird. Meister hofft, daß dieser "Paukenschlag" und ein vielfältiges Programm die Stadt für Individualreisende und Familien attraktiv machen.

          Der Geschäftsführer der Tourist AG möchte auf Dauer nämlich nicht nur Gruppenreisen nach Rüdesheim locken, sondern auch jüngere Zielgruppen ansprechen sowie Kulturreisende und Familien. Meister sieht dafür gute Voraussetzungen in der Stadt, wenn auch nicht alle "Leistungsträger" wie Hotels und Gastronomiebetriebe so an einem Strang zögen, wie er sich das wünsche. Er setze aber darauf, daß die Engagierten die Zaudernden mitzögen, auch wenn das ein schwieriger Prozeß sei.

          Hoffnungen für die Zukunft setzt er in das Vorhaben eines modulartig aufgebauten Erlebnisparks auf dem ehemaligen Asbach-Produktionsgelände. Die Machbarkeitsstudie dazu werde bis März vorliegen. Wenn das Areal dann tatsächlich an eine schon gegründete Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft verkauft werde, könne noch rechtzeitig vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Rüdesheim ein erstes "Modul" mit einer multimedialen Präsentation des Unesco-Welterbes Oberes Mittelrheintal eröffnet werden. Die Investoren dafür stünden bereit.

          Noch unklar ist, inwieweit sich der für 2005 auf 350000 Euro planmäßig abgesenkte jährliche Zuschuß der Stadt an den Wirtschaftsförderungsverein auf die Aktivitäten und die Bilanz der Rüd AG auswirken wird. Wie berichtet, ist in Rüdesheim mit Beginn des Jahres 2003 die touristische Infrastruktur neu geordnet worden. Die Rüd AG ist seither ein kommunalpolitisch unbeeinflußter und selbständiger Dienstleister, der von mehr als 100Aktionären getragen wird. Im Auftrag des Wirtschaftsförderungsvereins unterhält die Rüd AG die Touristinfo, das frühere Verkehrsbüro, gibt Broschüren heraus, wirbt für die Stadt auf Messen und besorgt das Veranstaltungsmarketing.

          Der Verein mit einem Budget von rund 650000 Euro legt die Generallinie der Fremdenverkehrswerbung fest und trifft die letzte Entscheidung, welche Aktionen finanziert werden können und vollzogen werden sollen. Das Entscheidungsgremium ist der Marketingsausschuß, von dessen neun Mitgliedern drei aus den politischen Gremien der Stadt entsandt wurden.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende der Rüd AG, der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Werner Eigler, vermißt allerdings bei der Stadt und deren Vertretern die notwendige Verläßlichkeit und ein unzweideutiges Bekenntnis zum neuen System der Tourismuswerbung. Als Beispiel für das zeitweise gestörte Vertrauensverhältnis sieht er die einseitige Festlegung der Stadt, den Zuschuß an den Förderverein Ende des Jahres um 30000 Euro zu kürzen, um dadurch den Erhalt des Rheingauer Weinmuseums in der Brömserburg zu retten (F.A.Z. vom Montag). "Verträge sind einzuhalten", mahnt Eigler die Stadt, deren Vertreter endlich zu einem Konsens über die Ziele für die Stadt finden müßten: "Wenn der Tourismus in Rüdesheim nicht klappt, können wir die Bude zumachen." OLIVER BOCK

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