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Nahverkehr : Ende der Preissprünge in Sicht

Nachbarschaftstarif: RMV berechnet stärker als zuvor die Länge der Strecke. Bild: dpa

Der RMV reagiert auf Ungerechtigkeiten im Tarifgefüge. Generell Preise nach der Länge der Fahrstrecke zu berechnen, geht Kommunalpolitikern aber zu weit. Eine Tarifreform ist deshalb nicht so einfach zu bewerkstelligen.

          Und er bewegt sich doch. Gemeint ist der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Viele Jahre lang haben sich Fahrgäste über zu hohe Fahrpreise beim Überqueren von Stadt- beziehungsweise Tarifgrenzen beklagt. Die Kunden empfanden es als ungerecht, dass sie zum Beispiel für die vier Kilometer zwischen Frankfurt, Oberrad und Offenbach 4,95 Euro hinlegen mussten.

          Grund für diesen und viele andere Preissprünge etwa an Frankfurts Stadtgrenze war der Wechsel in eine andere Tarifzone. Auch wenn der Fahrgast dort nur über eine Strecke von einer oder zwei Stationen fuhr, musste er für beide Zonen zahlen.

          Nun endlich ist die scheinbar unüberwindliche Hürde genommen. Der neue Nachbarschaftstarif schafft die für jeden sichtbaren Ungerechtigkeiten im Tarifgefüge ab und verbilligt viele Fahrten von Frankfurt in die Nachbargemeinden und umgekehrt. Wenn das System funktioniert und nicht zu erheblichen Einnahmeeinbußen führt, wird der RMV es auch für andere Städte im Rhein-Main-Gebiet einführen.

          Smartphone und Digitalisierung machen es möglich

          Die Nachbarschaftskarte berücksichtigt stärker als der bisherige Tarif die Länge der Strecke, die der Kunde mit dem Bus oder der Bahn zurückgelegt hat. Insofern stellt sie einen Schritt hin zu einem Tarifgefüge dar, in dem in erster Linie nach den gefahrenen Kilometern abgerechnet wird. Einen solchen Abrechnungsmodus strebt RMV-Geschäftsführer Knut Ringat an, seit sich mit dem Smartphone und der Digitalisierung die Wege dafür technisch öffnen.

          Der Forderung, dass der Preis sich nach der Länge der Strecke richten muss, können fast alle zustimmen, zumindest im Prinzip. Wenn es aber konkret wird, schreien viele empört auf. Denn nimmt man allein die zurückgelegten Kilometer zum Maßstab, müssten sich viele Fahrten in der besonders großen Tarifzone Frankfurt verteuern. Wer quer durch Frankfurt von Osten nach Westen fährt, müsste bei einer reinen Kilometerabrechnung deutlich mehr zahlen als bisher.

          Die Frankfurter Kommunalpolitiker haben denn auch gleich klargestellt, dass das mit ihnen nicht zu machen ist. Deshalb stehen sie dem Smart-Modellversuch, dessen 40.000 Teilnehmer nach der Länge der gefahrenen Strecke zahlen, eher skeptisch gegenüber und beharren darauf, dass in Frankfurt weiterhin ein einheitlicher Fahrpreis gilt. Eine Tarifreform ist deshalb nicht so einfach zu bewerkstelligen, wie mancher glaubt. Mit dem Nachbarschaftstarif ist aber immerhin ein Anfang gemacht.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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