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Ausgrabungen in Mittelhessen : Römischer Pferdekopf auf der Saalburg zu sehen

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Bei Ausgrabungen entdeckt: Ein lebensgroßer Pferdekopf einer vergoldeten Reiterstatue. Bild: dpa

Der Streit um die Höhe der Entscheidung mit dem Bauern, auf dessen Grundstück der Kopf gefunden wurde, ist noch nicht geschlichtet. Am Sonntag wird das Museum mit einem Familientag eröffnet.

          Als „sensationeller Fund“ galt der Pferdekopf einer römischen Reiterstatue schon vor neun Jahren. Damals war er aus elf Meter Tiefe in einem Brunnen in Waldgirmes zwischen Wetzlar und Gießen geborgen worden. Nachdem sich das Land Hessen neun Jahre lang mit dem Eigentümer des Ackers über die Entschädigung gestritten hatte, wird der Kopf von morgen an in der Saalburg erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. So, wie er golden in der Glasvitrine schimmert, zeigt er sich auch als echtes Schmuckstück. Wobei der Eindruck täuscht: Nur ein Teil des 59 Zentimeter langen und 15 Kilogramm schweren Pferdekopfs ist noch mit Blattgold verziert. Doch auch der Rest glänzt – bei genauem Hinsehen in einem etwas rötlicheren Ton.

          Restauratorin Angelika Ulbrich hat nicht etwa nachgeholfen, sondern nur vorsichtig die Korrosion entfernt und die Oberfläche an manchen Stellen mit Acrylharz gefestigt. Zusätzliches Gold hat sie nicht aufgebracht. Unter anderen Umständen wäre der Kopf grün, denn er hätte Patina angesetzt. In einem solchen Fall gilt: „Die Patina ist die Originaloberfläche, die entfernt man nicht“, erläuterte Ulbrich. Weil der Kopf aber zwischen Mühlsteinen in dem Brunnen lag und mit Wasser bedeckt war, hat er in den 2000 Jahren kaum mit Luft reagiert. Es ist die Bronze, die dem Betrachter in dem nicht sehr großen Museumsraum entgegenleuchtet.

          Das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Limburg Ende Juli war für Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) der Zeitpunkt, „die Bürger zu ihrem Recht kommen zu lassen.“ Zusammen mit Saalburgdirektor Carsten Amrhein zog er gestern ein Tuch von der verhüllten Vitrine im Westflügel der Principia. Am Sonntag um 11 Uhr wird die Ausstellung offiziell eröffnet, was das Museum mit Führungen und einem Familienprogramm begleitet. Die Saalburg, die sich als einziges Museum in Hessen ausschließlich der Römerzeit widmet und Standort des Informationszentrums der Unesco-Welterbestätte Limes ist, bezeichnete Rhein als den „idealen Ausstellungsort“. Auch wenn das Kastell erst 100 Jahre nach der Zerstörung der römischen Siedlung an der Lahn entstand.

          Die Dauerausstellung stelle einen größeren Zusammenhang her, sagte Amrhein. So würden Funde aus vorrömischer Zeit ebenso gezeigt wie Objekte der in Bad Homburg-Gonzenheim entdeckten Merowingergräber. Die zwischen 1993 und 2012 in Waldgirmes ausgegrabenen Relikte seien wichtig, um die augusteische Eroberung besser zu verstehen. Obwohl die Siedlung nur einen „Wimpernschlag der Geschichte“ bestanden habe, nämlich 20 Jahre lang, hätten die Römer dort eine monumentale Platzanlage wie für ein größeres Verwaltungszentrum angelegt.

          Über das damals verwendete Holz lassen sich die ersten Bauten in Waldgirmes auf das Jahr 4 vor Christus datieren. Auf dem repräsentativen Forum fanden sich Reste von fünf Postamenten. Der bronzene Reiter, bei dem es sich um Augustus gehandelt haben könnte, war also nicht allein. Amrhein vermutet, dass die Statuen vielleicht erst 7 nach Christus aufgestellt wurden. Kurze Zeit danach wurden sie zerstört, vermutlich in Folge der für die Römer vernichtenden Niederlage in der Varusschlacht. Nach einem Wiederaufbau wurde die außerhalb des römischen Reichs gelegene Siedlung dann im Jahr 16 aufgegeben. Eine Vitrine zeigt einen Teil der fast 200 weiteren bronzenen Bruchstücke, die sich auf dem Gelände fanden. Darunter sind der linke Fuß eines Reiters, ein Pferdefuß und größere Stücke der Brustschirrung eines Pferdes. Sie stammen nicht alle von derselben Statue.

          Vom auf der Saalburg gezeigten Original des Pferdekopfes gibt es eine Replik, und es werde auch die einzige bleiben, sagte Rhein. Ob man sie am Fundort zeigen könne, darüber sei man mit dem Förderverein Römisches Forum Waldgirmes im Gespräch. Vom 6. November bis 18. Dezember ist die Nachbildung auf der Saalburg zu sehen, weil der originale Pferdekopf für eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin aus Anlass des Europäischen Jahrs des kulturellen Erbes ausgeliehen wird. Das bleibe aber die absolute Ausnahme, hob der Minister hervor. Als internationale Leihgabe werde sonst ausschließlich die Replik auf Reisen gehen.

          Wie es mit dem juristischen Streit weitergeht, wird sich bis zum 27. August entscheiden. Dann muss das Land erklären, ob es die Limburger Entscheidung akzeptiert, die dem Landwirt die Hälfte des auf 1,6 Millionen Euro geschätzten Werts zugesprochen hatte.

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