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Rüdesheim : Touristen ignorieren das Weinmuseum in der Brömserburg

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Rüdesheim hat mit der trutzigen Brömserburg ein beeindruckendes Zeugnis seiner Geschichte direkt an der Rheinfront. Diese Burg beherbergt das Rheingauer Weinmuseum mit einigen tausend Exponaten der Wein- und Trinkkultur - doch kaum jemand interessiert sich dafür.

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          Rüdesheim hat mit der trutzigen Brömserburg ein beeindruckendes Zeugnis seiner Geschichte direkt an der Rheinfront. Diese Burg beherbergt das Rheingauer Weinmuseum mit einigen tausend Exponaten der Wein- und Trinkkultur - doch kaum jemand interessiert sich dafür. Seit Jahren kämpft das Museum gegen wirtschaftliche Schwierigkeiten, sinkende Besucherzahlen und die Widrigkeiten einer sanierungsbedürftigen Burg. Im Oktober vergangenen Jahres hieß es gar, das Museum könnte zum 1.Januar 2005 geschlossen werden. Ein Schicksal, das zumindest aufgeschoben, aber noch längst nicht aufgehoben wurde.

          Das Museum in der 1000 Jahre alten Burg ist zwar reich an historischen Schätzen, aber der 1959 gegründete Museumsverein als Träger schrammt immer wieder - dank seines unermüdlichen Mäzens und Vorsitzenden Reinhard Asbach - am Konkurs vorbei. Für Werbung fehlte es stets am Geld, und die Besucherzahlen gingen in den achtziger und neunziger Jahren drastisch zurück. Allein zwischen 1988 und 1995 sank die jährliche Besucherzahl von 40000 auf 30000 Gäste. Damals setzte der Verein große Hoffnungen in eine neue Museumsleiterin und ein Konzept von Sonderausstellungen. Vergebens.

          Wie schwierig es die Kultur in einer von der Drosselgasse und den Stimmungslokalen geprägten Fremdenverkehrsstadt hat, zeigte eine ambitionierte Ägypten-Ausstellung im Jahr 1998 mit der originalgetreuen Nachbildung einer Grabkammer. Wo sich andernorts lange Schlangen vor den Kassen gebildet hätten, blieb die Besucherzahl in Rüdesheim kläglich. Weil statt 80000 nur 25000 Besucher kamen, war das Defizit gewaltig, und wieder einmal mußte Reinhard Asbach seine Privatschatulle für das Museum öffnen.

          Daß er den laufenden Betrieb nicht länger subventionieren will, äußerte er zwar mehrfach, doch eine Wahl blieb ihm nicht, sollte das Haus nicht geschlossen werden. Vielmehr beschleunigte sich der Besucherrückgang noch. Im laufenden Jahren waren es gerade rund 13000 Gäste.

          Pläne, die Misere des Museums zu beenden, gab und gibt es viele. Knallige Fahnenbanner wurden am Gebäude aufgehängt, um die von Bingen über den Rhein setzenden Fährpassagiere schon von weitem auf das Haus hinzuweisen. Ein Museumscafe sollte her, die Burg saniert und umgebaut werden. Die Stadt, die das Haus mit jährlich knapp 8000 Euro unterstützt, setzte eine Arbeitsgruppe ein, die kürzlich ihren zweiten Bericht an die Stadtverordnetenversammlung formulierte. Darin ist zwar von diversen Zuschüssen und erfreulichen Förderbescheiden die Rede, aber auch von einer anhaltend schwierigen Lage des Museumsvereins. Immerhin: für rund 100000 Euro wurde das Dach saniert und abgedichtet, wurden neue Fenster zum Schutz der bislang zugigen Räume eingebaut. Doch eine intakte Hülle macht noch kein attraktives Museum.

          Ein "Feinkonzept" für die wohl im 11.Jahrhundert erbaute und 1640 teilweise zerstörte Brömserburg wurde in Auftrag gegeben, mit Vorschlägen, wie das Museum attraktiver werden könnte. Der Hessische Museumsverband unterstützt dieses Konzept finanziell und auch die wissenschaftliche Inventarisierung. Doch im November 2004 erklärte der Vorstand des Museumsvereins, das Museum zum Januar schließen zu müssen, wenn die Stadt nicht die Personalkosten von 78000 Euro übernähme.

          Die Stadt sah sich dazu angesichts ihrer eigenen Rekorddefizite im Etat nicht in der Lage, und doch wurde schließlich ein Ausweg für ein Jahr gefunden: Der Verein muß versuchen, zumindest 18000 Euro dieser Summe aufzubringen oder einzusparen, die Stadtverordnetenversammlung bewilligte einmalig 30000 Euro und bürdete einmalig und einseitig weitere 30000 Euro dem Wirtschaftsförderungsverein (WTF) auf.

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