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„Rodgauer Weltraumtag“ : Wer Tempo will, muss treten

Modellbau: der Saturn mit seinen Ringen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Wie schnell ist das Licht? Beim ersten „Rodgauer Weltraumtag“ haben Schüler das erfahren. Zum Beispiel beim Fahrradfahren.

          Wer mit Lichtgeschwindigkeit durch die Straßen und Gassen der Tübinger Altstadt rasen will, muss ganz schön in die Pedalen treten. Wie ein Trainings-Fahrrad für zu Hause sieht das Einstein-Mobil aus, das viele Schüler, aber auch erwachsene Besucher am Samstag in der Heinrich-Böll-Schule (HBS) in Rodgau/Nieder-Roden getestet haben. Je schneller man wird, desto stärker verzerren sich die Häuserwände, die – auf eine Großleinwand projiziert – am Pedaltreter vorüberhuschen. „Anstrengend“, kommentierte ein Junge seine Fahrt, bei der er für kurze Zeit immerhin 82 Prozent der Lichtgeschwindigkeit erreichte. Das Experiment vermittelt ein Gefühl dafür, wie schnell Licht ist.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Den ersten „Rodgauer Weltraumtag“ veranstaltete die seit einem Jahr bestehende Astronomie-Arbeitsgemeinschaft der Heinrich-Böll-Schule, einer integrierten Gesamtschule mit rund 700 Schülern. Die Idee, zum Internationalen Jahr der Astronomie 2009 ein Planetenmodell für den sogenannten Schnupperabend der vierten Grundschulklassen zu basteln, bekam damals Eigendynamik: Das Modell beim Schnupperabend zu präsentieren, habe den Schülern nicht gereicht, sagte Petra Carbon, Lehrerin für Naturwissenschaften und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der HBS. Plötzlich leitete Carbon eine Astronomie-AG, der zurzeit zehn Kinder aus den Klassen fünf bis acht angehören. „Astronomie interessiert mich einfach“, sagte Luca Henkel, der die Klasse 8c besucht. Carbon hob hervor, man habe nicht den Anspruch, Physik bis ins Detail zu erklären; „die Kinder sollen Spaß an dem Thema haben“. Es gehe darum, die Schüler für die Naturwissenschaften zu begeistern. Das Konzept hat Erfolg, wie eine Mutter bestätigte: An den Tagen, an denen die Astronomie-AG stattfinde, müsse sie ihrem Sohn Lukas, der die Klasse 8f besucht, die Schlüssel mitgeben, berichtete Beate Jörg. Sie wisse dann nämlich nicht, „wann er nach Hause kommt“.

          Auch bei Tag den Sternenhimmel sehen

          Carbon ist an der HBS auch für den Frankreich-Austausch zuständig. Die Idee, eine Astronomie-Ausstellung zu organisieren, kam während eines Frankreich-Aufenthalts, bei dem die Schüler auch die „Cité de l’Espace“ in Toulouse besuchten. Von dort habe man Bücher, Filme und ein Alphabet der Astronomie in französischer Sprache erhalten, berichtete Carbon. Die Astronomie-AG besuchte inzwischen die Europäische Weltraumorganisation Esa in Darmstadt. Am Samstag wurde die Heinrich-Böll-Schule zur Partnerschule der Deutschen Gesellschaft für Schulastronomie ernannt.

          Zur Premiere des „Rodgauer Weltraumtags“ bauten die Schüler Modelle – unter anderem von einer lokalen Gruppe von Galaxien. Dazu waren selbstgebastelte Modelle von Spiralgalaxien zu sehen. Zur Geschichte der Astronomie gab es ebenso Informationen wie über bedeutende Astronomen wie Ptolemäus, Kopernikus, Kepler und Galileo Galilei. Der Aufbau der Sonne wurde gleichfalls dargestellt. Mit Einsteins Relativitätstheorie und „Schwarzen Löchern“ beschäftigten sich Filme, die auf mehreren Computern abzuspielen waren. In der Aula konnten Besucher anhand einer Himmelskarte „Sternenguckis“ basteln, mit denen man auch bei Tag den Sternenhimmel sehen kann. Der Erfinder des Einstein-Mobils, der Astrophysiker Professor Hanns Ruder von der Universität Tübingen, hielt am Samstagabend einen Vortrag über Einsteins Theorien. Marcus Kirsch von der Esa berichtete über die aktuelle Arbeit der Europäischen Weltraumorganisation. In der vergangenen Woche hatten schon etliche Klassen anderer Schulen aus dem Rodgau die Ausstellung besucht; in dieser Woche werden weitere Klassen folgen. Carbon hob hervor, der „Rodgauer Weltraumtag“ solle künftig alle zwei Jahre stattfinden und fester Teil des dortigen Kulturprogramms werden.

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