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Mainzer Rosenmontagszug : Vier Stimmungslieder und viel Süßes

Rückkehrer: Nach der sturmbedingten Absage vor einem Jahr rollte gestern wieder ein Rosenmontagszug durch Mainz. Bild: Cornelia Sick

Mehr als eine halbe Million Menschen freuen sich über den Mainzer Rosenmontagszug. Auch die Polizei ist entspannt: Bis zum Abend bleibt alles recht friedlich.

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          Viel braucht es nicht, um einen Rosenmontagszug in Mainz zu einer rundum gelungenen Sache zu machen: gutes Wetter, gute Stimmung und möglichst viele „Gutsjer“, die zur Freude des auf der sieben Kilometer langen Strecke Spalier stehenden Narrenvolkes verteilt werden. So gesehen war es fast schon ein Frevel, dass ein Wagen gestern leer auf die Strecke geschickt wurde, weil es die Verantwortlichen schlichtweg vergessen hatten, die Wurfware – also Popcorn, Kekse, Bonbons oder auch nur ein paar Taschentuchpäckchen – mit an Bord zu nehmen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Was intern zwar für ein ganz klein wenig Aufregung, gemischt mit etwas Spott über die „Kopflosen“ sorgte, sich aber rasch beheben ließ, weil unterwegs noch nachgeladen wurde. Bemerkt hätte den Fauxpas allerdings vermutlich ohnehin kaum jemand, weil beim 115. Mainzer Rosenmontagszug seit 1838 und dem ersten nach der sturmbedingten Absage von 2016 insgesamt mehr als 150 Tonnen „von allem Möglichen“ geworfen wurde, wie Michael Bonewitz, Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), gestern bei einer ersten Bilanz mitteilte.

          „Nur wer sich selbst zum Narren macht, feiert echte Fassenacht“

          Dass unterwegs ordentlich ausgeteilt wurde, dürfte die schätzungsweise mehr als eine halbe Million Zuschauer am Wegesrand nach Ansicht des MCV-Zugleiters, Markus Perabo, ebenso gefreut haben wie das entgegen allen Prognosen am Ende doch „traumhafte Wetter“ und die „bildhübschen Motivwagen“, die ja das Aushängeschild des Mainzer Umzuges seien. Von der eher sparsamen Seite zeigen sich bei dem mehr als fünfstündigen Schaulaufen, an dem sich von 11.11 Uhr an nach Angaben der Organisatoren rund 9500 Reiter und Mitmarschierer beteiligten, nur die Musikzüge und Guggenmusiken. Man verfüge zwar über ein großer Repertoire, an Rosenmontag würden aber meist fünf oder sechs Gassenhauer reichen, „die dafür ja immer und immer wieder gespielt werden“, sagte ein Mann mit Pauke noch vor dem offiziellen Start der Narrenparade in der Neustadt. Und ein anderer Musiker hielt gar vier eingängige Stücke für ausreichend, um vor ständig wechselndem Publikum einmal quer durch die ganze Stadt zu gelangen.

          Gewohnt großzügig zeigen sich die Narren erfahrungsgemäß auch dann, wenn es darum geht, andere zu kritisieren. Dabei wurden diesmal sogar die eigenen Mitstreiter nicht geschont: Schließlich sind sowohl die CDU-Landeschefin Julia Klöckner, auf einer der Motivwagen steckte sie in der Maus(s)e-Falle, als auch der Präsident des FSV Mainz 05, ihn sah man als rollende Karikatur an seinem „Thron“ kleben, beide hochdekorierte Gardemitglieder. Getreu dem Motto „Nur wer sich selbst zum Narren macht, feiert echte Fassenacht“ wurden sie gestern aber ebenso verspottet wie der neue amerikanische Präsident als „Trump-el-tier im Porzellanladen“; und die dem Untergang nahen Engländer, die nach Ansicht der Narren den „EU-Dampfer“ freiwillig verlassen haben und nun in ihrem kleinen, kaum seetüchtigen Rettungsboot einer ungewissen Zukunft entgegenpaddeln; dabei jedoch ungebrochen selbstbewusst allen anderen Europäern den ausgestreckten Mittelfinger zeigen.

          Polizei mit dem Verlauf des Zuges zufrieden

          Einen Totalausfall gab es schlussendlich auch noch: Die Zug-End(t)e kam nicht in die Gänge. Die auf einem gut 30 Jahre alten, umgebauten VW Käfer montierte Symbolfigur konnte vermutlich wegen eines Marderschadens nicht wie sonst üblich als letzte von 154 Zugnummern hintendrein herfahren. Was genau da wo geschehen war, wird bei der Manöverkritik vermutlich ebenso Thema sein wie die Frage, warum sich beim stundenlangen Schaulaufen immer wieder gewaltige Lücken auftaten und sich das Ganze zum Schluss doch „gewaltig hingezogen“ hat, wie am späteren Nachmittag unter anderem eine Zuschauergruppe in Höhe der Polizeiwache Altstadt befand.

          Die Beamten dagegen waren gegen 17 Uhr recht zufrieden mit dem, was sich bis dahin auf den Straßen und Plätzen im Zentrum von Mainz abgespielt hatte. Nämlich vergleichsweise wenig, so dass die Polizei in einer ersten Zwischenbilanz von einem „Zug ohne nennenswerte Zwischenfälle“ sprach: „Kleinere Rangeleien und Streitigkeiten, meist alkoholbedingt, sind durch schnelles Eingreifen der Einsatzgruppen jedoch zügig unterbunden worden. Erfahrungsgemäß kann die Stimmung im Laufe einer langen Rosenmondnacht allerdings auch leicht umschlagen.

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