https://www.faz.net/-gzg-rqci

Rüdesheim : Kaum Chancen für Rheinbrücke

  • Aktualisiert am

Dem Bau einer Rheinbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim/Geisenheim stehen Vorschriften des Natur- und Artenschutzes entgegen. Die Verfasser der Umweltverträglichkeitsstudie zum Projekt halten zwar seine Weiterführung für möglich, aber nicht für empfehlenswert.

          2 Min.

          Die Brücke wäre mit "gravierendsten Auswirkungen auf die regional, national wie international hochgradig bedeutende Vogelwelt des Inselrheins verbunden",heißt es. Die zusammenfassenden Ergebnisse der vom Landesbetrieb Straßen und Verkehr Rheinland-Pfalz in Auftrag gegebenen Untersuchungen zu Verkehr, Linienführung, Umweltverträglichkeit und städtebaulichen Auswirkungen wurden den Mitgliedern der Kreistage Rheingau-Taunus und Mainz-Bingen Freitag nachmittag in Ingelheim von den Experten erläutert. Die Studie dient als Grundlage eines Raumordnungsverfahrens.

          Die Autoren sagen voraus, daß nach dem Bau einer Rheinbrücke mit dem Verschwinden einiger gefährdeter Vogelarten zu rechnen ist. Die Graureiher-Brutkolonie auf der Rüdesheimer Aue beispielsweise wäre dann sehr gefährdet.

          Die Risiken für Pflanzenwelt, Landschaftsbild, Boden, Wasser, Klima, Luft, Erholung und Kulturgüter könnten vielleicht noch kompensiert werden, die für dort rastende Wasservögel aber nicht, wie es in der Studie heißt. Die Experten haben 145 Arten von Brut- und Wasservögeln und rund 50 000 "Individuen" gezählt. Die Veränderungen des Lebensraums einiger Rastvogelarten könnten nicht ausgeglichen werden.

          Nach den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes sei der Brückenbau hinsichtlich des Status des Areals als europäisches Vogelschutzgebiet "strikt unzulässig", fassen die Gutachter zusammen. Zu beachten sei ferner, daß die "Sichtbeziehungen im Rheintal" gestört würden.

          Daß eine zweispurige, regionale Rheinbrücke mit Geh- und Radweg eine wichtige Verbindung über den Strom sein könnte, wird von den Ergebnissen des Verkehrsgutachtens belegt. Ohne die Erhebung einer Maut nähme der Verkehr über den Rhein um 85 Prozent auf fast 10 000 Fahrzeuge in 24 Stunden zu. Die Fähren würden in diesem Fall kaum noch genutzt. Eine Mautgebühr, wie sie vor allem vom Rheingau-Taunus-Kreis zur Lenkung des Verkehrsaufkommens und zur Verhinderung des unerwünschten Fernverkehrs erwünscht wäre, dämpfte die Anziehungskraft der Brücke - wie erhofft - deutlich: Pro Tag sei in diesem Fall nur noch mit 6700 Fahrzeugen zu rechnen, wenn eine Fahrt zwischen 1,80 und 2,30 Euro je Auto kostete.

          Würde die auf Baukosten in Höhe von 46 bis 50 Millionen Euro geschätzte Brücke von Rüdesheim in Richtung Geisenheim verlegt, wäre sie nach Ansicht der Gutachter deutlich attraktiver als am - bislang favorisierten - Standort der früheren Hindenburgbrücke. Diese war im März 1945 gesprengt worden, ihre Pfeilerreste ragen noch heute aus dem Strom. Den Bau eines 20 Meter tiefen Tunnels unter dem Rhein haben die Planer wegen der fast doppelt so hohen Kosten von rund 85 Millionen Euro erst gar nicht ernsthaft diskutiert.

          Gravierend könnten auch die städtebaulichen Auswirkungen sein. Die Gutachter befürworten deshalb keine der untersuchten Varianten der Linienführung uneingeschränkt und sehen bei einigen - wie der Linienführung auf der alten Hindenburg-Trasse - die Zerstörung von Ortseingängen und wertvollen Grünflächen voraus. Während bei der städtebaulichen Entwicklung die Risiken überwögen, lägen die Chancen der Brücke vor allem in der wirtschaftlichen Entwicklung, heißt es.

          Die beiden Kreistage werden die Gutachten in Kürze getrennt diskutieren. Wie berichtet ist die politische Unterstützung des Projektes durch den Wechsel im Landratsamt im Rheingau-Taunus-Kreis und eine neue politische Konstellation im Kreistag von Ingelheim inzwischen so gering, daß das Land Rheinland-Pfalz nicht mehr von ernsthaften Chancen auf eine Verwirklichung ausgeht. Das Land richtet sein Augenmerk statt dessen auf einen Brückenschlag im Mittelrheintal bei St. Goarshausen.

          Weitere Themen

          Mauerreste unter der Basilika

          Kloster Eberbach : Mauerreste unter der Basilika

          Sanierungsarbeiten im Kloster Eberbach sind vor allem für Archäologen interessant. Denn bei Bodenarbeiten kommen oft historische Schätze zu Tage. Sie zeigen, welche Bedeutung das Kloster im Mittelalter und der frühen Neuzeit hatte.

          Topmeldungen

          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang stellen den Verfassungsschutzbericht 2019 vor

          Rechtsextremismus : „Das ist eine Schande für unser Land“

          Der aktuelle Verfassungsschutzbericht zeichnet ein klares Bild: Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus seien weiter die größte Bedrohung für die Sicherheit in Deutschland, erklärt Innenminister Seehofer. „Wir müssen weiterhin wachsam und wehrhaft sein.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.