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Nahverkehr in Rhein-Main : Botschaft angekommen

Überfüllte Bahnsteige: Bahn und RMV wollen die Qualität des Nahverkehrs verbessern. Bild: dpa

Mehr Fahrzeuge, mehr Personal, bessere Informationen: Bahn und RMV wollen den Nahverkehr modernisieren. Hoffentlich bleibt es nicht nur bei dem Versprechen.

          Die Botschaft hört der Fahrgast wohl. Allein ihm dürfte der Glaube fehlen. So oft wurde ihm versichert, alles werde jetzt bei der S-Bahn und im Regionalverkehr besser. Doch dann fallen wieder Züge aus, und die Pünktlichkeit tendiert zum Unterirdischen.

          Ja, das Schienennetz in Rhein-Main ist überlastet, und die S-Bahn muss sich viel zu oft die Gleise mit dem Fernverkehr teilen, der immer Vorrang hat. Ja, es treiben sich viel zu oft Personen im Frankfurter S-Bahn-Tunnel herum und bringen damit den Verkehr gleich für den ganzen Tag durcheinander. Ja, es werfen sich leider immer wieder verzweifelte Menschen vor den Zug, wodurch der Verkehr zuweilen für Stunden gestoppt wird.

          Flaschenhals im Eisenbahnsystem

          Es gibt viele solcher Ursachen, für die man Verständnis haben muss. Die Bahn steckt in einer schwierigen Situation, denn der Eisenbahnknoten Frankfurt, über den zwei Drittel der Fernverkehre laufen, ist an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Der gesamte deutsche Zugverkehr leidet darunter, besonders aber der Regionalverkehr mit S-Bahn und Regionalzügen. Abhilfe kann hier nicht von heute auf morgen geschaffen werden, der Bau neuer Strecken erfordert Zeit. Viel Zeit. Allerdings haben Bahn und Politik zu spät erkannt, dass Rhein-Main zum Flaschenhals im Eisenbahnsystem geworden ist.

          Es sind weitere Versäumnisse zu benennen. Ja, es wird viel gebaut im Schienennetz, was immer zu Einschränkungen führt. Aber warum weiß bei der Bahn zuweilen die linke Hand nicht, was die rechte tut? Die eine Tochter baut an den Gleisen, und die andere weiß nichts davon. Das darf nicht sein, der Konzern muss seine Aktivitäten besser koordinieren.

          Oder der Personalmangel. Es geht nicht an, dass Züge ausfallen, weil die Bahn ein Stellwerk nicht besetzten kann. Oder weil ein Fahrer krank geworden ist. Dasselbe gilt für die Fahrzeuge. Wenn ein Zug kaputtgeht, sollte die Bahn ihn – und dies alles gilt auch für die anderen Eisenbahnunternehmen – durch einen Zug aus ihrer Reserve ersetzen können.

          Endlich hat auch Bahn-Chef Lutz die prekäre Lage des Eisenbahnwesens in Rhein-Main erkannt und die Chefs seiner Konzerntöchter dazu verdonnert, schnell wirkende Lösungen zu finden. Das Intensivprogramm Schiene hört sich gut an, hoffentlich bleibt es nicht nur ein Versprechen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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