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Roland Koch : Wenn Koch kocht

Roland Koch als Küchenchef Bild: Wolfgang Eilmes

Beim Zwiebelschneiden ist die Brille von Vorteil: Bisweilen macht der hessische Ministerpräsident aus seinem Hobby eine Aufführung.

          2 Min.

          Die Kartoffeln muß er nicht schälen, das wurde vorbereitet. Irgendwelche Vorteile muß es ja haben, wenn man Ministerpräsident ist. Aber die Zwiebeln müssen geschnitten werden. Doch keine Träne rollt über Roland Kochs Wangen. „Manchmal ist die Brille ein Vorteil“, sagt er. Und fügt hinzu, er wisse nicht, ob er ein guter Koch sei - im wörtlichen Sinne. Aber es mache ihm Spaß:

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wenn ich Briefmarken sammelte, hätte ich bestimmt bald zu Hause schubladenweise nicht abgelöste Marken.“ Beim Kochen hingegen könne er gut entspannen, sagt der Politiker mit Schlips und Schürze, rührt ein bißchen, schmeckt ab und gießt einen Schluck Riesling in die Suppe. Beim Kochen könne man gleich an den Gesichtern sehen, ob das Ergebnis den Leute bekomme, fügt er hinzu. In der Politik dauerten Erfolge meistens länger.

          Postfeministische Arbeitsteilung

          Wenn Koch kocht: In den vergangenen sieben Jahren hat Hessens Ministerpräsident das Sprachspiel immer mal wieder für eine öffentliche Aufführung genutzt - so wie am Dienstag beim Sponsorenabend des Sportvereins FSV Frankfurt in den neuen Räumen der Frankfurter Volksbank. Eine richtige Entlastung für seine Frau scheint der Hobbykoch trotz allem wohl nicht zu sein:

          Im Urlaub oder zu Weihnachten lasse der Beruf ihm Zeit, ausgiebig in der Küche zu stehen, erzählt Koch, während er die Hand über die Platte hält, um die Hitze zu testen. Bei der Gartenarbeit hat das Ehepaar die Aufgaben offenbar auch eher postfeministisch aufgeteilt: „Für alles, was blüht, ist meine Frau zuständig“, sagt der Ministerpräsident, während er die ersten Schälchen mit Suppe füllt.

          „Wichtig ist, daß du den Daumen nicht reinhältst“, meldet sich jetzt Radiokomiker Robert Treutel („Bodo Bach mein Name“) zu Wort, der zu einem ganzen Team mehr oder minder prominenter Kellner gehört, die Kochs Speisen an die Gäste verteilen. Fernsehmoderator Thomas Koschwitz muß sich sagen lassen, seine Kellnerschürze spanne am Bauch. Von Tisch zu Tisch läuft auch Fußballer Mimoun Azaouagh, der beim FSV Frankfurt das Kicken gelernt hat und jetzt bei Schalke spielt. FFH-Moderator Johannes Scherer („Scherers Hausbesuch“) erzählt vom Schlafbedürfnis, das ihn stets packe, wenn er in aller Herrgottsfrühe im Radio die Hessen geweckt habe - und daß er sich dann, anders als viele Hörer, mittags meistens ein bißchen hinlegen könne.

          Kalbsrollbraten „Frankfurter Art“

          „Auch ich koche manchmal“, bekennt Hausherr Hans-Joachim Tonnellier, der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank. Um aber sogleich hinzuzufügen: „Vor Wut. Wenn zum Beispiel die Politiker die Steuern erhöhen.“ Als Anhänger des kleineren Frankfurter Fußballclubs will er das Koch-Event mit Vereinspräsident Michael Görner nutzen, um mehr Unterstützer für das „Vereins-Mauerblümchen“ zu gewinnen, wie beide sagen.

          Der Ministerpräsident brät unterdessen vorsichtig die Kalbsrolle an. „Ich hatte zuerst überlegt, etwas mit Spargel zu machen“, sagt er. „Aber dann habe ich gedacht: Spargel kriegen die Leute jetzt in der Saison noch überall.“ Deshalb habe er ein möglichst hessisches Menü zusammengestellt: Rhöner Kartoffelsuppe als Vorspeise, mit einem Schuß Rheingau-Riesling vom Weingut Robert Weil in Kiedrich; Kalbsrollbraten „Frankfurter Art“, gefüllt mit Kräutern aus der Grünen Soße; und als Abschluß ein Rheingau-Apfel-Sorbet, bei dem wieder der regionaltypische Riesling zum Einsatz kommt.

          Das Rezept hat Koch vorher per E-Mail an das Hotel Intercontinental geschickt, dessen Catering alles vorbereitet hat. „Daß die Mannschaft auch in der Lage gewesen wäre, ein ordentliches Essen zu machen, ohne daß ich ihnen in die Suppe spucke, wissen Sie vermutlich“, sagt Koch. Aber obwohl er meint, daß sein Name ihn keinesfalls zu solcherlei Küchenarbeit von vornherein verpflichte, sei es doch immer „ein Jux“.

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