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Römerkastell : Künftig auch Wanderausstellungen auf der Saalburg

Gerüstet: Der Innenhof der neuen Fabrica auf der Saalburg ist überdacht, damit er ganzjährig genutzt werden kann Bild: Wolfgang Eilmes

Mit Eröffnung der Fabrica stehen auf der Saalburg 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Eine Garküche, in der die Speisen der alten Römer nachgekocht werden, soll noch entstehen.

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          Wer im Taunus baut, und sei es auch römisch, sollte sich den Gegebenheiten anpassen. Deshalb war es eine kluge Entscheidung, den säulenumstandenen Innenhof der neuerrichteten Fabrica in der Saalburg zu überdachen. Die letzten Schneereste, die am Freitag von unten auf der Glaspyramide zu bewundern waren, gaben einen deutlichen Hinweis auf den Komfortgewinn, den Mitarbeiter und Besucher in dem Gebäude erwartet. Konzerte und Vorträge in dem wieder aufgebauten Römerkastell erforderten bisher im Winterhalbjahr immer einen Balanceakt bei der Abendgarderobe, weil sich dicke Wollsocken so schlecht mit dem kleinen Schwarzen kombinieren lassen. Dank Fußbodenheizung – das Prinzip hatten schon die Römer verwendet – fällt die Auswahl jetzt leichter.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Römischen Werkstätten nachempfunden

          Am Freitag ist die hessische Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger (CDU) auf den Taunuskamm gekommen, um die Schlüssel für die in gut zwei Jahren entstandene Fabrica vom Hessischen Baumanagement entgegenzunehmen und an Saalburgdirektor Egon Schallmayer weiterzureichen. Das Gebäude ist den Werkstätten nachempfunden, die es in jedem römischem Militärlager gab. Sein Grundriss orientiert sich an einer Fabrica des Kastells Oberstimm in Bayern. Denn in der Saalburg haben vor 100 Jahren die kaiserlichen Altertumsforscher dermaßen gründlich gegraben, dass heute keine neuen Erkenntnisse im Boden zu gewinnen sind. Der Standort des Nachbaus ist daher ebenfalls nur erschlossen, nicht aber historisch belegt.

          Mit der Fabrica, nach modernen Standards errichtet und von römischer Anmutung, erhöht sich die Ausstellungsfläche auf fast 2000 Quadratmeter. Eine 350 Quadratmeter große Halle sei für Wechselausstellungen gedacht und biete die Möglichkeit, publikumswirksame Schauen in das Kastell zu holen. Der 200 Quadratmeter große Innenhof könne ebenfalls hierfür genutzt werden. Auf etwa 40 Quadratmetern ist dauerhaft Platz für die Geschichte der Saalburg, und drei kleinere Räume knüpfen an die frühere Funktion einer Fabrica an: Dort werden Handwerksberufe wie Töpfer, Schreiner oder Knochenschnitzer gezeigt.

          Außerdem will der Förderverein Geld sammeln, damit eine römische Garküche eingerichtet werden kann. Für Veranstaltungen steht ein 200 Quadratmeter großer Saal zur Verfügung, und die Museumspädagogik kann Schulklassen auf 150 Quadratmetern beschäftigen. Ebenfalls im Warmen, was auf der Wunschliste vieler Lehrer stand.

          3,5 Millionen Euro hat das Land Hessen für den Neubau ohne Inneneinrichtung ausgegeben. Insgesamt investiere man 6,7 Millionen Euro in den Ausbau der Saalburg zum Archäologischen Park, sagte Ministerin Lautenschläger. Nachdem vor vier Jahren schon das Praetorium als Institutsgebäude für die Verwaltung erweitert worden war, hat inzwischen der Bau zweier Streifenhäuser des ehemaligen Dorfs vor den Lagertoren begonnen. Sie sollen unter anderem die Kasse und den Museumsladen aufnehmen. Der Bauhof wird ebenfalls ertüchtigt, und mehr als 200.000 Euro sind für das Außengelände vorgesehen. Von einer „lebendigen Mauer“ als Einfriedung umgeben, soll die Saalburg künftig als Ganzes ohne Schranken erlebbar sein.

          Speisen der alten Römer

          Lautenschläger sagte, das Kastell sei Teil des dezentralen Archäologischen Landesmuseums Hessen, zu dem zum Beispiel das gerade begonnene Keltenmuseum am Glauberg gehöre. Die Lage am Welterbe Limes hebe die Saalburg zusätzlich heraus. Hier könnten die Besucher erfahren, wie die Römer gelebt und gekocht hätten. „Sie haben Spaß dabei und können mitmachen“, so die Ministerin.

          Das wird auch in der Fabrica der Fall sein, wo man künftig römisch kochen kann. Dass einmal so viel Geld in das antike Militärlager investiert würde, hat sich Saalburgdirektor und Landesarchäologe Schallmayer vor 15 Jahren nicht vorstellen können. Damals sei von einem „Dornröschenschlaf“ die Rede gewesen, aus dem man das Kastell erweckt habe. „Wir haben die Türen geöffnet und die Mitarbeiter ermuntert, freundlich mit den Leuten umzugehen“, sagte Schallmayer.

          Die erste Sonderausstellung in den neuen Räumen widmet sich Ende April der Ausrüstung und Bewaffnung römischer Soldaten. Sie ist als Wanderausstellung konzipiert und wird auf der Saalburg zum ersten Mal gezeigt. Wer die Fabrica bis dahin schon einmal kennenlernen will, hat dazu am nächsten Freitag, 12. Dezember, Gelegenheit. Von 12 bis 16 Uhr wird das Gebäude mit Führungen zur vollen Stunde geöffnet.

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