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Rüdesheim : Eine Stadt und ihre Kirchenbaulast

  • -Aktualisiert am

Wem die Stunde schlägt: Rüdesheim muss für das Geläut zahlen. Bild: Michael Kretzer

Ein kurioser Rechtsstreit macht einer hessischen Kleinstadt zu schaffen. Vor Gericht wollte sich Rüdesheim der Kirchenbaulast entledigen – doch so billig kommt die Stadt nicht davon.

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          Der Unterhalt historischer Gebäude ist eine Last. Und wer diese finanzielle Bürde einmal übernommen hat, der wird sie nur schwer wieder los. Diese leidvolle Erfahrung muss gerade Rüdesheim verkraften, obwohl die Stadt diese Last nicht einmal selbst geschultert hat. Vielmehr war es die damals noch selbständige Gemeinde Assmannshausen, die sich 1903 durch einen Eintrag im Grundbuch verpflichtet hatte, für den Unterhalt des Glockenturms an der katholischen Kirche in Assmannshausen sowie der Glocken und Glockenseile aufzukommen. Im Gegenzug durfte die Stadt den Glockenturm nutzen, um die Bürger vor Brand- und Wassergefahren zu warnen und das Geläut auch bei der Weinlese, bei Weinversteigerungen und bei patriotischen Festen in Gang zu setzen.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Als Assmannshausen 1977 im Zuge der hessischen Gemeindereform ein Ortsteil von Rüdesheim wurde, gingen alle vertraglichen Pflichten der kleinen Rotweingemeinde auf die größere Stadt über. Doch der wurde das im Lauf der Jahre zu teuer. Eine Einigung mit der Kirchengemeinde scheiterte, weshalb Rüdesheim schließlich vor das Verwaltungsgericht zog. Dort wollte die Stadt erreichen, dass die vor 118 Jahren ins Grundbuch eingetragene Baulast als gegenstandslos befunden wird.

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